Test: Pearl Reference One 14“ x 6,5“ Brass, 20ply & Standard Snares – Trio Infernale?

Heute im Test sind drei Snares aus Pearls Reference One Serie. Die drei Edeltrommeln teilen sich identische Kesselmaße und Hardware-Bestückung. Allerdings fallen die Kesselkonstruktionen der Reference One Brass, der Reference One 20ply und der Hybrid / Standard Snare sehr unterschiedlich aus. Wir schauen mal, was die drei Trommeln können und ob sich die stolzen Preise lohnen.

Pearl Reference One 14“ x 6,5“ Brass, 20ply & Standard Snares Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • sehr gute Verarbeitung
  • crispe Ansprache aller drei Modelle
  • hoher Stimmumfang (Brass & Standard)
  • laute und trockene Sounds der 20ply
Contra
  • hohe Preise
  • die Standard war schwerer zu stimmen (siehe Fazit)

Pearl Reference One Snares – das Wichtigste in Kürze

  • Sind alle Modelle neu im Sortiment? Nein, die Brass und die 20ply gab es – mit anderen Spannböckchen – bereits im vorherigen Reference-Portfolio. Das Standardmodell kam 2023 beim Relaunch neu dazu.
  • Wo werden die Snares hergestellt? Im Pearl-Stammwerk in Taiwan.
  • Was sagt der Test? Alle drei Trommeln sprechen sehr gut an. Als durchsetzungsstarker Allrounder überzeugt die Brass, die 20ply ist auch gut, allerdings eher speziell. Die Standard entspricht am ehesten den gewohnten Oberklasse-Snares von Pearl. 

Die Hardware: mit des Beste, was Pearl so zu bieten hat

Bevor wir uns den unterschiedlichen Kesselmaterialien widmen, schauen wir uns zunächst einmal die Hardwarebestückung an. Alle drei Reference One Snares sind mit 20 Single-Swivel-Lugs mit starren Messinggewinden bestückt, oben und unten sind Gussspannreifen montiert. Wie in dieser Preisklasse üblich, kommen Stainless-Steel-Spannschrauben zum Einsatz.

Ins Auge sticht außerdem die SR1000 Glide-Lock-Abhebung. Sie ist so konstruiert, dass sich die Spannung des Snareteppichs auch bei sehr harter Spielweise nicht verändert. Der Unterschied zu anderen Abhebemechanismen besteht darin, dass man mit einem Knopf auf dem Hebel den Mechanismus entriegeln muss (erinnert ein wenig an eine Handbremse). Beim Anspannen des Teppichs wird er wieder verriegelt.

Fotostrecke: 6 Bilder Der SR1000 Glide Lock Strainer…

Die Spannung des Snareteppichs wird ausschließlich auf der Butt-End-Seite eingestellt. Hier muss man das Einstellrad zunächst nach unten drücken, bevor man es in kleinen Schritten drehen und somit den Teppich spannen oder entspannen kann. Zum Wechseln des Resonanzfells kann man die komplette Einheit aus Abhebung, Butt End und Snareteppich abnehmen. Hierfür sind vier Vierkantschrauben vorgesehen.

In der Praxis habe ich ein bisschen gebraucht, um mich an das System zu gewöhnen, insbesondere daran, die Spannung des Snareteppichs ausschließlich auf der Butt-End-Seite einzustellen. Bei den Fellen handelt es sich um die typische Remo-USA-Ambassador-Kombination mit einem 20-spiraligen Ultra-Sound-Snareteppich, die man an nahezu allen Pearl Oberklasse-Snares findet. 

Die drei Kesselkonstruktionen im Detail

Die Brass hat einen drei Millimeter starken, gerollten Messingkessel mit gebürsteter und lackierter Oberfläche. Wie der Name schon sagt, wird er aus einem Blech Messing gerollt und anschließend verschweißt. Die Fertigungsqualität ist allerdings so gut, dass die Schweißnaht für mich nicht zu entdecken ist.

Manche bezeichnen diese Trommel als Pearls Bell-Brass-Modell. Sie sollte aber nicht mit einer echten gegossenen Snare wie zum Beispiel der Tama Bell Brass verwechselt werden, die übrigens aus Bronze gefertigt wird.

Sehr gute Verarbeitung, die Schweißnaht ist nicht zu erkennen.
Sehr gute Verarbeitung, die Schweißnaht ist nicht zu erkennen.

