Test: Evans Hybrid Sensory Percussion E-Kit Bundle – jetzt mit Beckensensoren

Sensory Percussion ist ein unter der Flagge von Evans Hybrid vermarktetes Triggersystem für Drums, das über ein spezielles Audiointerface Hand in Hand mit einer vielschichtigen Software arbeitet. In unserem Test von 2023 waren wir von den vielen kreativen Möglichkeiten beim Hybrid-Drumming beeindruckt. Mit dem Sensory Percussion E-Kit Bundle bietet der Hersteller nun eine Komplettlösung zum Umrüsten eines akustischen Schlagzeugs in ein E-Drum-Set – einschließlich neuer Beckensensoren. Kann das System auch in dieser Rolle überzeugen?

Test: Evans Hybrid Sensory Percussion E-Kit Bundle
Unser Fazit:
3,5 / 5
Pro
  • hervorragendes Spielgefühl
  • mit dB One Becken
sehr gute Zonenerkennung bei Crash und Ride (5 Zonen + Choke)

  • gute Zonenerkennung auch bei vielen akustischen Becken

  • intelligente Drum-Sensoren mit bis zu 10 Spielzonen

  • allgemein vielfältige Möglichkeiten

  • Portal arbeitet auch als reguläres Audiointerface
Contra
  • hohe Latenz des gesamten Systems
  • Fehltrigger bei locker geschlossenen Hi-Hats
  • geringe Dynamik bei den Becken

  • Beschränkung auf sieben Sensoreingänge

  • MIDI nur über Workaround (z.B. für Superior Drummer)

  • DAW-Recording kompliziert (Plugin nur für Ableton Live)

Evans Sensory Percussion E-Kit Bundle – Das Wichtigste in Kürze

  • Wozu ist das Sensory Percussion E-Kit System vorgesehen? Das Evans Sensory Percussion E-Kit System ist laut Hersteller ideal zum Umbau eines akustischen Sets in ein elektronisches Set geeignet.
  • Was ist im Lieferumfang enthalten? Das Sensory Percussion E-Kit System bietet eine Vollausstattung zur Umrüstung eines kleinen akustischen Schlagzeugs. Neben Silent-Cymbals mit zugehörigen Sensoren enthält das Bundle vier Drum-Sensoren für Kick, Snare und zwei Toms, das zugehörige Portal Audiointerface und eine Lizenz für die Software. 
  • Was benötigt man zur A2E-Umrüstung sonst noch? Zur vollständigen Umrüstung eines akustischen Kits benötigt man zusätzlich noch Mesh-Heads für Kick, Snare und Toms sowie einen potenten Rechner (Mac oder PC). 
  • Was sagt der Test? Obwohl Sensory Percussion an vielen Stellen beeindruckt, fällt es dem System letztendlich schwer, ein überzeugendes Spielgefühl zu bieten. Die Hi-Hats neigen zu Fehltriggern und trotz guter Zonenerkennung bei den Becken fällt die dynamische Bandbreite eher gering aus. Die hohe Latenz des gesamten Systems sorgt auch bei den besten Settings für ein indirektes Spielgefühl (getestet unter Windows). Auch die Erweiterbarkeit des Systems lässt zu wünschen übrig.

Überblick: Ich baue mir ein E-Drum-Set

Das Thema A2E-Conversion, also die Umrüstung eines akustischen in ein elektronisches Drumset, ist ein Dauerbrenner in der E-Drum-Community. Oft spielt dabei ein ausgeprägter DIY-Faktor eine Rolle, und bei manchen Dauerprojekten hat man den Eindruck, dass es fast mehr um das Modding eines Kits geht, als dann auch wirklich darauf zu spielen. Das Evans Hybrid Sensory Percussion E-Kit System verspricht dagegen eine schnelle, saubere und effektive Lösung ohne viel Bastelei.

