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Kontrabass kaufen ▶ Worauf muss ich achten?

Gehörst auch du zu den Bassist:innen, die schon einige Jahre Erfahrung auf dem E-Bass haben, und sich nun der Herausforderung stellen möchten, sich am Kontrabass zu versuchen? Die Motivation hierzu könnte sein, dass dich eine bestimmte Stilistik interessiert, in welche der Kontrabass schlicht “besser passt” als der E-Bass. Oder du möchtest dich einfach nur breiter aufstellen, um deine Jobchancen innerhalb der Musikszene verbessern. Ist die Entscheidung für die Anschaffung eines Kontrabasses erst einmal getroffen, stehen typischerweise aber auch schnell einige Fragen im Raum. Aber keine Sorge, wir bringen Licht ins Dunkel: Was du beim Kauf eines Kontrabasses beachten musst, erfährst du in diesem Artikel!

Kaufberater Kontrabass
Worauf du beim Kauf eines Kontrabasses achten musst, erfährst du in diesem Artikel. (Bild: © fotolia, Mirko Macari)
Inhalte
  1. Das ewige Kontrabass-Thema: Sperrholz vs. Massivholz
  2. Klangliche Unterschiede zwischen Vollholz- und Sperrholz-Kontrabässen
  3. Welche Größe sollte mein Kontrabass haben?
  4. Schwingende Saitenlänge und Mensur
  5. Kontrabass-Kauf: gebraucht oder neu?
  6. Wo findet man eine gute Auswahl an Kontrabässen?
  7. “Worauf soll ich beim Anspielen eines Kontrabasses achten?”
  8. Elementar wichtig: Die Bespielbarkeit des Kontrabasses!
  9. Kontrabass kaufen: Die Optik – hört das Auge mit?
  10. Was ist von Billig-Kontrabässen zu halten?
  11. Kontrabass kaufen – Fazit
  12. Und nach dem Kontrabass-Kauf?
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Ein wesentlicher Unterschied zum Kauf eines E-Basses besteht darin, dass man bei Kontrabässen leider nicht pauschal sagen kann: “Mit der Marke XY steht man schon mal auf der sicheren Seite!”. Das liegt daran, dass Kontrabässe traditionell nicht von großen Marken (Fender, Ibanez, Yamaha …) gebaut werden, sondern eher von kleineren Betrieben bzw. sogar nur von einzelnen Kontrabassbauern.

Darüber hinaus spielt das Setup beim Kontrabass eine immens wichtige Rolle. Es kann durchaus vorkommen, dass ein gut eingerichteter Bass für 1.500,- Euro besser klingt und besser bespielbar ist als ein schlecht eingerichtetes Instrument für das doppelte Geld. Huch, das sind ja gleich ganz andere Preis-Kategorien als bei E-Bass oder Gitarre! Richtig, aber beginnen wir mal von vorn …

Das ewige Kontrabass-Thema: Sperrholz vs. Massivholz

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Vollholz- (auch Massivholz-) Bässen und Sperrholz-Bässen (auch “laminiert” oder “gesperrt” genannt). Bei Vollholz-Bässen besteht die Decke aus massiver Fichte. Boden und Zargen (so nennt man die Seitenteile des Bodies) werden üblicherweise aus Ahorn gefertigt.

Bei Sperrholz-Bässen wird für diese Teile Holz verwendet, welches aus mehreren dünnen Schichten besteht. Diese Schichten können von verschiedenen Holzarten stammen und werden hinsichtlich des Faserverlaufs im 90°-Winkel zusammengeleimt.

Aus optischen Gründen wird für die Oberfläche der Decke oft eine Schicht (bzw. ein Furnier) aus Fichte verwendet. Um dennoch zu erkennen, ob eine Decke massiv ist oder nicht, schaut man sich am besten die Kante der Decke an.

Kontrabass Zarge
Fotostrecke: 2 Bilder Hier seht ihr die Zarge eines Vollholz-Kontrabasses …
Fotostrecke

Ordentliche Sperrholz-Bässe kosten für gewöhnlich zwischen 1.200,- und 2.200,- Euro. Für einen Vollholz-Bass sollte man ab 2.500,- aufwärts einplanen. Es gibt jedoch auch noch eine Zwischenkategorie: Die sogenannten “halbmassiven” Bässe (auch “teilmassiv” oder “Hybriden” genannt). Halbmassive Bässe besitzen eine massive Decke, während Zarge und Boden jedoch aus Sperrholz bestehen.

