Mit dem Chipsynth OPMZ präsentiert Plogue ein Plugin, das sich der 4-OP-FM-Synthese widmet. Diese Form der Klangerzeugung kennen Ü40-Musiker aus Yamahas kleineren DX-Modellen der 80er. Gerade in Dance- und Techno-Kreisen waren die perkussiven Bässe von TX81Z und DX100 beliebt – allen voran das legendäre Preset „Lately Bass“.

Auch im Chiptune- und Videogame-Bereich sorgen die charakteristischen FM-Klänge bis heute für Retro-Flair. Und auch LoFi-Produzenten schätzen den britzelnden Sound dieser Synthese, der bewusst Ecken und Kanten mitbringt.
Aus purer Nostalgie reizt mich schon länger der Gedanke, mir einen dieser legendären FM-Budget-Synths ins Studio zu holen. Mit dem Chipsynth OPMZ könnte sich jetzt allerdings eine unkompliziertere Alternative zum Kauf eines gebrauchten Originals ergeben.
Stellen wir den Software-Synth mit den vier Operatoren und den acht Algorithmen also einmal auf die Probe. Meine Erwartungen: jede Menge charaktervoller FM-Presets und ein simples Handling. Gerade bei der Ausstattung könnte der OPMZ seine Stärken ausspielen – weniger Operatoren und Algorithmen bedeuten im Vergleich zu den größeren DX7-Nachfolgern nämlich nicht zwangsläufig weniger Möglichkeiten, sondern vor allem einen leichteren Zugang zur FM-Synthese.
- 4-OP-Chips sehr gut emuliert
- Souveräner TX81Z-Sound
- Achtfaches Layering
- Komfortable Bedienung
- Günstiger Preis
- Weniger flexibel als 6-OP-FM
Was emuliert der Chipsynth OPMZ?
Plogue emuliert beim Chipsynth OPMZ nicht die einzelnen Yamaha DX/TX-Synthesizer, sondern die Soundchips verschiedener Geräte. Der Entwickler rekonstruiert den YM2151 (OPM), den YM2164 (OPP), den YM2414 (OPZ) und den YM2424 (OPZ2). Während der Yamaha DX7 mit Sinuswellen arbeitet, bieten die Chips zusätzliche Wellenformen.
Das Plugin fängt das Verhalten der alten D/A-Wandler mitsamt Rauschen und Artefakten ein. Ein schönes Gimmick ist der VGZ beziehungsweise der Arcade File Player, der die Soundfiles von Classic Games authentisch nachahmt.
Wie gut ist die Klangerzeugung?
Der OPMZ basiert auf vier FM-Operatoren, die sich mithilfe von acht originalen Yamaha-Algorithmen verknüpfen lassen. Jeder Operator verfügt über eigene Hüllkurven, Multiplikatoren und Phasenmodulation sowie zusätzliche Wellenformen.

Beim OPMZ bekommt ihr die Sounds und das spezifische Klangverhalten des Yamaha DX21, des DX27, des DX100, des DX11 und des TX81. Per SysEx-Daten-Import lassen sich die Voices dieser betagten DX-Synthesizer laden und anschließend mit den neuen Parametern bearbeiten.
Eine Stärke des Plugins ist das achtfache Layering auf der Stack-Seite. Damit erlaubt der OPMZ komplexere Klangstrukturen, die mit klassische FM-Synths meistens nicht zu erreichen sind.

Gibt es einen Arpeggiator und Effekte?
Tatsächlich bietet der Chipsynth OPMZ bei den Effects einen Arpeggiator sowie drei verschiedene Effekt-Slots: Chorus, Ambience und Stereo-Delay. Der Arpeggiator beherrscht die klassischen Auf-und-ab-Muster. Persönliche Einstellungen könnt ihr ebenfalls speichern.