Ein komplett zum E-Drumset umfunktioniertes Sonor SQ2. E-Drum-Fans mag dabei das Herz höher schlagen, während es manchen Puristen in der Seele schmerzt.
Ein komplett zum E-Drumset umfunktioniertes Sonor SQ2. E-Drum-Fans mag dabei das Herz höher schlagen, während es manchen Puristen in der Seele schmerzt.

Nachdem Sensory Percussion in unserem Test von 2023 mit einer ungewöhnlich intelligenten Trigger-Erkennung mit bis zu zehn Spielzonen pro Trommel beeindruckte, sind die Erwartungen an die neuen Beckensensoren entsprechend hoch. Die Sensoren sind auf die dB One Low-Volume-Becken von Evans optimiert, lassen sich laut Hersteller aber auch mit handelsüblichen, akustischen Becken nutzen.

Auch wenn das E-Kit Bundle mit zum Testzeitpunkt rund 2000 Euro kein Schnäppchen ist, gab es seit der Markteinführung unter Evans Hybrid eine erfreuliche Preisentwicklung – damals kostete allein das Basis-System mit drei Drum-Sensoren, Audiointerface und Software bereits über 1600 Euro.

Vollausstattung für ein kleines Drumset – fast!

Das Sensory Percussion E-Kit Bundle enthält fast alles, was man für die Umrüstung eines akustischen Sets benötigt. Neben Audiointerface und Software finden sich im Lieferumfang vier Drum-Sensoren und ein Satz Low-Volume-Becken, bestehend aus 14“ Hi-Hat, 18“ Crash und 20“ Ride mit den drei zugehörigen Beckensensoren.

Mesh-Heads sind nicht im Lieferumfang enthalten, da diese natürlich zu den individuellen Kesselgrößen des Sets passen müssen. Der deutsche Vertrieb hat mir zum Test einen Satz dB One Gewebefelle nach meinen Angaben geschickt. Grundsätzlich lassen sich aber alle handelsüblichen Mesh-Heads oder im Prinzip auch Akustikfelle nutzen. Außerdem benötigt man einen Rechner, der die komplexen Echtzeitberechnungen stemmen kann, ohne ernsthaft ins Schwitzen zu kommen – idealerweise ein Laptop, das direkt neben dem Set aufgestellt werden kann.

Mesh-Heads sind nicht im Lieferumfang enthalten, da diese natürlich zu den individuellen Kesselgrößen des Sets passen müssen. Der deutsche Vertrieb hat mir zum Test einen Satz dB One Gewebefelle nach meinen Angaben geschickt. Grundsätzlich lassen sich aber alle handelsüblichen Mesh-Heads oder im Prinzip auch Akustikfelle nutzen. Außerdem benötigt man einen Rechner, der die komplexen Echtzeitberechnungen stemmen kann, ohne ernsthaft ins Schwitzen zu kommen – idealerweise ein Laptop, das direkt neben dem Set aufgestellt werden kann.

Das E-Kit Bundle enthält also sieben Sensoren – vier für Drums und drei für Becken und Hi-Hat – und damit sind alle Sensor-Eingänge des enthaltenen Portal Audiointerfaces belegt. Eine Erweiterung um ein drittes Tom oder zweites Crash ist also nicht ohne weiteres möglich. Zwar bietet das Interface zwei zusätzliche Mic/Line-Eingänge, die aktuellen Sensoren des Systems können aber ausschließlich an den entsprechenden Sensor-Eingängen betrieben werden. Dass das Portal auch als reguläres Audiointerface genutzt werden kann, ist natürlich trotzdem praktisch.

Die Sensor-Eingänge des Portal Audiointerface sind mit den sieben Sensoren des E-Kit Bundle voll belegt.
Die Sensor-Eingänge des Portal Audiointerface sind mit den sieben Sensoren des E-Kit Bundle voll belegt.

Komplexe Sensoren

Während die meisten Drumtrigger oder E-Drums einfache Piezo-Pickups verwenden, arbeitet Sensory Percussion mit einer komplexeren Technik. Die Drum-Sensoren werden zwar ganz klassisch am Spannreifen einer Trommel montiert, nutzen allerdings ein magnetisches System, das voraussetzt, dass man zuvor ein selbstklebendes Metallplättchen am Fell anbringt. Für alle Trommeln kommt das gleiche Modell zum Einsatz – es gibt also keine speziellen Kick-, Snare- oder Tom-Sensoren.

