Test: Harley Benton ST-62HA SB & JA-60LA SP – Vintage-Look zum Einsteigerpreis?

Mit der Harley Benton ST-62HA SB und der Harley Benton JA-60LA SP bringt die Thomann-Eigenmarke zwei klassisch inspirierte E-Gitarren im künstlich gealterten Vintage-Look an den Start. Während die ST-62HA auf das traditionelle Strat-Konzept setzt, kommt die JA-60LA im Jazzmaster-Stil mit Offset-Korpus und fester Tune-O-Matic-Brücke. Gemeinsam sind beiden Modellen ein Erlekorpus, karamellisierte Ahornhälse und ein Preis von jeweils 249 Euro. Damit landen sie in einem Segment, in dem Relic-Optik sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Grund genug, die beiden Vintage-Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • gute Sounds
  • tolle Halsmaße
  • passables Aging für die Preisklasse
  • günstiger Preis
Contra
  • Bünde nicht poliert
  • Stimmstabilität des Tremolos (ST-62HA SB)

Harley Benton ST-62HA SB & JA-60LA SP – Das Wichtigste in Kürze

  • Was sind die Harley Benton ST-62HA SB und JA-60LA SP? Die ST-62HA ist eine klassische ST-Style-Gitarre mit drei Singlecoils, Fünfwegschalter und Vintage-Tremolo. Die JA-60LA orientiert sich am Jazzmaster-Offset-Design und bietet zwei Singlecoils und eine Tune-O-Matic-Bridge.
  • Welche Gemeinsamkeiten haben die beiden Harley-Benton-Gitarren? Beide Modelle besitzen einen Korpus aus amerikanischer Erle, einen geschraubten Hals aus karamellisiertem kanadischem Ahorn, ein Lorbeergriffbrett, einen Graphitsattel und eine klassische Mensur von 648 mm. Auch das C-Halsprofil und der Griffbrettradius von 305 mm bzw. 12″ sind identisch.
  • Was unterscheidet Heavy Aged und Light Aged? Das Aging der neuen Harley-Benton-Serie erfolgt von Hand und kann bei jedem Instrument leicht abweichen. Heavy Aged bietet starke Abnutzungserscheinungen während Light Aged etwas dezenter aufschlägt.
  • Was bietet die Elektrik der Harley Benton ST-62HA SB und JA-60LA SP? Die ST-62HA kommt mit drei Isola VT-ST Alnico-5-Singlecoils, die JA-60LA mit zwei Isola CL-JM Alnico-5-Singlecoils. Die Klangregelung erfolgt bei der ST über ein Volume- und zwei Tone-Potis sowie einen Fünfwegschalter, während die JA mit Volume, Tone und Dreiwegschalter auskommt.
  • Was sagt der Test? Die Harley Benton ST-62HA SB und JA-60LA SP überzeugen mit charaktervollen Sounds, komfortablen Hälsen und einem insgesamt erstaunlich hochwertigen Eindruck. Kleinere Schwächen zeigen sich vor allem bei Bundpolitur, Bundenden und Werks-Setup, lassen sich jedoch mit überschaubarem Aufwand beheben. Unterm Strich bieten beide Modelle dennoch ein bemerkenswert starkes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Harley Benton ST-62HA & JA-60LA: Korpus, Hölzer und Vintage-Look

Beide Testkandidaten gehören zur Vintage-Serie von Harley Benton und orientieren sich an den historischen Vorbildern Fender Stratocaster und Fender Jazzmaster. Die ST-62HA kommt im klassischen 3-Tone-Sunburst, während die JA-60LA mit Offset-Korpus und Shell-Pink-Lackierung etwas poppiger auftritt. Für das Finish kommt ein matter Polyurethan-Lack zum Einsatz. Bei den Spezifikationen gibt es zahlreiche Parallelen: Beide Modelle besitzen einen Korpus aus amerikanischer Erle sowie einen Hals aus leicht karamellisiertem kanadischem Ahorn mit Lorbeergriffbrett. Die Mensur beträgt klassische 648 mm (25,5″), die Sattelbreite 42 mm.