Die massive Decke rückt diese Instrumente klanglich schon in die Nähe eines Vollholzbasses – allerdings zu einem wesentlich günstigerem Preis. Somit ist diese Kategorie eine sehr interessante Alternative für Einsteiger!

Klangliche Unterschiede zwischen Vollholz- und Sperrholz-Kontrabässen

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Vollholz besitzt bessere Schwingeigenschaften als Sperrholz, daher klingen Vollholz-Bässe tendenziell lauter und ihr Klang ist meistens edler und “freier” im Sinne eines breiteren Frequenzspektrums (mehr feine Höhen, mehr Tiefbass). Sperrholz-Bässe haben meist einen etwas mittigeren Klangcharakter. Dies muss jedoch nicht unbedingt negativ sein, so lange der Klang nicht unnatürlich und eng (engl.: “boxy”) ist.

Doch Sperrholz bringt auch echte Vorteile mit sich: Konstruktionsbedingt ist es nämlich stabiler und unempfindlicher gegen Risse als Vollholz. Außerdem kann ein etwas mittiger Sperrholz-Sound durch Pickup und Bassverstärker eine sehr gute Durchsetzungskraft erhalten, und eventuell sogar unempfindlicher gegen Feedbacks sein.

Welche Größe sollte mein Kontrabass haben?

Beim Stöbern wirst du schnell auf Größenbezeichnungen wie “3/4 ” oder “4/4” stoßen. Diese Angaben geben Anhaltspunkte zur Größe des Basses, sind aber interessanterweise nirgendwo offiziell normiert! Ein ¾-Kontrabass ist typischerweise ca. 185 cm hoch (ohne ausgefahrenen Stachel) und der Korpus ist an der breitesten Stelle ca. 65 cm breit.

Geschätzte 90% aller Kontrabassisten in Jazz-, Folk- oder Pop-Bands spielen einen ¾-Kontrabass. Im Sinfonieorchester verhält sich dies ganz anders: Hier spielen die meisten Bassisten die größeren 4/4-Instrumente, welche mehr Tiefbass und mehr Volumen produzieren – dafür aber auch umständlicher zu transportieren sind.

Auch sind im Orchester oft Fünfsaiter im Einsatz, die wegen der tiefen H-Saite meistens eine 4/4-Größe aufweisen. Als 7/8-Bass bezeichnet man – logisch – die Instrumentengröße zwischen 3/4 und 4/4. Darüber hinaus gibt es noch kleinere Größen, z.B. ¼- oder ½-Kontrabässe. Diese Instrumente sind für den Nachwuchs gedacht – Kinder und Jugendliche.

Schwingende Saitenlänge und Mensur

Das, was man beim E-Bass “Mensur” nennt, wird unter Kontrabassisten meistens “schwingende Saitenlänge” genannt. Zudem hört man häufig die Begriffe “D-Mensur” oder “Eb-Mensur”. Durch das Fehlen von Bünden oder anderweitigen Markierungen müssen sich Kontrabassisten anders auf dem Instrument orientieren.

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Eine wichtige Orientierungshilfe bietet der Übergang vom Hals zum Halsfuß auf der Halsrückseite: Wenn der Daumen der linken Hand in diesem Winkel “angekommen” ist, wird der gegenüberliegende Zeigefinger auf dem Griffbrett auf der G-Saite entweder automatisch ein “D” oder ein “Eb” greifen. Dementsprechend handelt es sich um einen Bass mit D- bzw. Eb-Mensur.

In Deutschland trifft man meistens auf D-Mensuren. Klanglich spricht freilich rein gar nichts dagegen, auch einen Bass mit Eb-Mensur zu kaufen. Aber als Besitzer eines solchen Basses wird es sich für dich ungewohnt anfühlen, wenn du einmal auf einem fremden Bass mit D-Mensur spielen musst. Möglicherweise kannst du dann auch nicht das erlernte Fingersatzkonzept 1:1 übernehmen. Darüber hinaus sind Bässe mit Eb-Mensur schwieriger wieder zu verkaufen, wenn du nach einigen Jahren vielleicht “upgraden” möchtest.

Mensurmaß beim Kontrabass
Je nachdem, an welcher Stelle der Daumen der Greifhand vom Halsfuß gestoppt wird, spricht man von “D-” oder “Eb-Mensur”.

