Arturia AudioFuse Studio Rev2 Test

Das Arturia AudioFuse Studio bekam ein kleines Hardware-Update und trägt nun den Zusatz Rev2. Äußerlich alles beim Alten, betreffen die Änderungen nur Internes, wobei die Preamps verbessert wurden: Sie bieten mehr Gain und höhere Übersteuerungsfestigkeit. Ein neues Bluetooth-Modul ergänzt die Übertragungsmodi aptX HD und aptX Low Latency.

Arturia AudioFuse Studio Rev2 Test

Eine neue Firmware und das überarbeitete Control Center 2.5 stehen auch Besitzern der „Rev1“ zur Verfügung. Das Update soll mehr Routing-Möglichkeiten schaffen und das Clocking verbessern. Anschlüsse und Grundausstattung bleiben damit gleich.

Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • Umfangreiche Monitor-Sektion mit zwei Abhörpaaren
  • Drei unabhängige Direct-Monitor-Mixe
  • Vier Mic-Preamps mit bis zu 78 dB Gain
  • Phono, Bluetooth, Reamping und CV-Ausgabe
Contra
  • kein Stereo-Link für die Preamps
  • Keine Monitoring-Effekte

AudioFuse Studio – Für wen und warum?

  • Für wen ist das AudioFuse Studio Rev2? Für Projektstudios, die vier Mic-Preamps und flexible Abhörwege brauchen. Phono, Reamping, Bluetooth und ADAT sind ebenfalls dabei.
  • Was ist gegenüber dem Vorgänger neu? Die Mic-Preamps bieten 78 statt 71 dB Gain und vertragen 7 dB mehr Eingangspegel. Bluetooth bekommt aptX HD und Low Latency.
  • Bekommt der Vorgänger auch die neuen Softwarefunktionen? Ja. Control Center 2.5 bringt auch älteren Geräten den Import und Export von Einstellungen. Das bisherige Studio erhält per Firmware außerdem neue Routing- und Clocking-Updates, die Optik ist ebenfalls deutlich besser.

Dickes Desktop-Interface 18 in/20 Out

Das Arturia AudioFuse Studio Rev2 ist ein üppig ausgestattetes USB-2.0-Audiointerface mit acht analogen Ein- und Ausgängen. Dazu kommen jeweils zehn digitale Kanäle über ADAT und S/PDIF. Die beiden optischen ADAT-Ein- und Ausgangspaare ermöglichen S/MUX bei höheren Sampleraten, verdoppeln aber nicht die Kanalzahl. Insgesamt stehen so maximal 18 Eingangs- und 20 Ausgangskanäle inklusive Stereo-Loopback zur Verfügung.

Acht analogen Eingänge und viele Vorschalt-Optionen

Vier Combo-Eingänge an der Stirnseite nehmen Mikrofon-, Line- und Instrumentensignale entgegen. Alle verfügen über einen Preamp und einen unsymmetrischen Insert-Send/Return auf der Rückseite. Neu sind der maximale Gain von 78 dB und der maximale Eingangspegel von +18 dBu. Mikrofone werden per XLR angeschlossen und erhalten bei Bedarf so Phantomspeisung.

Preamps
Vier Preamps mit sehr viel Gain

Line- und Instrumentensignale kommen ausschließlich über Klinke rein. Für Instrumente lässt sich zudem die Eingangsimpedanz umschalten. Pad, Gain und Phasenumkehr stehen an allen vier Eingängen zur Verfügung. Der Gain wird analog und ausschließlich am Gerät geregelt. Stereo-Link oder Preamp-Bypass gibt es nicht.

Allerdings stehen auf der Rückseite vier weitere Line-Eingänge als symmetrische 6,3-mm-Klinkenbuchsen parat. Input 5/6 lässt sich über die Software auf die alternativen Cinch-Eingänge umschalten – wahlweise für Line- oder Phono-Signale. Für Input 7/8 steht alternativ das Bluetooth-Modul als Quelle bereit.

