Lohnt es sich, ein Schlagzeug als Wertanlage zu betrachten? Neben den klassischen Anlagen wie Immobilien, Edelmetallen oder Aktien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten auch ungewöhnliche Sammlerobjekte als Wertanlage etabliert. Hochwertige Violinen oder seltene Vintage-Gitarren sind längst über die Musikszene hinaus bekannt – doch wie sieht es bei uns Drummern aus? Können seltene Snares oder legendäre Schlagzeuge im Laufe der Zeit tatsächlich an Wert gewinnen?

- Das Premier „Pictures of Lily“- Drumset
- Ein Schlagzeug für 2,1 Millionen Dollar!
- Charlie Watts, John Bonham, Neil Peart – welche Instrumente könnten Höchstpreise erzielen?
- Nicht das Instrument, sondern der berühmte Drummer dahinter bestimmt den Preis
- Ist ein Schlagzeug ein Spekulationsobjekt?
- Doch wie kann ich den Wert eines Schlagzeugs ermitteln?
- Vintage Drums – eine sichere Bank?
- Ein originales Vintage-Set ist immer wertvoller als ein restauriertes Players-Kit
- Fazit
Das Premier „Pictures of Lily“- Drumset
Im April 2026, als ich diese Zeilen zu Papier bringe, steht ein Premier Standtom aus Keith Moons legendärem „Pictures of Lily“- Drumset beim Auktionshaus Sotheby’s in New York zur Auktion. Der Schätzpreis liegt zwischen 250.000 und 300.000 US-Dollar (185.000 bis 223.000 GBP). Das von Moon zwischen 1967 und 1969 verwendete Premier Schlagzeug wurde individuell mit Pin-ups der viktorianischen Schauspielerin Lillie Langtry nach Moons eigenen Ideen gestaltet und befand sich zuvor im Besitz des späteren Who-Drummers Zak Starkey.
Ein Frontfell dieses Sets wurde bei Bonhams im Jahr 2019 für 37,562.50 GBP versteigert. Das eigentliche komplette Drumset wurde im Jahr 2004 für schlappe 139,650 GBP versteigert. Zum heutigen Tage könnte man sicherlich einen deutlich höheren Preis dafür erzielen, woran sich die Wertsteigerung ablesen lässt.

Ein Schlagzeug für 2,1 Millionen Dollar!
Schlagzeuge sind ein fester Bestandteil der Musikgeschichte und einige ikonische Sets erzielen bei Auktionen teils astronomische Preise. Dabei ist Keith Moons Drumset noch nicht einmal der Spitzenreiter. Ringo Starrs Schlagzeug aus den frühen Jahren der Beatles, ein Ludwig Black Oyster Pearl mit dem „drop-T“ Beatles Logo auf dem Frontfell, welches bei unzähligen Live-Auftritten und Studioaufnahmen von Ringo genutzt wurde, erzielte bei einer Auktion die unvorstellbare Summe von 2,1 Millionen US-Dollar und ist damit das teuerste jemals verkaufte Schlagzeug. Dagegen fallen die Summen für das Schlagzeug von Ginger Baker (180.000 US-Dollar) und Buddy Richs Drumset (150.000 US-Dollar) geradezu bescheiden aus.
Bei einer gemeinnützigen Auktion wurde am 3. Dezember 2025 ein Yamaha 9000 Recording Custom, das von Nick Mason zwar signiert war, jedoch in keinem Zusammenhang mit Pink Floyd stand, für 16.640 GBP (ca. 21.000 US-Dollar) versteigert. Und ein von Steve Gadd im Jahr 2010 gespieltes Yamaha Signature Set erbrachte im Jahr 2024 auf Kleinanzeigen lediglich 6000,00 EUR, was in etwa dem Neupreis entsprach.
Charlie Watts, John Bonham, Neil Peart – welche Instrumente könnten Höchstpreise erzielen?
Weitere ikonische Schlagzeuge würden vermutlich astronomische Summen erzielen, sollten sie zum Verkauf stehen. Dazu würde sicherlich das Round Badge Gretsch von Charlie Watts und die Schlagzeuge des verstorbenen Rush-Drummers Neil Peart zählen. Genauso wie die Ludwig Drumsets von John Bonham – das Maple Set aus den frühen Tagen von Led Zeppelin, sein Green Sparkle Set, das Amber Vistalite, bekannt aus dem Film „The Song Remains The Same“ sowie sein Stainless Steel Kit. Als weitere Kandidaten wären die aufwändig gestalteten Custom Sets von Alex Van Halen sowie Steward Coplelands Midnight Blue Tama Imperialstar Set aus den frühen Tagen der Band The Police zu nennen.

