Fracture Sounds Trails II TEST

Fracture Sounds Trails II verbindet organische Resonanzen aus Orchester und Sounddesign zu einer speziellen Library. Mit diesem Release führt Fracture Sounds die Zusammenarbeit mit dem britischen Komponisten Alexander Parsons fort und setzt entgegen aktueller Trends bewusst auf Charakter statt auf Masse. Parsons ist bekannt für seinen experimentierfreudigen Umgang mit akustischen Klangquellen. Subtile Klänge, räumliche Präsenz und natürlich organische Texturen sind ihm lieber als explosive Hybrid-Effekte.

review test trails 2
Der britische Komponist Alexander Parsons hat erneut mit Fracture Sounds kooperiert: Trails II ist ein spezielles Konzept mit Aufnahmen musikalischer Resonanzen.

In diesem Kurztest finden wir heraus, ob Trails II wirklich ein Nischenprodukt ist oder auch für eine breitere Zielgruppe im Bereich Ambient, Cinematic und Neoklassik interessant sein könnte. Wie bei vielen Kontakt-basierten Instrumenten gibt es auch für Trails II keine Demo-Version. Über die kostenfreie Blueprint-Serie könnt ihr euch aber ein gutes Bild von der Produktqualität des Herstellers machen.

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • Exklusives Resonanzkonzept
  • Perfekte Balance zwischen Instrument und Design
  • Musikalische Granular Engine
  • Atmosphere-Layer
  • Intuitive Bedienung
Contra
  • Wenig klassische Artikulationen

Fracture Sounds Trails 2 Highlights

  • Die Library Trails 2 basiert auf musikalischen Resonanzen, einem Konzept von Alexander Parsons.
  • Bläser und Synthesizer liefern experimentellere Sounds, die stets musikalisch bleiben.
  • Die warmen, organischen Pads und Texturen sind ebenso gelungen wie die homogene Mischung aus Instrumenten und Sounddesign.

DETAILS & PRAXIS

Fracture Sounds Trails II – Aufnahmen mit natürlichen Resonanzen

Die Samples von Trails II sind speziell: Alle Quellen wurden über Resonanzkörper aufgenommen und anschließend mit mehreren Mikrofonpositionen, Atmosphere-Layern und einer erweiterten Granular-Engine kombiniert. Herausgekommen ist keine klassische Instrumentensammlung, sondern ein kreativ nutzbarer Soundpool für akustische, experimentelle, ambiente und orchestrale Klangwelten.

LAYER
Trails II schaut wie ein typisches Instrument von Fracture Sounds aus – inklusive Layer/Atmosphere.

Aufgezeichnet hat man für diese Library Trompete, Bassklarinette, Saxofon, analoge Synthesizer, Gongs, Cymbals und das gestimmte Percussion-Instrument Canna Sonora. Dabei kamen unterschiedliche Mikrofonmischungen zum Einsatz: Close liefert beispielswiese akustisch definierte Instrumente, während Room den Klang öffnet, Kontaktmikrofone die metallischen Resonanzen betonen und Effektsignale für cineastische Breite sorgen.

Acht Kontakt-Instrumente – zum Spielen und Experimentieren 

Fracture Sounds Trails II umfasst insgesamt acht virtuelle Instrumente. Das sind vier Textures: Solo Trumpet, Solo Bass Clarinet, Synth und Solo Saxophone. Sie integrieren bis zu acht Variationen beziehungsweise Artikulationen, die sich per Keyswitch wechseln lassen. Dazu gehören etwa Flickers, Trills, Bloom, Reflections oder Breathy Shorts. Egal ob man Trompete, Klarinette oder Saxophon anspielt: Die Instrumente fühlen sich natürlich an und laden zum Herumspielen mit den Klängen ein – von experimentellen Anleihen ist kaum etwas zu spüren.

PRESETS
Trails II ist eine Kollektion aus acht einzelnen Kontakt-Instrumenten und über 80 Presets.

Canna Sonora und Metallic Percussion mit Cymbals, Waterphone oder Gong versprühen sofort ein meditatives Flair. Dabei bleiben die Klänge angenehm zurückhaltend und wirken nie aufdringlich. Die beiden letzten Kontakt-Instrumente Layer Blends und Granular gehen einen Schritt weiter und bieten zusätzliche Möglichkeiten fürs Sounddesign, wobei sich die allermeisten Parameter von selbst erklären.