Französische Eleganz mit Vinyl & Sans fil

Neben den vier Preamps lassen sich also gleichzeitig ein Plattenspieler und ein Bluetooth-Zuspieler in Stereo aufnehmen. Letzterer kommt auch mit neuen Formaten wie aptX HD und LL. Die zugehörigen Klinkeneingänge 5–8 entfallen dann allerdings paarweise. Selbst das interne Talkback-Mikrofon nutzt den Eingangspfad 7/8 und schränkt dessen parallele Nutzung ein. Kommunikation wird ohnehin großgeschrieben: alle Preamps haben einen eigenen Listen-Taster. Talk, Cue, Listen – dazu später mehr.

Mixer
Oben die Inputs, in der Mitte die Monitor-Mixe, unten die Ausgänge. Zuweisungen über Drop-Downs

Trotz der vielen Anschlüsse besitzt das Interface nur acht AD- und acht DA-Wandler. Das hat auch ausgangsseitig Folgen. Ausgang 1/2 versorgt als Speaker A die Hauptmonitore, deren Pegel der große Monitor-Regler steuert. Sein LED-Kranz visualisiert den Pegel. Mono, Mute und Dim Taster sind anbei.

Die Kopfhörerausgänge belegen zunächst die Kanäle 3/4 und 5/6 und lassen sich getrennt ansprechen und im Pegel regeln. Witzigerweise haben beide sowohl 3,5mm als auch 6,35mm Anschlüsse.

Für die Speaker und Kopfhörer können darüberhinaus individuelle Mischungen aus DAW-Signalen und Eingängen erstellt werden. Dafür stehen in der Software drei Low-Latency-Mixer bereit: Main, Cue 1 und Cue 2. Die Zuweisung selbst erfolgt über die Taster am Gerät oder per Dropdown in der Software. So weit, so gut.

Dreimal Direct-Monitoring & ein ominöser 7/8

Bei den übrigen Klinkenausgängen wird es komplizierter. Speaker B dient zunächst zum Anschluss eines zweiten Monitorpaars, zwischen dem und Speaker A umgeschaltet werden kann. Auch ein separater Trim zum Pegelabgleich ist vorhanden. Alternativ lässt sich Speaker B Out mit einem eigenen Mix versorgen, der dann allerdings dem Signal von Kopfhörerausgang 2 entspricht. Praktisch, wenn im Aufnahmeraum ein zusätzlicher Kopfhörerverstärker steht.

Rückseite
Viele Anschlüsse, viele Möglichkeiten: AudioFuse Studio Rev2 geizt nicht!

Der Aux-Ausgang L/R ist zunächst den USB-Kanälen 7/8 zugeordnet. Wir erinnern uns: Main liegt auf 1/2, die beiden Kopfhörerausgänge auf 3/4 und 5/6. Dieser Aux Out (Reamp) lässt sich außerdem mit einem der drei Mixe – Main, Cue 1 oder Cue 2 – versorgen, sowie direkt mit einem Eingangssignal beschicken. Zusätzlich lässt sich der Pegel von −90 bis +12 dB regeln, auf Instrument-Level umschalten sowie der Ausgang für CV-Signale nutzen.

So lassen sich modulare Synthesizer steuern oder Gitarrenverstärker fürs Reamping anspielen. Vereinfacht gesagt nimmt man dafür das trockene Gitarrensignal („DI“) separat vom verzerrten Amp-Signal auf und schickt es später noch einmal durch einen anderen Verstärker. Das ist grundsätzlich so schon ziemlich geil.

Ob man dafür so viele Umschaltmöglichkeiten braucht oder gleich besser mehr Wandler nutzt, muss jeder selbst entscheiden. Weiterhin dazu kommen die beiden ADAT-Ein- und Ausgangspaare, koaxiales S/PDIF, ein USB-Hub und MIDI auf Miniklinke. Die Inserts für die Preamps lassen sich nicht gesondert schalten sondern werden aktiv sobald das Kabel eingesteckt wird. Hier nutzt man ein klassisches Y-Kabel, unsymmetrisch.

