Harsh Vocals lernen: Was passiert in den ersten Unterrichtsstunden?

Es klopft an der Tür meiner Harsh Vocal School. Eine neue Schülerin betritt den Raum – ihre erste Unterrichtsstunde. Wir stellen uns vor, machen ein kleines Warm-up und dann geht es los. Wir wollen screamen, growlen, shouten. Dann die Erkenntnis: Es knattert, es quietscht, die Stimme reißt ab und bleibt ansonsten einfach klar. Harsh Vocals zu lernen, bedeutet, noch einmal ganz von vorne anzufangen – selbst, wenn man schon gut singen kann. Es braucht viel Zeit und ein ganz anderes Denken, bis man die Kontrolle über die neuen Gesangssounds hat. Hier erfahrt ihr, wie der Unterricht bei mir in der Harsh Vocal School abläuft.

Harsh Vocal School

Warum beginnt der Harsh-Vocal-Unterricht anders als beim Klargesang?

Seit über zehn Jahren unterrichte ich Harsh Vocals. Wenn ich nicht mit meiner Band Hiraes unterwegs bin, arbeite ich täglich mit sechs bis acht Schüler*innen – sowohl online als auch in Präsenz. Einige haben noch gar keine Gesangserfahrung, andere sind stimmlich bereits etwas vorgebildet, wenn sie zur ersten Unterrichtsstunde kommen.

In den ersten Stunden sind wir dann damit beschäftigt, das Instrument überhaupt erst einmal zu bauen. Viele können am Anfang noch keine kontrollierten, verzerrten Stimmsounds erzeugen. Statt Growls oder Screams stehen deshalb zunächst Knattern, Quietschen und andere ungewohnte Geräusche auf dem Stundenplan. Erst wenn diese Bewegungsmuster zuverlässig funktionieren, können wir weitermachen. Der Unterschied zum Klargesang ist, dass man in der ersten Unterrichtsstunde bereits grundsätzlich Töne erzeugen kann. Wahrscheinlich klingen sie noch nicht so gut und vielleicht kann man den Ton noch nicht halten oder treffen. Die meisten Menschen haben bei ihrer ersten Gesangsstunde jedoch kein Problem damit, einen Ton in ihrer Sprechtonlage zu erzeugen. Das ist bei den Harsh Vocals ganz anders.

Pi mal Daumen würde ich sagen, dass es circa sechs bis zwölf Monate Training braucht, bis der Einstieg geschafft ist und wir so weit fortgeschritten sind. Natürlich geht es bei der einen schneller und dauert beim anderen etwas länger. Bis wir aber eine grundlegende Basis aufgebaut haben, mit der wir alle Vokale artikulieren und Worte formulieren können braucht es einfach eine gewisse Zeit. Und auch, bis wir eine Technik so weit ökonomisiert haben, dass wir einen Song strategisch erarbeiten können, dauert es.

Was können Anfänger und erfahrene Sängerinnen erwarten?

Wer keine Gesangserfahrung hat, kommt meistens gar nicht so großen Erwartungen in den Unterricht. Bei Sängerinnen und Sängern, die schon viel Erfahrung haben, ist das anders. Da höre ich oft: „Ich singe doch schon seit zehn Jahren, das müsste doch viel schneller gehen.“ Na klar, es ist sicher von Vorteil, wenn man das Instrument Stimme schon besser kennt und sich im eigenen Körper musikalisch gut zurechtfindet. Auf der anderen Seite müssen gerade sehr erfahrene Sänger*innen mit dem Instrument, das sie über Jahre perfektioniert haben, plötzlich ganz anders arbeiten. Das macht es oft nicht leicht.

Das Ziel der ersten Wochen und Monate ist bei den Harsh Vocals also gar nicht unbedingt, gut zu klingen. Viel wichtiger ist es, Techniken zuverlässig abrufen und wieder verlassen zu können, ökonomischer zu screamen und damit die Grundlage für alles zu schaffen, was später kommt.