Mensur, Halsprofil und Bünde im Vergleich

Dank des C-Profils liegen die Hälse extrem angenehm in der Hand. Der Griffbrettradius von 305 mm (12″) fällt etwas flacher aus als bei den historischen Vorbildern und dürfte damit Spielern entgegenkommen, die zwar auf einen traditionellen Look stehen, diesen aber mit einem modernen Spielgefühl kombinieren möchten. Die ST-62HA ist mit 22 Medium-Jumbo-Bünden ausgestattet, während die JA-60LA mit 21 Medium-Jumbo-Bünden auskommt. Für eine möglichst reibungsarme Saitenführung sorgt bei beiden Gitarren ein Graphitsattel.

Tremolo oder Tune-O-Matic: Die Hardware im Detail

Hinsichtlich der Hardware kommen bei der ST-62HA ein synchronisiertes Tremolosystem und Kluson-Style-Stimmmechaniken zum Einsatz. Die JA-60LA verzichtet dagegen komplett auf ein Vibratosystem und bietet stattdessen eine Tune-O-Matic-Bridge. Auch hier übernehmen Kluson-Style-Mechaniken die Stimmarbeit. Ab Werk sind beide Modelle mit beschichteten Harley Benton HQS EL Coated Saiten in den Stärken .010 bis .046 bespannt.

Harley Benton ST-62HA & JA-60LA: Isola-Pickups und Elektronik

Bei den Pickups setzen beide Harley-Benton-Modelle auf die hauseigene Isola-Serie. Die ST-62HA ist mit drei VT-ST Alnico-5-Singlecoils bestückt, die sich über einen Fünfwegschalter anwählen lassen. Ein Master-Volume und zwei Tone-Regler komplettieren die Elektrik. Die beiden CL-JM Alnico-5-Singlecoils der JA-60LA werden über einen Dreiwegschalter angewählt und ein Volume- und ein Tone-Poti stehen für die weitere Klangformung bereit.

Harley Benton ST-62HA & JA-60LA: Aging und Relic-Finish im Vergleich

Beim Aging gehen die beiden Modelle unterschiedliche Wege. Die ST trägt bereits das Kürzel HA für „Heavy Aged“ im Namen und zeigt entsprechend deutliche Gebrauchsspuren an Korpus und Hardware. Bei der JA in der „Light-Aged“-Variante fällt das Ganze wesentlich zurückhaltender und zugleich etwas weniger „gewollt“ aus.

Beim Thema Relic bzw. Aging scheiden sich ohnehin die Geister: Manche stehen auf den Used-Look, andere halten ihn für modischen Firlefanz, und wieder andere stören sich vor allem an wenig authentisch wirkenden Abnutzungsspuren. Vieles bleibt also eine Frage des Geschmacks. Gemessen am Preis der Instrumente finde ich das Aging, insbesondere an Hals und Hardware, insgesamt recht solide umgesetzt. Die Light-Aged-Variante überzeugt mich dabei allerdings deutlich mehr. Positiv ist außerdem, dass Harley Benton einen derartigen Look überhaupt in einer Preisklasse anbietet, in der er bislang alles andere als üblich ist.

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Wie schlagen sich die Harley Benton ST-62HA und JA-60LA bei Verarbeitung und Setup?

Mit jeweils 249 Euro (Stand Oktober 2026) positionieren sich beide Gitarren ganz klar in der Einsteigerklasse, wovon man sich jedoch nicht täuschen lassen sollte. Die Verarbeitung ist insgesamt sehr ordentlich: Die Bundhöhen sind sauber abgerichtet und auch die Oktavreinheit wurde bei beiden Testmodellen bestens eingestellt. Der niedrige Preis zeigt sich vielmehr in einigen Details. So sind die Bünde kaum poliert und auch die Bundenden könnten etwas sorgfältiger verrundet sein. Zudem dürfte die Saitenlage für meinen Geschmack noch etwas niedriger ausfallen und auch das Griffbrett könnte eine ordentliche Ölung vertragen. Dramatische „Deal-Breaker“ sind das alles nicht, zumal sich vieles mit wenigen Handgriffen problemlos beheben lässt.  

Fotostrecke: 8 Bilder Die ST-62HA ist eine klassische ST-Style-Gitarre.