Inhalt
Beim Lieferumfang bleibt alles beim Alten: USB-Kabel, Netzteil und zwei TRS/DIN-MIDI-Adapter.

Im Betrieb wurde das Gerät übrigens nur leicht warm. Die für ältere Modelle beschriebene starke Hitze konnte ich beim Testgerät nicht feststellen. Einen direkten Vergleich habe ich aber auch nicht.

AudioFuse Studio: Viel Studio auf dem Schreibtisch

Acht Ins, acht Outs und jede Menge Zuschaltoptionen – das ist lässig. Das AudioFuse Studio packt Audiointerface, Monitor-Controller und Zuspielzentrale in ein stylisches Desktop-Gerät. Phono für den 1210er, Bluetooth für die Handy-Gäste, die die neusten Demos vorspielen müssen.

Mega praktisch – wobei ein USB-auf-Klinke-Adapter für ’nen Zehner oder separate Phono-Lösungen solche Gelegenheitsjobs auch erledigen. Und wer einen DJ-Mixer hat, ist beim Plattenspieler ohnehin anderweitig versorgt. Vielleicht landet aber per Bluetooth der Fernsehton vom Fire-TV-Stick auf den Studioboxen?

Zwei schaltbare Monitorpaare, Talkback, Listen und drei Direct-Monitor-Mixe sind für Bands mit getrennten Aufnahmeraum durchaus nützlich. Wer das alles nutzt, spart tatsächlich einige Zusatzgeräte.

Viele Funktionen haben außerdem ihren eigenen Knopf. Die Regler fühlen sich solide an, die Taster klicken etwas billig. Ihre Beschriftung ist beleuchtet, aktive Funktionen leuchten heller. Der Unterschied könnte jedoch deutlicher sein.

Das Control Center ist schlichter und übersichtlicher geworden. Beim Verstellen zeigen die Regler genaue Werte, ein Doppelklick setzt sie zurück. Stereo-Link und Mono-Funktionen erleichtern das Monitoring. Listen, Talkback, Dim und Clip-Anzeigen lassen sich anpassen; für die Monitorpaare können getrennte Abhörpegel festgelegt werden.

Neu ist der Import und Export der Geräteeinstellungen. Unterschiedliche Setups lassen sich sichern und auch wieder laden, anstatt Routing und Monitor-Mixe von Hand anzupassen. Auch ein HTTP-API soll eigene Fernsteuerungen und Automationen ermöglichen, ausprobiert hab ich das nicht. Sonderbar bleibt weiterhin die Solo-Funktion: Ein zuvor stummgeschalteter Kanal bleibt auch bei aktiviertem Solo stumm. Why?

Räum dein Zimmer auf!

Die frontseitigen Combo-Buchsen überzeugen mich im Studioalltag weniger: Dauerhaft angeschlossene Mikrofonkabel nerven auf dem Tisch. Andere Interfaces haben separate Instrumenteneingänge vorn, die beim Einstecken automatisch aktiv werden. Die rückseitigen Mikrofon- oder Line-Kabel können angeschlossen bleiben und versteckt verlegt werden. Beim AudioFuse Studio muss man dagegen auch noch umstecken.

Studio
Ein Musiker-Schreibtisch wird chaotisch, wenn man sein Kabelmanagement nicht im Griff hat.

Auch stört, dass sich Line-Signale nicht über XLR zuführen lassen und ein Preamp-Bypass fehlt. Dafür gibt es die rückseitigen Line-Eingänge, ihre Nutzung geht aber zulasten von Phono beziehungsweise Bluetooth. Immerhin lässt sich Letzteres einfach am Gerät unkompliziert zuschalten. Für gelegentliche Zuspielungen reicht das alles aus. Wer dauerhaft verkabeln möchte, muss genauer planen. Auch dass manche Funktionen nur am Gerät und andere nur in der Software geregelt werden können, wirkt willkürlich. Inserts? Ja, geil – aber doch nicht so …

