Am 25. September verstarb Bruno Kramm, Gründungsmitglied der deutschen Darkwave-Formation Das Ich nach einem Auftritt im spanischen Granada. Er wurde 58 Jahre alt.

Ruhe in Frieden Bruno Kramm (1967-2026)
Bruno Kramm war nicht nur ein Musiker, der mit der Darkwave-Formation Das Ich erfolgreich wurde. Er schaffte es, mit der Formation verschiedene musikalische Ausdrucksformen, Lyrik und theatralische Elemente miteinander zu vereinen. Außerdem war er ein Visionär, der in seiner Rolle als Labelbetreiber und Produzent Musik von anderen Künstlern ans Licht der Welt brachte. Er kämpfte darüberhinaus aktiv für eine bessere Gesellschaft, denn er war parteipolitisch aktiv und versuchte so, unser aller Leben positiv zu gestalten. Außerdem war er ein erfolgreicher Unternehmer, der sich mit den modernsten Technologien der Welt beschäftigte.
Bruno Kramm war ein aktiver Mensch, dem es nicht reichte, die Geschehnisse auf der Welt von seinem Sofa aus zu verfolgen. Dementsprechend erschüttert zeigt sich die gesamte Musikerlandschaft und prominente Kollegen sprechen ihm das Beileid aus.

Bruno Kramm und Das Ich
Seinen wichtigsten musikalischen Partner lernte Bruno Kramm Mitte der 1980er-Jahre kennen. Zusammen mit Stefan Ackermann gründete er die Band Das Ich. Bruno Kramm war als Komponist, Keyboarder und Produzent maßgeblich für den musikalischen Charakter von Das Ich verantwortlich, während Stefan Ackermann die Vocals beisteuerte. Doch sie gingen noch einen Schritt weiter, denn die Verbindung von Schauspiel und Musik wurde zu einem wesentlichen Bestandteil des charakteristischen Stils der Band.
Mit Songs wie „Gottes Tod“ und „Des Satans neue Kleider“ schufen sie einen Stil, der als Neue Deutsche Todeskunst bezeichnet wurde. Neben typischen Darkwave- und Industrial-Elementen zeichnet sich diese Musik durch eine stark literarisch geprägte Lyrik aus, die sich mit dem Tod und der Vergänglichkeit des Lebens auseinandersetzt. Bereits das erste Album „Die Propheten“ von 1991 wurde zu einem wichtigen Werk der Schwarzen Szene und markierte den Durchbruch von Das Ich.

Zu ihren bekanntesten Stücken gehören neben „Gottes Tod“ auch „Kain und Abel“ und „Destillat“. Ein Beispiel für die literarische Arbeit ist das Werk „Morgue“. Hier vertonten sie Texte aus Gottfried Benns gleichnamigem Gedichtzyklus und verbanden sie mit einem elektronisch-klassischen Klangbild. Das letzte Album „Fanal“ erschien 2025 auf dem eigenen Label Danse Macabre.
Das Ich war nicht nur im deutschsprachigen Raum erfolgreich, sondern wurde schon früh auch international bekannt. Die Band tourte unter anderem durch Europa, die USA, Südamerika, Asien, Israel und Russland. Unvergessen sind auch die Auftritte von Das Ich. Die Band präsentierte sich nicht einfach als Gruppe von Musikern, sondern setzte auf eine ausgeprägte theatralische Inszenierung, die durch Kostümierung und extravagantes Auftreten geprägt war.
Bruno Kramm: Danse Macabre und Produzent
Das Label Danse Macabre wurde aus der Not geboren, weil kein Label das erste Album „Die Propheten“ veröffentlichen wollte. Also gründete Bruno Kramm einfach sein eigenes Label. Auf Danse Macabre erschienen zahlreiche Veröffentlichungen aus der Gothic-, Darkwave- und Elektro-Szene, wie z. B. Goethes Erben, Relatives Menschsein und Placebo Effect.
Bruno Kramm war jedoch nicht nur Musiker und Labelbetreiber, sondern auch als Produzent für zahlreiche andere Künstler tätig. Zu den Bands und Projekten, mit denen er arbeitete, gehören unter anderem Atrocity, Illuminate, Distorted Reality, Sanguis et Cinis, In Strict Confidence, Placebo Effect, Relatives Menschsein, Collide und Dorsetshire. Auch ein eigenes musikalisches Nebenprojekt gehörte zu seinem Schaffen: Unter dem Namen Kramm veröffentlichte er 2001 das Album „Coeur“.
Bruno Kramm konnte mehr als nur Musik
Bruno Kramm interessierte sich jedoch nicht nur für Musik, sondern engagierte sich auch politisch. Bis 2011 war er Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, bevor er 2012 der Piratenpartei beitrat, für die er bis 2016 aktiv war. Kramm engagierte sich unter anderem gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP.
Auch mit Fragen des Urheberrechts setzte sich Kramm intensiv auseinander. 2016 gewann er einen Rechtsstreit gegen die GEMA. Das Kammergericht Berlin entschied, dass die GEMA Verleger nicht an den Tantiemen für die von ihnen vertretenen Künstler beteiligen durfte.
Seit 2020 beschäftigte sich Kramm zudem intensiv mit künstlicher Intelligenz. Er war einer der Sprecher des KI-Verbandes Deutschland und setzte sich insbesondere mit den gesellschaftlichen und kulturellen Auswirkungen künstlicher Intelligenz auseinander. Auch unternehmerisch beschäftigte er sich mit der Technologie und gehörte zu den Gründern des Unternehmens Infinite Devices, das sich mit der Verbindung von künstlicher Intelligenz und dem Internet beschäftigte.
Darüber hinaus führte er bis zuletzt einen politischen Blog, in dem er sich mit seinen Ideen und gesellschaftlichen Vorstellungen auseinandersetzte. Dabei standen unter anderem ein vereintes Europa, Pazifismus und die Werte der Aufklärung im Mittelpunkt.
Ruhe in Frieden, Bruno Kramm. Du bist noch nicht lange weg und fehlst jetzt schon unglaublich.
Links
Danse Macabre Records auf Youtube
