Die 20-ply hat einen 25 mm starken Kessel aus 14 Lagen Ahorn und sechs inneren Lagen Birke – eine Konstruktion, die man nicht jeden Tag zu sehen bekommt! Auf der Außenseite ist sie hochglanzlackiert und kommt im Finish Brooklyn Burst, passend zum Kit aus unserem letzten Test.

Wie schon erwähnt, sind sowohl die 20-ply als auch die Brass keine neuen Modelle, sondern waren Teil der früheren Reference-Serie, im aktuellen Snare-Programm feiern sie quasi ein Comeback.


Links die Standard / Hybrid mit dem 5,4 mm Kessel, daneben das 20ply-Modell.
Links die Standard / Hybrid mit dem 5,4 mm Kessel, daneben das 20ply-Modell.

Eine baugleiche Standard / Hybrid 14″ x 6,5″ Snare hatte ich 2023 (sogar in dieser Farbe) zum damaligen Drumset-Test zu Gast. Sie hat einen 5,4 mm starken Kessel und entspricht damit den meisten übrigen Holzkesseln aus der Reference One Serie. Der Kessel besteht aus sechs Lagen – vier Lagen Ahorn und zwei Lagen Birke und ist in Puppy Grey lackiert, einer Farbe, die von der Automobilindustrie inspiriert ist. Bei den Gratungen macht Pearl hingegen keine Experimente. Alle drei Snares haben eine 45-Grad-Gratung mit leichtem Gegenschnitt.

Bis auf ein kleines Detail ist die Verarbeitung tadellos

Die Verarbeitung ist bei allen drei Modellen tadellos. Der einzige technische Kritikpunkt betrifft die Lugs der Standard-Snare. Ich hatte beim Stimmen etwas zu kämpfen, weil einige der Spannschrauben deutlich leichter liefen als die anderen. Deshalb musste ich mehrmals meine Tama Tension Watch zur Hand nehmen.


So klingen die drei Snares in der Praxis

Bei den folgenden Soundfiles habe ich aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Kesselkonstruktionen keinen direkten Head-to-Head-Vergleich gemacht. Stattdessen habe ich versucht, für jede Trommel die am besten klingenden Stimmungen zu finden.

Wie erwartet, bieten die Brass und die Standard den größten Stimmumfang und sind eher Allrounder, während die 20-ply ein wirklich spezielles Modell ist – mit viel Attack und einem trockeneren, schärferen Ton. Dazu ist ihr Stimmumfang auch deutlich eingeschränkter. Durch die Die Cast-Spannreifen klingen alle drei Trommeln grundsätzlich eher kontrolliert und sehr fokussiert.

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Die Reference One Brass Snare – der prägnante Alleskönner?

Die R1 Brass klingt definitiv prägnanter und kraftvoller als eine herkömmliche Metallsnare mit verschweißtem Blechkessel. Gut gefällt mir auch dass die Obertöne präsent, aber nicht übermäßig dominant sind und sich sehr schön im Gesamtklang einbetten, auch ist die Teppichansprache exzellent.

Auf der anderen Seite hat sie weniger „klingelnde” Obertöne und auch weniger Bauch als eine gegossene Bronzesnare. Das kann aber in manchen Situationen auch mal schnell zu viel des Guten sein, weshalb die R1 Brass hier im Studio unter Umständen sogar die Nase vorn hat. Von allen drei Modellen war sie am leichtesten zu stimmen und es gab eigentlich keinen Stimmbereich, der mir nicht zugesagt hat. Auch in sehr hohen Spannungen „atmet” sie noch und klingt nicht abwürgt. 

Ich würde die Reference One Brass als eine sehr facettenreiche und dynamische Snare bezeichnen, die eine Menge an klanglichen Möglichkeiten bietet, ob live oder im Studio. Auch wenn ich die Trommel als nicht gerade günstig bezeichnen würde, ist der Preis – gemessen an dem was sie kann – absolut angemessen. 

Absolutes Workhorse – die Reference One Brass.
Absolutes Workhorse – die Reference One Brass.

Laut und speziell: Die 20-ply

Die 20ply war in meinem Raum die lauteste der drei Snares. Vor allem in höheren Stimmungen wird sie im Charakter sogar noch etwas “metallischer” als die Brass. Bei extrem hohen Stimmungen klingt sie eher wie ein Block. Auch bei dieser Snare ist die Teppichansprache sehr präzise und direkt. Nicht zu verachten ist außerdem der Klang mit abgespanntem Snareteppich (Danny Carey lässt grüßen!)

Ich denke außerdem, dass diese Snare perfekt für Death Metal und Blast Beats geeignet ist, denn selbst bei Center-Schlägen hat sie unglaublich viel Power. Allerdings ist das Preisschild von 1149€ ebenso imposant.

