Mit Melody Flip veröffentlicht Roland ein KI-Tool, das Songwriter und Beatmaker zu neuen Ideen inspirieren soll. Der Name ist allerdings irreführend: Im Mittelpunkt stehen nicht etwa melodische Phrasen oder Vocals. Auch im Vergleich zu anderen KI-Musiktools verfolgt Melody Flip einen eigenen Ansatz.
- Melodie plus Begleitung
- Einfache Bedienung
- DAW-Integration als Plugin
- MIDI- und Audio-Export
- Kostenlos für Roland-Cloud-User
- Kein Total Recall
- Wenig Kontrolle über Details

Anders als etablierte KI-Musikplattformen wie Suno oder Udio generiert Melody Flip keine fertigen Songs mit Vocals, Playbacks und Lyrics. Stattdessen bekommen Songwriter oder Beatmaker kreative MIDI- oder Audio-Dateien an die Hand, um sie in der DAW auszuarbeiten. Ich habe Melody Flip als Plugin in Apple Logic Pro getestet. Wer die Roland-Cloud abonniert hat, bekommt das von Sony und Roland entwickelte Kreativ-Tool gratis – inklusive kostenlosem Basic-Konto.

Wie funktioniert die KI von Roland Melody Flip?
Anders als promptbasierte KI-Tools arbeitet Melody Flip nicht mit Textanweisungen wie „Bitte produziere einen viertaktigen Funky Beat in a-Moll im Stil von Michael Jackson“. Stattdessen importiert ihr eine Audiodatei, die euren musikalischen Vorstellungen bereits sehr nahekommt und als Ausgangspunkt dienen soll. Melody Flip analysiert Tempo, Rhythmik und Harmonik der Aufnahme und leitet daraus neue musikalische Ideen ab.

Für den Test habe ich einige Tracks als Vorlage importiert. Mein Eindruck: Eine Analyse importierter Songs kann man sich eigentlich sparen. Melody Flip überlagert die musikalischen Strukturen der Originale zu stark mit Phrasen aus der eigenen Datenbank – in der neuen Version ist der ursprüngliche Charakter meist kaum noch zu erkennen.
Aus diesem Grund könnt ihr auch gleich mit einer Palette starten. Jede Palette enthält eine acht Takte lange Songvorlage mit bis zu vier Spuren: Melodie, Akkord, Bass und Drums. Mehr als 250 Palettes stehen zur Auswahl, sortiert nach Genres.

Überzeugt der Workflow in der Praxis?
Leider überzeugt der Workflow von Melody Flip nicht. Das Plugin unterstützt keinen Total Recall: Generierte Phrase gehen schnell verloren, etwa wenn ihr das DAW-Projekt speichert und neu ladet. Interessante Zwischenergebnisse solltet ihr daher direkt als MIDI-Phrasen exportieren – das bremst den kreativen Prozess natürlich aus.
Ebenso ernüchternd: Auch beim Komponieren habt ihr wenig Kontrolle. Ihr könnt lediglich Tempo, Tonart, Notendichte und das Mischungsverhältnis der vier Spuren festlegen. Speziellere Akkordfolgen oder bestimmte melodische Verläufe lassen sich nicht gezielt vorgeben. Melody Flip gleicht damit einem „Überraschungsei“.

Wie gut klingt Melody Flip mit seinen Palettes?
Zur Beantwortung der Klangfrage habe ich euch zehn verschiedene Palettes zusammengestellt – hört selbst. Ich finde das Plugin in etwa so mau wie die Songs klassischer MIDI-File-Player. Kaum ein Producer wird solche Parts als Audio-Files rendern und ernsthaft für seine Song-Projekte verwenden. Ihr müsst also selbst nach passenden Sounds für den Melodie-, Chord- Bass- oder Drum-Part suchen. Wer sowieso gern an Presets schraubt, kann sich hier kreativ austoben. Für klassische Songwriter könnte das aber herausfordernd werden.

Gute Alternativen sind kostenpflichtig
Wer nach Alternativen zu Melody Flip sucht, sollte sich auch andere MIDI-Phrasen-Generatoren ansehen. EVAbeat Melody Sauce 3 generiert beispielsweise Melodien, Akkordfolgen und Basslinien. Dafür stehen 350 Style-Presets und über 300 interne Sounds bereit. Im Pianorollen-Editor lassen sich Phrasen schnell abwandeln. Das Plugin kostet rund 100 Euro.
Das Kompositions-Tool Scaler 3 kostet ähnlich viel, erlaubt aber eine genauere Kontrolle über Harmonien und Phrasen. Wie das funktioniert, erklärt das Tutorial Experts Scaler 3 Videotraining.
Auch die Orb Producer Suite dient als Generator für musikalische Ideen beim MIDI-basierten Komponieren. Anschauen solltet ihr euch auch einmal Hookpad von Hooktheory.
Weitere kostenpflichtige Alternativen zu Melody Flip erfahrt ihr im Feature Die besten MIDI-Effekt-Plugins für die DAW.
FAZIT
Von Melody Flip hatte ich mir schon direkt nach der ersten Ankündigung viel versprochen – die Realität sieht nun etwas anders aus. In der aktuellen, kostenfreien Version überzeugt mich das Tool nicht. Wer spontan ein paar zufällige Melodie- und Akkordideen generieren möchte, kann sich von Melody Flip zwar überraschen lassen – die klanglichen Möglichkeiten bleiben jedoch sehr limitiert und auch der Workflow könnte besser sein. In der Praxis nutzt man wahrscheinlich hauptsächlich den MIDI Export oder instrumentiert die generierten Phrasen mit den Software-Instrumenten seiner DAW.
Für eine Gratis-App ist das alles okay. Sollte Roland aber noch eine kommerzielle Version planen, wünsche ich mir vor allem eine interne Soundengine mit hochwertigen Patches, flexibles MIDI-Routing und eine größere Auswahl an traditionellen Styles.
Unterm Strich ist Melody Flip ein netter Anreiz, die Roland Cloud zu abonnieren und das KI-Tool kostenlos auszuprobieren – mehr nicht.
