So werden die Harley Benton ST-62HA und JA-60LA getestet

Für die Soundfiles spiele ich die Harley Benton ST-62HA und JA-60LA zunächst über einen 73er Fender Bassman, der durch die Faltung eines 4×12″ Celestion PreRola Greenbacks geschickt wird. Für die verzerrten Sounds verwende ich einen Walrus Audio Ages sowie einen Marshall Plexi.

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Die Harley Benton ST-62HA SB im Soundcheck

Bereits trocken angespielt zeigt sich die ST-62HA ausgesprochen offen, knackig und schwingungsfreudig. Eingestöpselt erfüllt sie die Erwartungen und liefert die typischen Strat-Sounds sehr überzeugend. Insbesondere der Halstonabnehmer und die Zwischenpositionen bieten diese hohlen und leicht twangigen Sounds, die man mit diesem Gitarrentypus in Verbindung bringt. Glockige Cleans, spritzige Funk-Licks aber auch mittige Rockbretter gehen dem Instrument mühelos von der Hand. Die Bespielbarkeit ist dank der fantastischen Halsmaße und des matten Halsfinishs, das sich fast unbehandelt anfühlt, grundsätzlich hervorragend. Etwas getrübt wird der positive Eindruck allerdings durch die relativ hohe Saitenlage und vor allem durch die recht rauen Bünde. Die Potis erlauben musikalisches Arbeiten und bieten für diese Preisklasse einen angemessenen Regelweg. Die beiden Tonregler arbeiten traditionell und sind dem Hals- beziehungsweise Mitteltonabnehmer zugeordnet. Der Stegpickup muss ohne eigene Klangregelung leben. 

Das Tremolo ist sauber verarbeitet und weist weder scharfe Kanten noch störend hervorstehende Schraubenköpfe auf. Ab Werk ist es allerdings recht schwergängig eingestellt, und auch bei der Stimmstabilität besteht noch Luft nach oben. Trotzdem wirkt das Instrument, abgesehen von den genannten kleinen Schwächen, deutlich hochwertiger, als es der Preis vermuten lässt. Nach etwas Einstell- und Polierarbeit kann es durchaus mit deutlich teureren Strat-Ablegern mithalten.

Audio Samples
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ST-62: Clean – alle Positionen ST-62: Funky – Pos.4 ST-62: Low Gain – Halsposition ST-62: Crunch – alle Positionen ST-62: Dynapick – Stegposition ST-62: Tone-Knob-Check – Halsposition ST-62: Lead Sounds – Steg- und Halsposition

Die Harley Benton JA-60LA SP im Soundcheck

Auch die JA-60LA hinterlässt unverstärkt einen sehr guten ersten Eindruck, wirkt zunächst allerdings etwas weniger resonant als die ST-62HA. Über den Amp relativiert sich dieser Eindruck schnell: Die Pickups liefern twangige, höhenreiche Sounds, bringen aber aufgrund ihrer Bauweise zugleich etwas mehr Fundament im Bassbereich mit als typische Strat-Singlecoils. Damit eignet sich das Instrument hervorragend für knackige Cleans, Surf und Funk. Besonders überzeugend fällt die Mittelstellung aus, die mit ihren leicht nasalen, teilweise fast Tele-artigen Zügen viel Charakter mitbringt. Auch verzerrt zeigt sich die JA-60LA im positiven Sinne eigenwillig: Die Sounds bleiben kantig und drahtig, setzen sich gut durch und bewahren diesen Charakter über alle drei Pickup-Positionen hinweg. 

Beim Spielgefühl gilt im Wesentlichen das Gleiche wie bei der ST-62HA: Der Hals liegt hervorragend in der Hand, die Bünde sollten allerdings definitiv nachpoliert werden, um einen wirklich geschmeidigen Spielfluss zu ermöglichen. Auch die Potis arbeiten erwartungsgemäß solide, wenngleich hochwertigere Elektronik sicherlich noch feinfühligere Regelwege bieten würde. Unterm Strich überrascht erneut, welches Qualitätsniveau Harley Benton in dieser Preisklasse anbietet. 