Sensory Percussion nutzt Evans dB One Low-Volume-Becken – hier ist das 18er Crash zu sehen.
Sensory Percussion nutzt Evans dB One Low-Volume-Becken – hier ist das 18er Crash zu sehen.

Die Beckensensoren

Die Beckensensoren werden dagegen ganz einfach auf das Gewinde eines Beckenstativs geschraubt. Gummiunterlagen (vergleichbar mit einem Beckenfilz) sorgen dafür, dass kein direkter Kontakt zwischen Sensor und Becken entsteht. So können Crash und Ride genauso frei schwingen wie in einer regulären Halterung und werden nicht durch die zusätzliche Masse eines Pickups abgedämpft. Zur Befestigung sind praktische Schnellverschlüsse enthalten – ebenfalls mit Gummiunterlagen.

Fotostrecke: 4 Bilder Die Drum-Sensoren von Sensory Percussion arbeiten kontaktlos und nutzen ein selbstklebendes Metallplättchen zum Erfassen der Vibrationen.


Der Sensor für die Hi-Hats kommt mit einer eigenen Clutch und sitzt über dem oberen Becken. Das Kabel zur Verbindung mit dem Interface wird direkt oben am Sensor angeschlossen, wobei ein Schwanenhals-Arm für eine saubere Kabelführung sorgt. Natürlich hätte man auch einfach eine Durchführung in das Bottom-Becken schneiden können, durch die Konstruktion mit dem Arm bleibt grundsätzlich aber die Möglichkeit erhalten, auch akustische Becken zu nutzen. 

Interessant ist, dass der Hi-Hat-Sensor vollständig ohne ein weiteres Element am Bottom-Becken auskommt. Die meisten gängigen Hi-Hat-Pads nutzen mechanische (z.B. Roland) oder optische (z.B. Efnote) Systeme, um den Öffnungsgrad zu messen. Sensory Percussion scheint dagegen ausschließlich die Vibrationen des Top-Beckens auszuwerten, die natürlich auch durch Kontakt mit dem Bottom-Becken und den Anpressdruck beeinflusst werden. 

Massenweise Artikulationen

Die Sensoren des Sensory Percussion Systems sind zwar komplexer als Piezo-Pickups, machen letztendlich aber auch nichts anderes, als ein Audiosignal an das Portal-Interface zu leiten. Die Interpretation dieses Signals passiert im Rechner. Im Falle der Drum-Sensoren muss man die Software zunächst trainieren und ihr anhand von Beispielschlägen beibringen, wie die verschiedenen Artikulationen am eigenen Set „klingen“. Die bis zu zehn Triggerzonen (z.B. Rimshot, Sidestick, Rimclick oder Stickshot) sind auch drei Jahre nach unserem ursprünglichen Test noch beeindruckend.

Bei den Drum-Sensoren bietet Sensory Percussion bis zu zehn Zonen bzw. Artikulationen pro Trommel. Die Software muss über ein Training an den persönlichen Spielstil angepasst werden.
Bei den Drum-Sensoren bietet Sensory Percussion bis zu zehn Zonen bzw. Artikulationen pro Trommel. Die Software muss über ein Training an den persönlichen Spielstil angepasst werden.

Für die Becken und Hi-Hats bietet das System fünf Artikulationen plus Choke-Funktion zum Abdämpfen – und das lässt selbst das aufwendige digitale Ride-Pad der Roland-Flaggschiffe ein wenig blass aussehen. Die Software ist auf die enthaltenen dB One Becken abgestimmt und kann in diesem Fall nicht weiter trainiert werden. 