Selbst die Erweiterbarkeit setzt Grenzen. Der zweite ADAT-Port dient ausschließlich S/MUX: Mehr als acht zusätzliche Kanäle sind bei 44,1 oder 48 kHz nicht drin. Das hauseigene AudioFuse 16Rig lässt sich so nicht mit sämtlichen I/Os anbinden. Andersherum wäre es möglich, aber ich möchte ja gerade die Monitor-Controller-Funktionen des Desktop-Geräts nutzen … Wie dem auch sei: Drei Direct-Monitor-Mixe sind gut und für viele Setups ausreichend. Ein bisschen Hall und Delay für die Musiker fehlen trotzdem.

Viele Extras – doch für wen?

Es bleibt die Frage, für wen dieses Gesamtpaket wirklich gedacht ist. Gelegentlichen Zuspieler sind für Bedroom-Producer gut. Talkback und Listen wiederum passen zum Studio mit separatem Aufnahmeraum, gut klingt das eingebaute Mic aber nicht. Wer so viel in seine Räume investiert, greift beim Interface vermutlich mehr als eine Stufe höher ins Regal.

Am schlüssigsten wirkt das AudioFuse Studio für einen Arbeitsplatz, an dem viele Quellen zusammenlaufen und bedienbar sein sollen. Sollten Erweiterbarkeit oder dicke Sessions im Vordergrund stehen, gibt es bessere Alternativen. So sehr ich Arturias kleine Interfaces mag, beim großen Studio-Modell passen die Einzelideen nicht so „flutschi“ zusammen. Was andere Hersteller anders lösen, zeigt die folgende Übersicht.

Besonders das Harrison Flex sticht meines Erachtens heraus, aber auch die UA Apollos sind interessant.

TESTThomann/PREISAnaloge Inputs / Mic-PreampsADAT@44/48
AudioFuse Studio Rev2979 €8 / 48 In / 8 Out
SSL 18918 €8 / 816 In / 16 Out
MOTU 828 (2024)1149 €10 / 216 In / 16 Out
RME Fireface UCX II1239 €8 / 28 In / 8 Out
UA Apollo Twin999 €2 / 28 In, kein Out
Harrison Flex-10629 €2 / 28 In / 8 Out
Neve 88M11892 / 28 In / 8 Out

Fazit: Arturia AudioFuse Studio Rev2

Das Arturia AudioFuse Studio Rev2 bietet viel Ausstattung und direkten Zugriff: Vier Preamps mit reichlich Gain, drei Monitor-Mixe sowie Phono, Bluetooth und Reamping ergeben eine vielseitige Desktop-Zentrale. Die vielen Extras teilen sich allerdings wenige Wandler, und die ADAT-Erweiterung bleibt begrenzt. Wer unterschiedliche Quellen gelegentlich zuspielt, findet ein praktisches Gesamtpaket. Für dauerhaft verkabelte Setups und größere Sessions gibt es schlüssigere Lösungen. Die Rev2 verbessert einzelne Bauteile – die Grenzen des Konzepts bleiben.

  • USB-2.0-Audiointerface mit bis zu 24 Bit/192 kHz
  • Acht analoge Eingänge, davon vier Mic/Line/Instrument-Combos
  • Mic-Preamps mit bis zu 78 dB Gain und +18 dBu maximalem Eingangspegel
  • Vier analoge Inserts
  • Umschaltbare Line-/Phono-Eingänge und Bluetooth mit aptX HD/Low Latency
  • Zwei schaltbare Monitorpaare und zwei separat regelbare Kopfhörerausgänge
  • Drei Direct-Monitor-Mixe: Main, Cue 1 und Cue 2
  • Integriertes Talkback-Mikrofon und Listen-Funktion
  • Aux-Ausgänge für Reamping und CV-Steuerung
  • ADAT mit S/MUX, koaxiales S/PDIF und MIDI über Miniklinke
  • Integrierter USB-Hub
  • AudioFuse Control Center 2.5 mit Import/Export von Einstellungen
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