Nicht das Instrument, sondern der berühmte Drummer dahinter bestimmt den Preis
Alle diese Schlagzeuge sind nicht aufgrund ihres perfekten Zustandes wertvoll, sondern wegen der Schlagzeuger, die sie gespielt haben. Sie sind ein Teil der Musikgeschichte und Unikate, die die phänomenale Entwicklung der Rockmusik in den 1960er bis 1990er Jahren widerspiegeln. Musiker und Fans, die in ihrer Jugend ihren Idolen nacheiferten und heute selbst zu Geld gekommen sind, erwerben diese Trophäen vergangener Zeiten, genauso wie Konzerne und Investoren. Doch eignet sich so etwas als Geldanlage? Schwer zu sagen, vermutlich ja, doch wie bei allen Sammlerstücken hängt der Wert stark von der Nachfrage, dem Zustand und der Echtheit ab.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es schwieriger sein, einen Käufer zu finden. Außerdem verändert sich die Gesellschaft und damit die Wahrnehmungen stetig. Welche Rolle spielen in fünfzig Jahren noch Bands wie The Who, Rush oder Led Zeppelin?

Ist ein Schlagzeug ein Spekulationsobjekt?
Aber auch bestimmte Schlagzeuge, die nicht aus dem Besitz berühmter Persönlichkeiten stammen, können durchaus an Wert zulegen, was aber eher die Ausnahme ist. Dabei sind einige Faktoren zu berücksichtigen und nicht alles, was ein teures Preisschild trägt und oder selten ist, erfährt automatisch eine Wertsteigerung. Zum 150-jährigen Jubiläum stellte Sonor im Januar 2025 zwei Drumsets mit Kesselkonstruktionen aus den 1980er-Jahren als limitierte Neuauflagen vor.
Das 150th Signature Shell Set und das 150th SonorLITE Shell Set waren in jeweils zwei Konfigurationen erhältlich und kombinieren die Kessel von damals mit moderner Sonor-Hardware. Die 150 Kesselsets zum Preis von rund 15.000,- EUR waren in kürzester Zeit vergriffen, genauso wie die 100 Cast Bronze Snaredrums zum Preis von rund 5000,- EUR.
Es ist anzunehmen, dass viele dieser Trommeln nie die Originalverpackung verlassen und nur die wenigsten jemals eine Bühne zu Gesicht bekommen. Genauso verhält es sich mit limitierten Jubiläums- und Sondermodellen der Firmen DW, Gretsch und Ludwig. Doch auch hier sind Preissteigerungen nicht garantiert. Im Januar 2026 wurde auf Kleinanzeigen ein Ludwig 90th Anniversary Drumset für schlappe 900,00 EUR verkauft und lag damit weit unter seinem Neupreis.

Weltweit gibt es etwa 10x mehr Gitarristen als Schlagzeuger
Bei Herstellern aus Fernost ist der Preisverfall, bis auf wenige Ausnahmen, nach wie vor deutlich größer, selbst bei limitierten Sondermodellen. Exorbitante Wertsteigerungen um mehrere tausend Prozent, wie bei manchen Gitarren, sind bei Schlagzeugen nicht zu beobachten und auch nicht zu erwarten. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Nach einer groben Schätzung gibt es weltweit in etwa zehnmal mehr Gitarristen als Drummer. Auch kann man bei einem Gig mehrere Gitarren verwenden und sie im Gegensatz zu Schlagzeugen auf kleinem Raum und zudem dekorativ unterbringen.
Doch wie kann ich den Wert eines Schlagzeugs ermitteln?
Um den Wert eines Schlagzeugs zu ermitteln, besteht die einfachste Möglichkeit darin, den Markt zu beobachten und sich so selbst ein Bild machen. Wichtig dabei ist, dass viele der Trommeln, die zu sehr hohen Preisen im Netz angeboten werden, oft gar nicht oder am Ende zu einem deutlich geringeren Preis verkauft werden.
Gruppen in sozialen Netzwerken können beim Kauf behilflich sein, so etwa die Facebook-Gruppe „Vintage Drum Meeting“. Leider gibt es aber, wie überall, auch schwarze Schafe unter den selbsternannten Experten. Immer wieder werden zum Beispiel fernöstliche Nachbauten legendärer Marken als Originale ausgegeben. Ganz zu schweigen von abenteuerlichsten Reparaturversuchen und Basteleien. Wer sich auf die Suche macht, sollte vor dem Kauf das Angebot genau prüfen und im Zweifelsfall nachfragen oder genaueres Bildmaterial anfordern.