Noch mehr Presets findet ihr bei den FX-Blöcken. Hier gibt es viel zu entdecken – vom LolliPopFlange über Piano Hall bis hin zum ChipClassic-Delay. Dieses zusätzliche Effektangebot steht dem Soft-Synth von Plogue wunderbar.
Wenn es etwas spezieller sein darf: Auf der Steps-Seite findet ihr einen Modulations-Step-Sequenzer. Mit ihm erstellt ihr rhythmische Klangverläufe oder Chiptune-Effekte.
Ist der Chipsynth OMPZ einfach zu bedienen?
Die FM-Synthese bleibt auch bei diesem Soft-Synth unberechenbar. Mit seinem GUI gestaltet der Chipsynth OMPZ das Editieren dafür aber deutlich angenehmer als bei einem DX21 oder TX81Z, die ohne Software-Editor kaum zu bändigen sind. Die grafischen Darstellungen der Hüllkurven und Algorithmen, die Macro-Regler und das Easy-Edit machen das GUI im 80-Style bedienungsfreundlich.
Übrigens: Auf der Matrix-Seite adressiert ihr Aftertouch sowie Foot- und Breath-Controller. MPE unterstützt der OMPZ teilweise, entsprechende Presets gibt es hingegen nicht.

Klingt OPMZ wirklich oldschool?
Die Preset-Bibliothek stellt den OPMZ breit auf – sie deckt ein vielseitiges musikalisches Spektrum ab. Mich haben vor allem die drahtig-perkussiven Bässe für House oder Techno, die Arcade-Sounds für Chiptune und Videogames, die metallischen Sounds, die E-Pianos und auch ein paar sphärischen Pads und Synths überzeugt. Das Klangbild des Chipsynth OPMZ lebt von Druck, Schärfe und digitalem Charakter.

Die Sounds des OPMZ haben Charakter. Trotzdem fand ich die Presets wider Erwarten weder extrem rau noch brachial oder voller Nebengeräusche. Sie klangen nach meinem Empfinden etwas glatter und gefälliger als bei den Vintage-Maschinen – womit ich völlig klarkomme. Wie sich das genau anhört, erfahrt ihr in den Hörbeispielen.
Chipsynth OPMZ behauptet sich
Für 50 Euro lässt der OPMZ den fast dreimal so teuren AIR Music Technology OPx-4 alt aussehen. Und auch im Vergleich zum Twisted Electrons vMEGA ist er durch die größere Parameterauswahl deutlich wandlungsfähiger. Wer mehr auf schroffen nerdigen Sound steht, fühlt sich bei Twisted Electrons besser aufgehoben.
Andere vergleichbare Plugins wie Tracktion F.’em, Arturia DX7 V, Korg Opsix native sind deutlich teurer und beim Programmieren von Sounds weniger zugänglich. Für den 4OP-FM-Sound-Bedarf ist der Plogue Chipsyth schon eine ziemlich starke Nummer. Eine Übersicht verschafft ihr euch im Feature Die besten FM-Synthesizer – Soft-Synths im Vergleich.
Fazit
Entwickler Plogue beherrscht Chip-Emulation durchaus: Sein Soft-Synth OPMZ vereint gleich vier unterschiedliche Yamaha-Chips in einem Plugin. Besonders gelungen ist der Spagat zwischen akribischer Nachbildung der Original-Hardware und modernen Features wie Stacking und Effekten, die das Sounddesign deutlich komfortabler machen. Die mitgelieferte Library zeigt bereits, wohin die Reise geht.
Unterm Strich ist der Plogue Chipsynth OPMZ ein vielseitiger Spezialist zu einem attraktiven Preis. Wer den charakteristischen Sound von Yamahas kleinen FM-Maschinen liebt, bekommt mit dem OPMZ eine komfortable Möglichkeit, sich den Yamaha-Soundkosmos in die eigene DAW zu holen. Für mich hat sich die Suche nach einem gebrauchten Yamaha DX21 oder TX81Z damit jedenfalls erledigt. Von Bonedo gibt es dafür fünf Sterne!
