Kontrabass-Kauf: gebraucht oder neu?

Kontrabässe entwickeln sich! Instrumente, die aus guten Materialien gefertigt wurden, werden mit der Zeit in der Regel besser – vor allem, wenn sie viel gespielt werden. Kontrabässe, die aus minderwertigen Bestandsteile bestehen, verursachen hingegen nach einigen Monaten oder Jahren zunehmend Probleme: ein Ton könnte in bestimmten Lagen zu schnarren beginnen, eine Mechanik könnte haken und das Stimmen zu einem Problem machen, usw.

Bei einem gebrauchten und entsprechend eingespielten Instrument kann man also eher davon ausgehen, dass es die Phase der Kinderkrankheiten (hoffentlich) bereits überstanden hat. Mit einem neuen Instrument hat man natürlich wiederum den Vorteil der Garantie – sofern man von einem vertrauenswürdigen Händler/Hersteller kauft! Und mit etwas Glück findet man bei einem neuen Bass vielleicht ein Instrument, was so gut ist, dass es niemand auf dem Gebrauchtmarkt abstoßen würde!

Wo findet man eine gute Auswahl an Kontrabässen?

Es gibt Händler und Instrumentenbauer, die auf Kontrabässe spezialisiert sind und oft auch Einsteiger-Instrumente im Angebot haben. Eine Internetsuche nach “Kontrabassbauer Deutschland” führt hier sehr schnell zu entsprechenden Listen. Auch wenn man eventuell ein paar hundert Kilometer fahren muss, sind solche Händler aufgrund ihrer für gewöhnlich guten Beratung und einer gewissen Garantie, ein Instrument zu bekommen, das nicht kurz nach dem Kauf generalüberholt werden muss, zu empfehlen.

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Hierzu sollte man den Bassbauer/Händler zunächst kontaktieren und abklären, ob er Instrumente in der gewünschten Preiskategorie vorrätig hat und dann ggf. einen Termin vereinbaren. Aber auch bei Privat-Anbietern, z.B. über Internet-Kleinanzeigen oder Portalen wie www.geba-online.de, kann man fündig werden.Für den ersten Kauf sollte man (egal, ob man zu einem Händler oder einem Privatverkäufer fährt), immer einen erfahrenen Kollegen zu Rate ziehen.

Entweder kommt dieser zur Besichtigung gleich mit, oder man fragt den Verkäufer, ob er dazu bereit wäre, das Instrument ein paar Tage testweise herzugeben. Das ist bei teuren Instrumenten übrigens durchaus üblich! Im Idealfall kennt der Verkäufer deinen Lehrer sogar schon – derartige Verbindungen sind sehr hilfreich, um das nötige Vertrauen für so derartige Kaufaktion zu etablieren.

Auswahl verschiedener Kontrabässe
Die Qual der Wahl – das passende Instrument zu finden, kann ein langer Weg sein. Doch die Suche kann auch Spaß machen!

“Worauf soll ich beim Anspielen eines Kontrabasses achten?”

Natürlich ist der Sound einer der wichtigsten Punkte. Aber: Der Sound eines Instrumentes hängt sehr davon ab, wie der Bass eingerichtet ist (Set-up): Saitenlage, Position des Stimmstocks, Griffbrett-Oberfläche und Hohlkehle, Beschaffenheit und Qualität des Steges – das alles beeinflusst den Klang! Einer des wichtigsten Faktoren ist aber außerdem die Wahl der Strings.

Kontrabass probespielen
Bloß kein Blindkauf – ausgiebiges Anspielen vor dem Kauf sollte beim Kontrabass eine Selbstverständlichkeit sein!

Kontrabass-Saiten kann man grob in drei Kategorien unterteilen:

  • Stahlsaiten für das Pizzicato-Spiel: Der Klassiker ist hier der Spirocore-Satz von Thomastik. Charakteristisch für diese Saiten sind ein langes Sustain und ein klarer Ton, der in hohen Lagen oft sogar die singende Qualität eines Fretless-E-Basses aufweist.
  • Streichsaiten: Diese Saiten sind für das Spiel mit dem Bogen (Arco) konzipiert und klingen gezupft etwas dumpf mit weniger Sustain.
  • Darmsaiten: Diese Saiten besitzen zwar meistens ein etwas weicheres, dumpfes Timbre und weniger Sustain, dafür aber einen sehr guten Punch. Ob bei Oldschool-Jazzern oder Rockabilly-Slappern, Darmsaiten haben absolut ihre Fans in bestimmten Kreisen. Übrigens: Auch für Barock-Musik werden Darmsaiten verwendet (hier werden sie mit dem Bogen bespielt!).