Audio Samples
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JA-60: Clean – alle Positionen JA-60: Funky – Mittelstellung JA-60: Low Gain – Halsposition JA-60: Crunch – alle Positionen JA-60: Dynapick – Stegposition JA-60: Tone-Knob-Check – Stegposition JA-60: Lead Sounds – Steg- und Halsposition

Fazit

Mit der ST-62HA SB und der JA-60LA SP zeigt Harley Benton erneut, wie viel Gitarre inzwischen für vergleichsweise kleines Geld möglich ist. Beide Modelle überzeugen mit fantastischen Hälsen, solider Verarbeitung und charaktervollen Singlecoil-Sounds, die ihre jeweiligen Vorbilder ziemlich überzeugend interpretieren. Die ST-62HA punktet mit offenen, spritzigen Strat-Sounds und hoher Vielseitigkeit, während die JA-60LA mit ihrem drahtigen, leicht eigenwilligen Charakter eine spannende Alternative für Surf, Funk, Indie und Alternative bietet. Das Aging ist, gemessen an der Preisklasse, insgesamt gelungen, wobei die dezentere Light-Aged-Ausführung für meinen Geschmack authentischer und weniger „gewollt“ wirkt. Abstriche muss man lediglich bei Details wie den kaum polierten Bünden, den optimierbaren Bundenden sowie der etwas hohen Saitenlage machen, die den Ersteindruck etwas trüben können. Diese Schwächen lassen sich jedoch mit überschaubarem Aufwand beheben. Unterm Strich bieten beide Gitarren für jeweils rund 250 Euro ein ausgesprochen starkes Gesamtpaket und wirken in vielen Bereichen deutlich wertiger, als es das Preisschild vermuten lässt.

  • Technische Details – Harley Benton ST-62HA SB
  • Hersteller: Harley Benton
  • Modell: ST-62HA SB
  • Typ: ST-Style Solidbody E-Gitarre
  • Korpus: ausgewählte amerikanische Erle
  • Hals: karamellisierter kanadischer Ahorn
  • Halsprofil: C
  • Halsstärke: 20,5 mm am 1. Bund, 22,5 mm am 12. Bund
  • Griffbrett: Lorbeer
  • Griffbrettradius: 305 mm / 12″
  • Bünde: 22 Medium Jumbo
  • Mensur: 648 mm / 25.5″
  • Sattelbreite: 42 mm
  • Sattel: Graphit
  • Tonabnehmer: 3 × Isola VT-ST Alnico 5 Singlecoil
  • Bedienung: 1 × Volume, 2 × Tone, 5-Wege-Schalter
  • Hardware: synchronisiertes Tremolo, Kluson-Style-Mechaniken
  • Farbe: 3-Tone Sunburst, Heavy Aged
  • Saiten ab Werk: Harley Benton HQS EL Coated .010–.046
  • Gewicht: 3,18 kg
  • Ladenpreis: 249 Euro (Oktober 2026)
  • Technische Details – Harley Benton JA-60LA SP
  • Hersteller: Harley Benton
  • Modell: JA-60LA SP
  • Typ: Offset Solidbody E-Gitarre
  • Korpus: ausgewählte amerikanische Erle
  • Hals: karamellisierter kanadischer Ahorn
  • Halsprofil: C
  • Halsstärke: 20,5 mm am 1. Bund / 22,5 mm am 12. Bund
  • Griffbrett: Lorbeer
  • Griffbrettradius: 305 mm / 12″
  • Bünde: 21 Medium Jumbo
  • Mensur: 648 mm / 25.5″
  • Sattelbreite: 42 mm
  • Sattel: Graphit
  • Tonabnehmer: 2 × Isola CL-JM Alnico 5 Singlecoil
  • Bedienung: 1 × Volume, 1 × Tone, Dreiwegschalter
  • Hardware: Tune-O-Matic-Bridge, Kluson-Style-Mechaniken
  • Farbe: Shell Pink, Light Aged
  • Saiten: Harley Benton HQS EL Coated .010–.046
  • Gewicht: 3,08 kg
  • Ladenpreis: 249 Euro (Oktober 2026)

Herstellerseite: https://harleybenton.com/

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Max sagt:

#1 - 08.10.2026 um 23:11 Uhr

0

Warum sollten die Bünde poliert sein, wenn es sich um künstlich gealterte Gitarre handelt?

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