Abi sagt:
#1 - 09.10.2026 um 12:11 Uhr
Was ist denn das für ne bewertung? Dann müsste jeder 6-OP-FM-Synth einen Punkt Abzug bekommen, weil er nicht so flexibel ist wie 8-OP-FM. Ein Punkt Abzug für das Konzept ist wirklich merkwürdig...wie wärs mit nem weiteren Punkt Abzug, weil keine Wavetable-Synthese integriert wurde? Was ist mit den besonderen Stand-Out-Features, wie VGM? Da kann man zum Beispiel Videospiel-Soundtracks reinladen und die einzelnen Sounds "grabben". Dass diese nicht mal erwähnt werden, macht diesen Test noch oberflächlicher und suspekter. Ich sags ehrlich, ich habe alle namhaften FM-Softsynths, von OPsix zu Halion-FM, trotzdem verdienst OPMZ 5 Sterne. Sorry. Einen so gut durchdachten Synth so schlecht testen, und dann noch unfair bewerten, finde ich ziemlich jämmerlich. Beste Grüße aus Köln.
Felix Klostermann sagt:
#1.1 - 09.10.2026 um 22:21 Uhr
Hey Abi, das war alles mein Fehler! Matthias hat dem Produkt tatsächlich von vornherein 5 Sterne gegeben gehabt und das ja auch im letzte Satz bereits so geschrieben gehabt. Ich hab mich tatsächlich einfach verklickt gehabt beim Einstellen des Artikels. Me Culpa! LG; Felix
Antwort auf #1 von Abi
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenMatthias Sauer sagt:
#2 - 09.10.2026 um 12:38 Uhr
Hallo Abi, Danke für Feedback! So schlecht testen? Diese Kritik verstehe ich nicht vollständig - mein Fazit ist sehr positiv. Ich möchte kurz zitieren: "Für mich hat sich die Suche (...) damit jedenfalls erledigt. Von Bonedo gibt es dafür fünf Sterne!" Natürlich ist 6-OP-FM viel flexibler, es soll einfach nochmal aufgeführt werden - es ist aber kein "Contra" im eigentlichen Sinn und ändert nichts an der positiven Gesamtbewertung. Übrigens, auch das besondere Feature spreche ich kurz an: "Ein schönes Gimmick ist der VGZ beziehungsweise der Arcade File Player". Da ich den Chipsynth OPMZ unter dem Aspekt "DX/TX-Ersatz in der DAW" teste, gehe ich aber nicht darauf detailliert ein. Nochmals an dieser Stelle: Der Chipsynth OPMZ ist ein klarer Kauftipp, wenn man sich einen 4-OP-FM-Synth für erstaunlich wenig Geld wünscht. Viele Grüße Matthias
Abi sagt:
#2.1 - 09.10.2026 um 16:12 Uhr
Sorry Matthias, ich war wohl etwas unhöflich. „So schlecht testen“ ist maßlos übertrieben, entschuldige bitte. Ich finde das Produkt hat einfach 5 von 5 Sternen verdient, und wie gesagt, einem 4-Op-FM-Synth ein Contra geben weil er nicht so variabel ist wie 6-Op-FM entbehrt meiner Meinung nach jeglicher Logik. Dennoch möchte ich meinen „Angriff“ relativieren und nehme das „schlechte Testen“ ausdrücklich zurück. Freundliche Grüße
Antwort auf #2 von Matthias Sauer
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenMatthias Sauer sagt:
#2.1.1 - 09.10.2026 um 17:50 Uhr
Hallo Abi, alles gut! Man könnte lange diskutieren, ob bei Vintage-FM-Synths nicht auch ein Vergleich zwischen 4-OP und 6-OP berücksichtigt werden sollte. Ich hab's nur angeschnitten und bei der 5-Sterne-Bewertung kommt es letztlich überhaupt nicht negativ zum Tragen. Viel Spaß mit dem Chipsynth OPMZ! Cheers, Matthias
Antwort auf #2.1 von Abi
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