Es gibt außerdem alle möglichen Zwischenstufen dieser Hauptkategorien. Erfahrene Bassisten, die mit den Eigenschaften verschiedener Saiten vertraut sind, können hier abstrahieren und im Sound wesentliche Merkmale beurteilen:

  • Klingt der Bass “gesund”? Damit ist die Grundlautstärke gemeint, aber auch die Frage, ob nichts klappert oder scheppert.
  • Klingt der Bass in allen Lagen gleichmäßig, oder fallen bestimmte Bereiche ab? Dieser Punkt ist extrem wichtig!

Weitere Parameter des Basssounds sind zwar nicht “absolut” zu bewerten, sollten aber natürlich deinem Geschmack entsprechen. Hier ein paar Beispiele:

  • Ist der Sound klar oder eher dunkel?
  • Klingt der Bass growlig oder weich?
  • Wie verhalten sich Punch/Attack und das Sustain?
  • Klingt der Ton fokussiert mit einer guten Projektion, oder eher breit oder sogar verschwommen?

Elementar wichtig: Die Bespielbarkeit des Kontrabasses!

Als nächstes ist natürlich die Bespielbarkeit ungemein wichtig. Auch hier kann das Setup des Instrumentes – genau wie beim E-Bass – extreme Auswirkungen haben. Hauptparameter ist dabei die Saitenlage: eine tiefe Saitenlage macht den Bass zwar leichter zu spielen, sie macht ihn aber gleichzeitig auch leiser und/oder anfälliger für schnarrende Töne. Deswegen muss jeder Bassist über die Jahre herausfinden, welche Saitenlage für ihn die richtige ist.

Daumenlage Kontrabass
Gute Bespielbarkeit bis in die hohen Lagen ist ein Garant für jahre- oder jahrzehntelange Freude am Instrument!

Kontrabass kaufen: Die Optik – hört das Auge mit?

Schließlich muss sich der Bass einer optischen Prüfung unterziehen. Hier geht es aber nicht nur um geschmackliche Vorlieben, wie Farbe des Lacks und Form des Instruments, sondern um den allgemeinen Zustand. Manche Altersspuren besitzen den Charme von einer Patina und gehören irgendwie dazu. Abgeplatzte Ecken oder heftige Stoßmacken weisen hingegen eher auf eine respektlose Behandlung des Instruments hin und sollten zu Vorsicht mahnen.

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Ältere Bässe besitzen häufig sichtbare Risse. Diese sind etwas völlig Normales: das Holz arbeitet über die Jahrzehnte (bis Jahrhunderte!) und manchmal entstehen auf diese Weise Spannungen, die zu einem Riss führen können. Solche Risse lassen sich aber für gewöhnlich reparieren – manchmal sogar auf eine Art, die die zuvor vorhandene Spannung löst.

Deswegen ist hier die wichtigste Frage: Sind die Risse fachmännisch repariert worden? Wenn der Verkäufer ein Fachmann ist (vielleicht ein Bassbauer, der die Risse persönlich repariert hat), wird er sogar Auskunft zu Rissen oder reparierten Brüchen (z.B. Halsbruch) geben können. Bei einem Privatverkäufer kann das schon schwieriger werden.

Wie auch immer: Ein alter Bass, der sichtbar schon viel erlebt hat, sollte unbedingt vor dem Kauf einem Bassbauer vorgeführt werden, denn dieser kann die Qualität der Reparaturen beurteilen und ggf. weitere unsichtbare Probleme oder “Krankheiten” feststellen. Ein Beispiel: Holzwurmbefall. Dieser kann an sämtlichen Stellen des Instruments vorkommen und die Stabilität des Holzes komplett ruinieren. Der Bassbauer wird die Kosten schätzen können, die für das Bestehen der “Bass-TÜV-Prüfung” anfallen, und somit helfen festzustellen, ob der verlangte Preis angemessen ist.

Kontrabass kaufen: Vorsicht vor Betrügern!