Für die Becken- und Hi-Hat-Sensoren bietet die Sensory Percussion Software keine Trainingsfunktion, sondern nur ein paar Optionen, die den Trigger-Einstellungen eines E-Drumsets ähneln.
Für die Becken- und Hi-Hat-Sensoren bietet die Sensory Percussion Software keine Trainingsfunktion, sondern nur ein paar Optionen, die den Trigger-Einstellungen eines E-Drumsets ähneln.

Neben den typischen drei Zonen für Bow, Bell und Edge unterscheidet Sensory Percussion zusätzlich zwischen Stockspitze und Schulter bei der Bell und erkennt zudem einen Ping mit der Schulter am Rand des Beckens – und das gilt für alle Becken einschließlich Hi-Hat. Genaueres Positional-Sensing auf der Beckenfläche gibt es dagegen nicht. Das würde bei einem einzelnen Sensor auch an Zauberei grenzen.


Das Set in der Praxis: akustische Kits in einer vielfältigen Library

Die Sound-Library von Sensory Percussion wurde seit unserem ersten Test um mehrere neue Erweiterungspacks ergänzt, die man kostenlos von der Herstellerseite herunterladen kann. Die Ästhetik zwischen diesen Packs variiert deutlich zwischen naturbelassenen und jazzigen Sounds bis hin zu stark bearbeiteten Kits oder Electro-Samples. Wer typische Rock- oder Metal-Kits sucht, wird hier kaum fündig. Im Gegenzug gibt es einen riesigen Bereich mit Effektsounds, tonalen Elementen und komplexen Modulationen – spannend und beeindruckend, aber viel zu abgedreht für Trommler, die einfach nur E-Drums spielen wollen.

Wer einfach nur E-Drums spielen will, wird sich hauptsächlich im Play-View der Sensory Percussion Software aufhalten. Die enormen Möglichkeiten für Sound-Design bleiben dabei weitgehend ungenutzt.
Wer einfach nur E-Drums spielen will, wird sich hauptsächlich im Play-View der Sensory Percussion Software aufhalten. Die enormen Möglichkeiten für Sound-Design bleiben dabei weitgehend ungenutzt.

Für klassisches E-Drumming ohne viele Synths und Sound-Design findet sich eine gewisse Auswahl, die allerdings auch nicht übermäßig groß ausfällt. Die „Modern Acoustic Expansion“ bietet recht natürliche Klänge mit tendenziell hoch gestimmten und offenen Toms. Aber auch im Bereich „PGB Cymbals“ oder der „Cymbal Expansion“ finden sich einige gut klingende Komplettsets, die auf die Artikulationen der neuen Beckensensoren abgestimmt sind. Mit 0,8 GB bis 1,4 GB sind die einzelnen Erweiterungspacks verhältnismäßig klein. Gemessen daran wirken die Ergebnisse ausgesprochen realistisch und detailliert.

Audio Samples
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Modern Pop Kit (Modern Acoustic Expansion) Modern Country Kit (Modern Acoustic Expansion) 
 Modern Amalgum Kit (Modern Acoustic Expansion)
 Oyster Juice (PGB Cymbals) 
 Bebop Kit (Core Library) 
 Snare-Check (7 trainierte Zonen)
 Hi-Hat-Check 
 Ride-Check

Grundsätzlich soll es laut Hersteller möglich sein, externe Software-Klangerzeuger wie den Toontrack Superior Drummer zu nutzen. Dazu muss man aber virtuelle MIDI-Verbindungen einrichten, was unter Windows sogar die Installation einer zusätzlichen Software erfordert. Für einfache Audioaufnahmen bietet Sensory Percussion eine einfache interne Funktion (auch für Multitracks), wer dagegen direkt in eine DAW aufnehmen will, muss ebenfalls virtuelle Strippen ziehen oder einen zweiten Rechner nutzen. Es gibt zwar ein entsprechendes VST-Plugin, dieses funktioniert wegen des komplexen Bus-Systems aber nur unter Ableton Live.