Müsste man eigentlich mit einem klaren Fell spielen: Der Kessel ist optisch eine absolute Ansage.
Müsste man eigentlich mit einem klaren Fell spielen: Der Kessel ist optisch eine absolute Ansage.

Last but not least: die Standard beziehungsweise Hybrid Snare

Für meinen Geschmack war die Standard-Snare die am breitesten klingende Trommel, die am ehesten in in Richtung der regulären Pearl Masters Modelle geht. Besonders in den tieferen Stimmungen merkt man, dass der Kessel dünner ist und stärker schwingt. 

Durch die Gussspannreifen und die vergleichsweise scharfen Gratungen klingt sie aber höher gestimmt deutlich zupackender und schärfer. Somit ließe sie sich auch problemlos für lautere Anwendungen einsetzen. Allerdings hat sie im Gegensatz zu den regulären Masters-Snares, die auch keine Schnäppchen sind, zu wenig eigenes Profil, was in meinem Augen den Aufpreis rechtfertigt. 

Die Hybrid / Standard mit einem Mischkessel aus Birke und Maple.
Die Hybrid / Standard mit einem Mischkessel aus Birke und Maple.
Audio Samples
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Brass – sehr hoch Brass – mittelhoch Brass – mittlere Stimmung, gedämpft Brass – mitteltief Brass – mitteltief, solo 20ply – sehr hoch 20ply – sehr hoch, One Drop 20ply – hohe Stimmung 20ply – mittlere Stimmung, solo 20ply – mittlere Stimmung Standard – tiefe Stimmung Standard – mittelhohe Stimmung Standard – mittlere Stimmung Standard – unterschiedliche Teppichspannungen Standard – sehr hohe Stimmung

Fazit

Die Reference One Serie stellt sich auch in puncto Snaredrum-Auswahl sehr facettenreich auf. Mit Abstand am teuersten, aber auch am überzeugendsten fand ich die Reference One Brass, die mit toller Ansprache, einem sehr hohen Stimmumfang, ausgewogenen Obertönen und einem sehr definierten und prägnanten Gesamtsignal einfach Spaß macht. 

Die 20ply ist ein sehr spezielles, eher trocken und sehr laut klingendes Modell. Die 25 Millimeter Wandstärke sorgen für ordentlich Projektion, und auch hier ist die Teppichansprache exzellent. Allerdings ist der Stimmumfang nach unten und in sehr hohen Lagen etwas eingeschränkter. 

Das Standard-Modell sorgte mit dem 5,4 mm starken Ahorn-Birke-Kessel für einen breiten Klang in tiefen Lagen und war in höheren Tunings dank der Gussreifen dann deutlich aufgeräumter und obertonreicher. 

Etwas schade war, dass ein paar der Lugs auf der Oberseite ungleichmäßigen Widerstand hatten, was das Stimmen etwas mühselig gemacht hat. Insgesamt eine gut klingende Snare, die aber weniger eigenständig als die anderen zwei Modelle aus unserem Testfeld klingt. Hier würde ich als Alternative eher zu den etwas günstigeren Masters Maple und Masters Maple Pure Snares raten.

Prägnante und facettenreiche Sounds – besonders die Brass sticht aus dem Trio hervor. Alle drei Modelle sind keine Schnäppchen.
Prägnante und facettenreiche Sounds – besonders die Brass sticht aus dem Trio hervor. Alle drei Modelle sind keine Schnäppchen.
Artikelbild
14"x6,5" Reference One Brass
Für 1.549,00€ bei
  • Hersteller: Pearl
  • Herkunftsland: Taiwan
  • Serie: Reference One
  • Kessel:
  • Brass, 3 mm, gerollt
  • Standard: 5,4mm Wandstärke
  • 2 Lagen Birke und 4 Lagen Ahorn
  • 20ply: 25mm Wandstärke
  • 6 Lagen Birke und 14 Lagen Ahorn
  • Hardware: verchromt
  • Gussspannreifen
  • SR1000 Glide-Lock-Abhebung & Butt End
  • Felle: Remo Ambassador / Snareside
  • Preise: (Verkaufspreise August 2026)
  • Reference One 14“ x 6,5“Brass: EUR 1.549,-
  • Reference One 14“ x 5“ 20ply: EUR 1.149,-
  • (14“ x 6,5“ auf Anfrage)
  • Reference One 14“ x 6,5“ Standard EUR 999,-
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Herstellerseite: https://pearldrum.com/de

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