Auch der Standort spielt eine große Rolle. Seltene amerikanische Marken wie Camco oder Slingerland bekommt man in ihrem Heimatland in größerer Bandbreite und auch oft günstiger. Der Versand nach Europa ist jedoch teuer und kompliziert. Viele Verkäufer lehnen daher einen Versand nach Europa grundsätzlich ab. Umgekehrt gestaltet sich das genauso mit Trommeln der Firma Sonor, die sich in den USA und Japan für deutlich mehr Geld verkaufen lassen als hierzulande.
Der weltweite Handel erschwert die Preisfindung eher
Mit den heutigen Möglichkeiten eines weltweiten Verkaufs wird es immer schwieriger, eine Preiseinschätzung zu geben. Schlussendlich regelt das der Markt, wobei Überraschungen immer möglich sind. Wenn ich etwas im Netz einstelle und sich niemand meldet, bin ich vermutlich zu teuer. Melden sich nach zehn Minuten bereits 200 potenzielle Interessenten, ist mein Preis eindeutig zu niedrig.
Am Ende reicht aber nur einer aus, der bereit ist, den veranschlagten Preis zu akzeptieren. Den zukünftigen Wertzuwachs zu prognostizieren, ist um ein Vielfaches schwieriger, da viele Faktoren diese Entwicklung beeinflussen werden. Aber was ist schon der schnöde Mammon gegen das schönste Hobby der Welt?!
Vintage Drums – eine sichere Bank?
Und auch Vintage-Schlagzeuge gelten als sichere Bank, obwohl man auch hier verschiedene Faktoren berücksichtigen muss. Die meisten Sets, die bis in die späten 1980er-Jahre ihren Weg nach Deutschland fanden, hatten die Größen 22“ Bass Drum, 12“, 13“ und 16“ Toms. Im ungünstigeren Fall eine 20“ Bass Drum in Verbindung mit den großen Toms.
Der heutige Geschmack bevorzugt jedoch kleinere Größen und dünne Kessel. Bei einem Sonor Lite im Maserbirke-Finish in den Größen 20“/8“/10“/12“/14“ ist somit ein deutlich höherer Werterhalt zu erwarten als bei einem Sonor Phonic Plus mit vergilbter Folie in den Größen 22“/12“/13“/16“ mit seinen dicken, langen und schweren Kesseln. Die Ausnahme bildet hier das für den Iron Maiden-Drummer Nicko McBrain für die 1986/1987er „Somewhere In Time“-Tour entwickelte Custom Set in mattem Silk Grey Finish mit schwarzer Hardware, das unter dem Namen „Hi-Tech“ in Serie ging und dessen Gewicht heute in Gold aufgewogen wird.
Ein originales Vintage-Set ist immer wertvoller als ein restauriertes Players-Kit
Einen wichtigen Gesichtspunkt für den Werterhalt stellt die Originalität eines Vintage Sets dar, wobei Patina nicht unbedingt eine Wertminderung darstellen muss. Wurden noch vor 20 Jahren die in die Jahre gekommenen Folien gegen neue ersetzt und die ab Werk nicht ganz akkurat geschnittenen Gratungen durch moderne Profile ersetzt, so steht heute die Erhaltung der Originalität im Vordergrund. Diese ist nicht gegeben bei einem sogenannten „Player Kit“ einem historischen Set, das modifiziert wurde und nicht mehr in den Originalzustand zurückversetzt werden kann. Diese Sets eignen sich für den Einsatz auf der Bühne oder im Studio, haben jedoch für Sammler nur einen geringen Wert, wodurch eine Preissteigerung in ihrem Fall kaum zu erwarten ist.
Anders bei den „Collectors Kits“, die – je nach Modell, Konfiguration und Finish – durchaus ihren Wert behalten oder im besten Fall sogar noch steigern können. Grade bei amerikanischen Herstellern spielen hier die Preissteigerungen der letzten fünf Jahre eine erhebliche Rolle. Bekam man ein neues, dreiteiliges Gretsch USA Custom Set noch gegen Ende des letzten Jahrzehnts für ca. 3300,- EUR so liegen wir heute bei ca. 4700,- EUR, was sich auch auf die Preise für Vintage Sets niederschlägt. Dies ist auch gut an den Preissteigerungen bei Ludwig Supra Phonic Snares zu sehen. Diese Snaredrum gehört zu den meistgebauten Trommeln der Welt und ist immer noch sehr gefragt.
Fazit
Die Preissteigerungen bei neuen Modellen haben auch die Preise für einige gebrauchte Drums satt ansteigen lassen. Dies sind jedoch Ausnahmen und bei vielen Trommeln setzt ein normaler Wertverlust wie bei allen Gebrauchsgegenständen ein. Daher muss man sich genau überlegen, in was man investiert. Wer ein Schlagzeug mit hohem Wertbestand erwerben möchte, sollte sich einem Spruch aus der Automobil-Oldtimerszene bedienen, der abgewandelt sagt: „Das bessere Schlagzeug ist in diesem Fall das bessere Schlagzeug“. Sinngemäß bedeutet das: Wer sich zwischen mehreren entscheiden kann, sollte das beste nehmen, auch wenn es zunächst teurer erscheint. Unter dem Strich zahlt sich das vermutlich aus.

