Neue Beckensensoren: Spielgefühl und Triggering

Dass die Drum-Sensoren von Sensory Percussion ihren Job ausgesprochen gut machen und für klassisches E-Drumming sogar eher überqualifiziert sind, wissen wir bereits seit unserem ersten Review aus 2023. Die Kernfrage des aktuellen Tests ist, wie gut die neuen Beckensensoren funktionieren – hier liegen bekanntlich die größten Herausforderungen an ein E-Drumset bzw. ein umgerüstetes Akustik-Set mit Triggern. Die Antwort ist leider nicht ganz einfach – wie so oft bei komplexen Themen.

Der erste Eindruck ist wirklich großartig. Crash und Ride bieten grundsätzlich ein herausragendes Spielgefühl und eine nahezu perfekte Erkennung aller fünf Zonen. Im Vergleich zu Plastik-Pads eines E-Drumsets wirken die frei schwingenden dB One Becken weitaus realistischer. Details wie die separate Erkennung von Stockspitze und Schulter beim Spiel auf der Bell erwecken zunächst tatsächlich das Gefühl, dass Evans mit den neuen Beckensensoren E-Drums auf ein neues Level hebt. Auch beim Test mit akustischen Ridebecken in verschiedenen Größen und Gewichtsklassen erkennt das System problemlos alle Triggerzonen.

Die Zonenerkennung bei den Becken läuft verlässlich, die Dynamik lässt aber zu wünschen übrig.
Die Zonenerkennung bei den Becken läuft verlässlich, die Dynamik lässt aber zu wünschen übrig.

Die eingeschränkte Dynamik sorgt für Ernüchterung

Die anfängliche Begeisterung bei der Zonenerkennung wird leider von der etwas eingeschränkten Dynamik wieder gedämpft. Besonders leises oder kräftiges Spiel wird insbesondere bei Crash-Sounds und auf der Bell nur begrenzt umgesetzt. Die Choke-Funktion funktioniert zudem nur, solange ein Low-Volume-Becken noch deutlich schwingt, also nur direkt nach dem Anspielen. Positiv wiederum ist, dass beim Abstoppen eines Beckens echte Release-Phasen simuliert werden und nicht einfach nur der Klang abgeschnitten wird.

Sensory Percussion verzichtet bei den Hi-Hats offenbar auf ein mechanisches oder optisches System, um den Öffnungsgrad bzw. den Abstand zwischen Top- und Bottom-Becken zu messen. 
Sensory Percussion verzichtet bei den Hi-Hats offenbar auf ein mechanisches oder optisches System, um den Öffnungsgrad bzw. den Abstand zwischen Top- und Bottom-Becken zu messen. 

Die Hi-Hats bieten die gleichen fünf Zonen wie die Beckensensoren, stehen aber zusätzlich noch vor der Herausforderung, den Öffnungsgrad zu erkennen. Gemessen daran, dass das System offenbar ohne Messung des Abstandes zwischen Top und Bottom auskommt, funktioniert es überraschend gut. Der Teufel liegt in dieser Hinsicht aber im Detail – und eben in den nuancierten Bereichen zwischen fest geschlossen und leicht geöffnet. Hier entstehen leider häufige Fehltrigger, die ausklingende Sounds abwürgen. Dies lässt sich umgehen, indem man die Hi-Hats entweder fest schließt oder deutlich öffnet und die Übergangsbereiche beim Spielen vermeidet. Genau diese Nuancen wären es aber gewesen, mit denen das System hätte punkten können. Schade!

Problematische Latenzwerte

Sensory Percussion kommt mit einem eigenen Audiointerface, das Einstellungsmöglichkeiten zur Latenz bietet. Das Thema ist also komplexer als bei fest konfigurierten E-Drums oder Triggersystemen. Ein Verringern der Buffersize sorgt in der Regel für eine kürzere Latenz, erhöht gleichzeitig aber auch die Rechenlast. Überfordert man seinen Computer, dann treten Audioaussetzer oder Artefakte auf. Das gilt es natürlich zu vermeiden. Andererseits kann man im Normalfall davon ausgehen, dass man mit einem schnellen Rechner auch keine Probleme mit Latenz hat – bei Sensory Percussion trifft das aber leider nicht zu. Die Werte wurden unter Windows 11 gemessen und können auf einem Mac abweichen. Die Sample-Rate lag bei 44,1 kHz.