Noch etwas zum Thema “alte Kontrabässe”: Man sollte vorsichtig sein, wenn in Kleinanzeigen von einem “Dachbodenfund” oder “Erbstück von einem Orchestermusiker” die Rede ist. Man ist dann nämlich leicht geneigt zu denken, es handele sich um ein sehr wertvolles altes Instrument. In Wahrheit wird auf diese Weise häufig versucht, mit solchen Begriffen völlig überteuerte “Ruinen” zu verkaufen.

Ein weiteres Gefahren-Szenario ist folgendes: Ein Bass wird als “sehr altes” Instrument oder “vermutlich alter Italiener, sehr gut erhalten” angeboten und sieht auch auf dem ersten Blick danach aus. Tatsächlich hat man es hier aber oft mit einem ganz neuen Fabrik-Instrument zu tun, welches jedoch – analog dem “Aging” bei E-Bässen – auf alt getrimmt wurde.

Diesen Nepp erkennt man manchmal an den modernen Mechaniken, die mit Kreuzschlitzschrauben befestigt sind, was früher nicht üblich war. Es kann natürlich trotzdem sein, dass so ein Instrument gut klingt. Nur sollte man nicht glauben, dass man es hier mit einem Bass aus Stradivaris Zeit zu tun hat – und erst Recht nicht bereit sein, dafür entsprechend tief in die Tasche zu greifen!

Was ist von Billig-Kontrabässen zu halten?

Die Angebote scheinen verlockend: Im Internet sind Kontrabässe (z.B. im Versandhandel) schon ab ca. 500,- Euro zu bekommen. Auch wenn man im Einzelfall durchaus Glück mit einem derartigen Instrument haben kann, gibt es auch eine ganze Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, lieber etwas mehr Geld zu sparen, um gleich etwas Vernünftiges zu kaufen:

Griffbrett

Ebenholz ist beim Kontrabass-Griffbrett das Maß aller Dinge. Manche Instrumente verfügen aber lediglich über ein schwarz eingefärbtes Weichholz-Griffbrett. Die Folge: Die Saiten fressen mit der Zeit Kerben ins Griffbrett. Diese Kerben wiederum verursachen auf Dauer Saitenschnarren, und das Griffbrett lässt sich nicht mehr vernünftig abrichten.

Aber auch, wenn in der Beschreibung bestätigt wird, dass das Griffbrett aus Ebenholz ist, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich um minderwertiges Ebenholz handelt, mit manchmal unsichtbaren porösen Bereichen oder Kerben, die oft provisorisch mit Farbe oder irgend einem Füllmaterial “verheimlicht” wurden.

Die Folgen sind in solchen Fällen ähnlich wie beim Weichholz: Wenn es irgendwo schnarrt, wird der Bassbauer große Schwierigkeiten haben, das Griffbrett wieder ordentlich abzurichten, um das Problem zu lösen. Dann kann es schnell heißen: “Ein neues gutes Griffbrett muss her!” Dabei muss man wissen, dass die Kosten hierfür (inklusive der Arbeit) deutlich höher sind als der Anschaffungspreis des Basses!

Decke

Auch bei Sperrholz ist es wichtig, dass die verwendeten Hölzer von guter Qualität sind und eine gewisse Zeit abgelagert wurden. Bei minderer Qualität kann nach ein paar Monaten die Decke unter dem Druck des Steges einsinken. Die Folge: Keine Power mehr in den tiefen Lagen bzw. eine scharrende E-Saite.

Hardware

Auch hier versuchen einige Hersteller zu sparen. Ein billiger Stachel scheppert gerne mal oder lässt sich nicht ordentlich festschrauben. Da hilft nur eins: Austauschen! Auch Saiten, Steg, Mechaniken etc. können schnell signalisieren: “Ich muss ersetzt werden!” – und das geht leider unweigerlich ins Geld.

Die Liste der Probleme, die man bei Billig-Instrumenten antreffen kann, lässt sich aber noch weiter führen: So werden manche Instrumente mit Weißleim (wie Ponal) anstatt mit Heißleim (z.B. Knochenleim) zusammengebaut.

Dies ist ein absolutes No-Go (übrigens auch bezüglich Reparaturen!), denn nur Heißleim-Verbindungen lassen sich ohne Schäden am Instrument wieder lösen, wenn dies für eine Reparatur nötig werden sollte. Mit anderen Worten: Ein mit Weißleim zusammengebauter Kontrabass ist vergleichbar mit einem Auto, dessen Motorhaube zugeschweißt wurde!

