Diversifikation und Produktvielfalt heißen die Zauberworte im Kapitalismus: Portfolios werden feiner, Produktlinien kleinteiliger. SSL macht kräftig davon Gebrauch und liefert mit dem SSL 1 ein weiteres USB-Audiointerface – das bislang kleinste Modell hinsichtlich der Anschlussvielfalt, aber trotzdem kräftig in seiner Form als ausgewachsener Monitor-Controller. Schauen wir das Ganze im Test genauer an!

- übersichtliches, praxisnahes Desktop-Konzept
- großer Monitor-Regler statt fummeligem Mini-Poti
- 63 dB Mic-Gain mit guten Reserven, 4K-Mode, Low-Cut und 48 Volt direkt am Gerät
- Direct-Monitoring einfach gelöst, dreifaches Stereo-Loopback für Content-Creator
- class-compliant am Mac, iPhone und iPad, zusätzliches USB-C-Power-In für Mobilgeräte
- Mikrofonvorverstärker ohne Combo-Buchse
- keine Stereo-Aufnahme
SSL1: 2-In/2-Out USB-C Audiointerface
Das SSL 1 ist ein solide und logisch aufgebautes USB-2.0-Audiointerface mit einer maximalen Auflösung von 32 Bit und 192 kHz. Es ist “Made in China” und die Verbindung erfolgt über einen USB-C Anschluss.

Am Mac sowie an iPhone und iPad funktioniert das Ganze Class-Compliant und ohne Treiberinstallation, für Windows 11 gibt es ASIO und WDM-Treiber. Für iOS und Co. gibt es hier sogar einen zusätzlichen USB-C-Stromanschluss, damit das iOS-Gerät nicht allein die Stromversorgung übernehmen muss.
Konzipiert ist das SSL 1 grundsätzlich als 2-In/2-Out-Interface. Es kann also zwei analoge Eingangssignale gleichzeitig aufnehmen und auch ein Stereosignal ausgeben. Hinzukommt eine dreifache Stereo-Loopback-Funktion, sodass sich auch intern Audio vom Computer in die Aufnahme routen lassen – relevant für Streaming und Podcast.
Ausgangsseitig steht ein symmetrischer Hauptausgang bereit, dessen Lautstärke über den angenehm großen SSL-Style-Regler auf der Oberseite kontrolliert wird. Mit bis zu +14 dBu Ausgangspegel lassen sich Studio-Monitore direkt anschließen und “bis Eleven” drehen!
Solider Monitor-Controller mit Kopfhörer-Verstärker
Parallel gibt es einen Kopfhörer-Ausgang an der Front, der sich das Signal mit dem Main-Out teilt und leider nicht getrennt adressiert werden kann. Praktisch ist die Mix-Taste, mit der sich Direktabhörung und Computersignal kombinieren lassen: so kann man das Eingangssignal mit geringer Latenz und gleichzeitig das Playback der DAW abhören, was sich Direct-Monitoring nennt und wichtig beim Aufnehmen ist.

Eingangsseitig setzt SSL auf eine reduzierte, aber praxisnahe Bestückung. Eingang 1 bietet einen Mikrofonvorverstärker mit 63 dB Gain und XLR-Anschluss. Eingang 2 ist als großer Klinkeneingang für Line- und Instrumentensignale ausgelegt. Beide Eingänge sind mono – Stereoaufnahmen sind nur eingeschränkt möglich.
Zwei Eingänge, nur ein Preamp
Auf der Oberseite finden sich für beide Kanäle jeweils ein Gain-Regler, eine fünfstufige LED-Pegelanzeige sowie Taster mit LED-Rückmeldung für die jeweiligen Zusatzfunktionen. Kanal 1 bietet eine 48-Volt-Phantomspeisung, den bekannten 4K-Mode für etwas mehr Präsenz und „Record-ready“-Glanz sowie einen festen Low-Cut.
In Kanal 2 lässt sich indes nur die Eingangsimpedanz umschalten, wodurch der Instrumenteneingang effektiv noch einmal 10 dB mehr Gain bereitstellt.
Saubere Sache, auch bei der Konkurrenz
Bei den Messwerten zeigt sich SSL erfreulich transparent und stellt die technischen Daten prominent bereit. In der Praxis liegen die aktuellen Platzhirsche eng beieinander: SSL 1, Focusrite Scarlett Solo 4th Gen und Arturia MiniFuse 1 bewegen sich im Dynamikbereich und beim Preamp-Rauschen allesamt auf gleich gutem Niveau.
Messbare Unterschiede gibt es, dramatisch sind sie die im Alltag allerdings selten – Mikrofon, Raum, Quelle und Gain-Setting fallen viel stärker ins Gewicht.
Einen kleinen Vorteil hat das SSL 1 dennoch: Mit 63 dB Mic-Gain bietet es einfach mehr Gain-Reserven als das Scarlett Solo 4th Gen mit 57 dB und das MiniFuse 1 mit seinen eher geringen 56 dB. Gerade bei dynamischen Mikrofonen ist das schon auch angenehm.
Mitgelieferte Software
Das “SSL Production Pack” ist gut bestückt und liefert mit Ableton Live Lite sowie Harrison Mixbus 11 zwei DAWs beziehungsweise Produktionsumgebungen. Dazu kommen mit SSL Vocalstrip 2 und SSL Drumstrip zwei hauseigene Plugins für Gesang, Sprache, Drums und Percussion – inklusive Kompressor, Expander, Transient Shaper, EQ, De-Esser und mehr.
Ergänzt wird das Paket durch das sonible learn:bundle, die Bloom Drum Machine, Spitfire Originals Intimate Strings, AmpliTube 5 SE, BFD Player + Pop Essentials LE, Melodyne Essential, NI Hybrid Keys & Komplete Start sowie das AAS Session Bundle.
Einige Zugaben wie SSL Complete Access, SoundID Reference, Output Arcade, AutoTune Unlimited und Loopcloud sind nur zeitlich begrenzte Test- beziehungsweise Abo-Angebote, insgesamt aber ist das Softwarepaket für den Einstieg durchaus breit aufgestellt.