Fotostrecke: 5 Bilder Ernüchterndes Ergebnis: Bei einer minimalen Buffersize von 32 Samples kommt man nicht unter die magischen zehn Millisekunden. Die Beckensensoren (unten) liefern 12 ms, die Drum-Sensoren (oben) liegen mit 15 ms noch deutlich darüber. Bei diesen Minimaleinstellungen liefern viele Systeme starke Artefakte und Audioaussetzer.

In Hinblick auf Latenz verhält sich Sensory Percussion geradezu kurios. Tatsächlich liefert das System bei kleinen Buffersizes konsequent abweichende Ergebnisse zwischen Drum- und Beckensensoren. Selbst mit den besten Einstellungen, die einen sehr performanten Rechner voraussetzen, kommt man dabei nicht unter zehn Millisekunden. Das Verhalten hängt vermutlich mit der internen Auswertung der Sensorsignale zusammen.

Während sich die Latenz beim Hybrid-Drumming mit Akustikfellen weniger deutlich bemerkbar macht, ist sie bei reinen E-Drums ein klares KO-Kriterium. Zum Vergleich: Die Mittelklasse von Roland und Efnote liegt deutlich unter fünf Millisekunden.

Fazit

Dem Sensory Percussion E-Kit System ein klares Fazit aufzudrücken, ist keine leichte Aufgabe. Beim Test hatte ich den Eindruck, ein extrem intelligentes System in einer Rolle zu testen, für die es nur begrenzt geeignet und in manchen Bereichen stark überqualifiziert ist. 

Für die enormen Stärken bei abgefahrenen Klangexperimenten und tiefen Modulationen hat man als einfacher Drummer kaum Verwendung. Die Latenz des Systems, die fürs Hybrid-Drumming noch akzeptabel ist, sorgt beim E-Drumming dagegen für ein indirektes Spielgefühl. Und auch wenn die Zonenerkennung der Beckensensoren ähnlich beeindruckend wie bei den Drum-Sensoren ausfällt, lassen die Dynamik der Becken und das Triggerverhalten der Hi-Hats zu wünschen übrig. Dazu kommen alltägliche Dinge wie das Ansteuern von Software-Instrumenten über MIDI oder das Recording direkt in eine DAW – Dinge, die für ein E-Drumset selbstverständlich sind, für Sensory Percussion aber komplexes Routing oder einen zweiten Rechner voraussetzen.

Sollte es dem Hersteller gelingen, die hohe Latenz und das Triggerverhalten der Hi-Hats zu optimieren, sehe ich trotz der weiteren Kritikpunkte großes Potenzial für Sensory Percussion.

Artikelbild
Hybrid Sensory E-Kit Bundle
Für 1.999,00€ bei
  • Hersteller: Evans
  • Bezeichnung: Evans Hybrid Sensory Percussion E-Kit System
  • Triggersystem für akustische Drums
  • enthält vier Drum-Sensoren, zwei Beckensensoren, einen Hi-Hat-Sensor, einen db One Beckensatz (14“ Hi-Hat, 20“ Ride, 18“ Crash), Audiointerface und Zubehör
  • fünf Zonen pro Beckensensor, bis zu zehn Zonen pro Drum-Sensor
  • vielfältige Modulationsquellen (Anschlagstärke, Schnelligkeit, Timbre etc.)
  • modular aufgebaute Software inkl. vollständige Effekt-Suite
  • Portal-Audiointerface mit 7 Trigger-Eingängen, 4 Audio-Eingängen und 16 Ausgängen
  • MIDI-Out
  • USB-C (USB 2.0)
  • Hergestellt in Malaysia
  • Preis: (Verkaufspreis Oktober 2026) EUR 1999,-
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Herstellerseite: https://www.daddario.com/en-de/collections/evans-hybrid-sensory-percussion

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