Kontrabassist Hervé Jeanne
Autor Hervé Jeanne auf der Bühne. Hervé war unter anderem zwölf Jahre lang der feste Bassist der Roger Cicero Band. (Foto: Johnny Johnson)

Kontrabass kaufen – Fazit

Wer viele Jahre Spaß an seinem Instrument haben möchte, sollte bereit sein, ein Minimum von 1.200,- bis 1.500,- Euro zu investieren. Bei einem spezialisierten Händler ist man meistens gut aufgehoben, aber auch auf dem Gebrauchtmarkt kann man fündig werden – vorausgesetzt, man lässt einen erfahrenen Kollegen und eventuell auch einen Bassbauer das Instrument begutachten.

Letzterer kann auch schätzen, welche Setup-Maßnahmen nötig wären, um das Instrument zu optimieren (inkl. Kostenprognose). Neue Instrumente sollte man hingegen nur von Händlern kaufen, welche eine eigene Fachwerkstatt betreiben und ein professionelles Setup sowie eine Garantie anbieten.

Und nach dem Kontrabass-Kauf?

Du hast dein Instrument gefunden, was ist jetzt noch zu beachten? Auf jeden Fall solltest du dir eine gut gepolsterte Hülle zulegen. Diese gibt es ab ca. 150,- Euro im Handel. Hüllen mit integrierten Rollen sind übrigens eine immense Hilfe beim Transport.

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Für ein langes und gesundes Kontrabass-Leben ist zu beachten, dass der Bass möglichst in einem Raum mit mittlerer Luftfeuchtigkeit und Temperatur aufbewahrt wird. Zu vermeiden sind z.B. eine dauerhafte Lagerung im feuchten Keller, Lagerung unter starker Sonneneinstrahlung oder in Heizkörper-Nähe (im Winter).

Vorsicht auch bei extremen Temperatursprüngen im Winter: Bist du mit dem Bass durch die Stadt bei ca. 0°C gelaufen und kommst in einen Raum mit aufgedrehten Heizkörpern, so solltest du dein Instrument zunächst mindestens ein halbe Stunde in der Hülle lassen, damit es sich langsam akklimatisieren kann. Anderenfalls kann (vor allem bei Vollholz-Instrumenten) schnell mal ein Riss entstehen oder eine Leimstelle aufgehen. Zudem sollte man den Steg alle paar Monate auf seine richtige Position überprüfen, denn er neigt dazu, sich immer weiter nach oben zu verbiegen oder verkanten. Lass dir die richtige Stegposition von einem erfahrenen Kontrabassisten oder vom Bassbauer erklären.

Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem neuen Instrument!

Alles Gute, dein Hervé Jeanne

P.S: Ich möchte mich ganz herzlich bei dem Bremer Kontrabassbauer Martin Henkel (www.henkel-kontrabass.de) für seine fachliche Unterstützung beim Verfassen des Artikels bedanken!

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(Bild: © fotolia, Mirko Macari)

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von herve.jeanne

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Profilbild von Gioi Geniale

Gioi Geniale sagt:

#1 - 27.05.2020 um 17:00 Uhr

Empfehlungen Icon 0

ich
habe den artikel von hervé jeanne gelesen. sehr gut alles auf den
punkt gebracht. es gibt von mir aus gesehen nichts mehr zu ergänzen.zu meiner jugendzeit gab es
weder informationen zu e gitarren, e bässen, rock, pop, blues etc,
noch über kontrabässe. ein freund war so nett und hat mir einiges
erzählt. natürlich nie so detailliert wie dieser artikel.die dinger (kontrabässse)
kosten einiges mehr als e bässe. man hat natürlich entsprechend ein
vielfaches von einem e bass.spiele mittelerweile meinem
kontrabass nr 3.der erste war ein massivholz bass, den ich damals für 3200 gebraucht ergatterte. plus 1500 geigenbauer (inkl neues griffbrett und gute hülle). brauchte ihn vor allem für jazz, aber auch klassik mit bogen, folk, etc.verstärkte das instrument mit einem schertler transducer, das beste vom besten.
unter eher unglücklichen umständen verkaufte ich den bass nach ca 19
jahren.
fazit: tönte umwerfend. fachmännische reparaturen
kosteten.konnte einige zeit später einen sperrholzer 300 übernehmen. habe alles repariert und eingestellt, nicht fachmännisch, sondern mit 2 compo leim,
kabelbindern u.ä. tönte recht wuchtig und
klar. natürlich auch wieder mit schertler abnahmesystem. und
schertler saiten.
es gibt ein handyvideo von
uns mit diesem bass, wir spielen als auftakt auf einem schiffsteg, unplugged, zu dritt. die gitarre hörte man kaum, der gesang hatte mühe, das snare kam gut durch und der bass was saumässig laut.
so viel zu sperrholzbässen.
und das teil war natürlich sehr unempfindlich gegeüber temperatur- und
feuchtigkeitsschwankungen. sprich: kaum reparaturen vonnöten.verstärker: suchte
verschiedene, möglichst authentisch klingende verstärker. bis ich
ihn fand: markbass.
habe einen jeff berlin school player 250w und einen micromark 65W, der 5.2 kilo wiegt und einfach unglaublich weit trägt. an einer session war ich zuerst ganz hinten. hörte vom bass jeden ton klar und deutlich.
als ich dann mit jammte, sah ich das kabel zum micromark und suchte dann die kabel zum pa. es hatte keine...
die e bässe tönen über markbass auch natürlich so gut, wie sonst nie.jetzt hab ich wieder einen massiven kontrabass, für 1800 plus geigenbauer 2000 =
wunderinstrument. mit gut-a-like strings kommt der zapfige, eher perkussive darmsaiten sound sehr authentisch rüber. und zum slappen ein traum.
und schön ist das ding.der kontrabass ist eines der vielseitigsten instrumente was stilistik anbelangt. von klassik über ragtime, jazz, balkan, rock`n`roll, titanic orchester etc.fazit. Ich glaube, ich
komme vom kontrabass wohl nicht mehr los. will auch nicht mehr davon
loskommen.

Profilbild von Michael Lorenz

Michael Lorenz sagt:

#2 - 11.11.2021 um 09:23 Uhr

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Danke für die Einblicke in die Welt der dicken Bässe!Gruß Milo

Profilbild von Ronny Guittar

Ronny Guittar sagt:

#3 - 16.01.2022 um 00:20 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß der Stimmstab vorhanden ist. Er sollte gut und fest an der richtigen Stelle stehen, denn ohne Stimmstab oder ein an falschem Punkt gestellter Stimmstab lässt den Bass nicht klingen schlecht oder macht ihn viel zu leise. Fehlt der Stab, wird die Decke instabil. Er steht grob richtig, wenn er sich auf deHöhe der Mitte des linken Schallochs, fast unter dem Ansatzpunkt der Brücke befindet. Wenn man mit einem Taschenspiegel in den Bass hineinsieht, kann man ihn leicht sehen. Ich hatte einen halben Tag gefummelt, den Stab einzurichten. Wenn man es nicht kann oder noch nie gemacht hat, ist das besser durch einen Fachmann zu erledigen.

Profilbild von Ronny Guittar

Ronny Guittar sagt:

#4 - 12.01.2023 um 10:33 Uhr

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Es kommt darauf an, was man mit dem Bass machen will. Wir hatten lange Jahre einen Massivbass aus den 1960ern, der mit wachsendem Alter immer empfindlicher und pflegeintensiver wurde. Am Ende kam dann der gefürchtete Riss vom rechten Schalloch in Richtung unterer Zargenboden, also über die volle Länge des Resonanzbereiches. Rockabilly? Nicht möglich. Wir verkauften ihn für einen schmalen Taler, aber suchen deshalb schon lange nach einem gebrauchten Sperrholzbass allereinfachster Bauart. Er wird in ganz Deutschland umher bewegt, geslappt und muss bei jedem Wetter seinen Dienst tun. Da kann und soll einfach kein hochwertiges Instrument eingesetzt werden. Alles was scheppert und klappert, bekomme ich in den Griff, kein Thema. Der Bass wird eh elektrisch abgenommen, weshalb sein unverstärkter Klang absolut zweitrangig ist. Obendrein werden wir ihn nach unserem Gusto lackieren, was ihm ebenfalls einiges an Klang rauben wird. Egal. Er soll´s einfach nur aushalten. Ja. Der vollmassive Bass hatte Charme, Volumen, Sustain und war stimmstabil. Aber für Rockabilly war er ungeeignet und hätte sich wohl eher in einem Orchester wohl gefühlt (wo er jetzt nach seiner Reparatur durch den Käufer im Einsatz ist).

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