Wie laufen die ersten Unterrichtsstunden für extreme Vocals typischerweise ab?

In den ersten Stunden verbringen wir viel Zeit damit, Geräusche zu machen, die man außerhalb des Unterrichts vermutlich gar nicht freiwillig provozieren würde. Dazu gehören auch alberne Imitationen, mit denen wir uns spielerisch an die Klänge herantasten. Manchmal fühlt sich das eher nach Stimmexperiment als nach Gesangsunterricht an – aber genau darum geht es letztlich. Wir wollen noch nicht den perfekten Sound, den brutalsten Growl oder den schneidenden Fry Scream erlernen. Wir wollen vielmehr herausfinden, welche Möglichkeiten die eigene Stimme bietet und wie wir daraus Schritt für Schritt ein stabiles Instrument aufbauen. Die anatomischen Erklärungen helfen uns dabei, besser zu verstehen, was dabei eigentlich passiert.

Welche Fehler machen Anfänger beim Screamen?

Zu den häufigsten Fehlern am Anfang zählen vor allem ein unausgewogenes Verhältnis zwischen der Einstellung im Hals und dem Druck aus der Atemführung, ein unkontrolliertes Pressen in die Stimme, die Annahme, Growls und Screams müssten unfassbar laut sein, sowie der Versuch, fehlende Koordination durch Kraft zu ersetzen. In meiner Rolle als Coach korrigiere ich dabei aber gar nicht jeden Fehler sofort bis ins Detail. Mir ist es wichtiger, dass meine Schüler*innen ihren eigenen Weg finden. Ich versuche, sie davon abzubringen, sich mit den vermeintlich perfekten Sänger*innen da draußen zu vergleichen und ermutige sie stattdessen dazu, auch mal Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Welche Rolle spielt ein Harsh-Vocal-Coach?

Ich möchte meine Schüler*innen Schritt für Schritt zu kleinen Coaches ihrer eigenen Stimme machen. Sie sollen verstehen, was sie tun, warum sie es tun und wie sie ihre Technik selbstständig weiterentwickeln können. Dazu gehören praktische Übungen genauso wie das anatomische Wissen über die Stimme. Je geduldiger wir beim Einstieg sind, desto stabiler wird das Fundament, auf dem später ökonomische, kontrollierte und ausdrucksstarke Harsh Vocals aufbauen.

FAQ

Wie laufen die ersten Harsh-Vocal-Stunden ab?
Am Anfang stehen Warm-ups, Stimmexperimente und ungewohnte Geräusche wie Knattern oder Quietschen. Ziel ist zunächst, neue Bewegungsmuster für Screams und Growls zu entdecken.

Warum sind Harsh Vocals schwieriger als Klargesang?
Beim Klargesang kann fast jeder sofort Töne erzeugen. Für Harsh Vocals müssen Atmung, Hals und Stimmkoordination neu aufeinander abgestimmt werden.

Wie lange dauert es, Harsh Vocals zu lernen?
Für eine erste stabile Grundlage brauchen viele Sänger*innen etwa sechs bis zwölf Monate regelmäßiges Training. Das individuelle Tempo hängt von Erfahrung, Übung und Körpergefühl ab.

Können erfahrene Sänger schneller screamen lernen?
Gesangserfahrung hilft beim Körpergefühl und beim Verständnis für Stimme. Dennoch müssen auch geübte Sänger*innen neue Techniken und Bewegungsmuster von Grund auf lernen.

Welche Fehler machen Anfänger beim Screamen?
Häufig sind zu viel Druck, Pressen, zu lautes Singen und der Versuch, fehlende Koordination durch Kraft auszugleichen. Kontrollierte, ökonomische Technik ist wichtiger als Lautstärke.

Hot or Not
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Screamen, growlen, shouten. Es dauert einige Zeit, bis die neuen Gesangssounds richtig gelernt werden.

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