Layer Blends und Granular Engine – die Kreativwerkzeuge von Trails II

Nicht allein das Konzept der metallischen Resonanzen und die Aufnahme mit Kontaktmikrofonen für ungewöhnliche akustische Perspektiven machen Trails II einzigartig. Auch die Layering- und Granular-Engine eröffnet neugierigen Producern spannende Möglichkeiten zur Soundgestaltung.

LAYER
Morphing leicht gemacht: Layer Blends ist ein nützliches Tool.

Layer Blends arbeitet mit drei Layern, die sich im Stack- oder XFade-Mode per Modulationsrad steuern lassen. Für jeden Layer stehen praktisch alle Instrumente und Soundquellen von Trails II zur Verfügung. Hier braucht man definitiv nicht lange, bis man seine Favoriten gefunden und ein bezauberndes Morphing kreiert hat.

Ähnlich spielerisch funktioniert die Granular Engine. Allein durch das Auswechseln einzelner Soundquellen lässt sie neue Klangfarben entstehen. Im Gegensatz zu vielen granularbasierten Plugins wirkt Trails II nicht futuristisch oder aufdringlich, sondern besticht durch klangliche Bodenhaftung.

Fracture Sounds Trails II: Granular.
Fracture Sounds Trails II enthält eine der musikalischsten Granular-Engines.

Trails II: ein Dutzend Presets im Klangcheck

Trails II enthält in der aktuellen Version 84 Presets. Die meisten dieser Vorlagen inspirieren zwar durchaus, doch geht man bei dieser Library bald zum eigenen Sounddesign über – bei der übersichtlichen Bedienoberfläche von Trails II macht das nämlich echt Spaß.

Audio Samples
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Stellar Core Organs at Sea Ion Wake Postcards Migration BoyzChoir Breath Work Molecular Drift Deep Reflections Oscillations Ferrous Shimmers My Dreams

Klanglich hinterlässt Trails II einen hervorragenden Eindruck. Die Resonanzaufnahmen erzeugen in Kombination mit der Granular-Engine ständig wechselnde Obertonstrukturen. Selbst lang gehaltene Akkorde wirken nie statisch. Das Klangbild bleibt permanent in Bewegung – mal mit feinen, kaum wahrnehmbaren Nuancen, mal mit deutlicheren Veränderungen. Hinzu kommen natürliche, hochwertige Klangfarben, die dem Instrument eine organische und lebendige Ausstrahlung verleihen.

An den zwölf Demos könnt ihr erkennen, dass Trails II keinesfalls mit konstruierten oder komplexen Sounds nervt, sondern ästhetische Klänge liefert, die ihr sehr gut auf dem Controller-Keyboard performen könnt. Und außerdem gut zu hören: Trails II ist in der täglichen Praxis viel universeller einsetzbar, als man zunächst vermutet.

Trails versus Trails II – wo liegen die Unterschiede?

Fracture Sounds beschreibt die beiden Libraries als „Evocative Soundscapes“ (Trails) und „Resonating Toolkit“ (Trails II) – und macht damit bereits deutlich, dass beide Instrumente unterschiedliche konzeptionelle Ansätze verfolgen. Trails II versteht sich nicht als bloße Fortsetzung, sondern setzt eigene Schwerpunkte. Während das erste Trails vor allem von sanften, emotionalen Streicherklängen geprägt ist, rücken in Trails II neben Bläsern und Synthesizern vor allem metallische Resonanzen und schwingende Klangkörper in den Fokus. Die neue Library bietet einen größeren Dynamikumfang, wirkt offener und räumlicher und eignet sich dadurch auch als tragendes Element einer Komposition.

Fracture Sounds Trails II: Trails.
Allein Instrumentenauswahl von Trails ist anders – hier das Faulkner Dulcichord.

Wer den warmen, organischen Sound von Fracture Sounds schätzt, findet im Trails Bundle ein attraktives Gesamtpaket. Bleibt nur noch ein Wunsch offen: ein mögliches Trails III, das den charakteristischen Ansatz auf Klaviere und andere Tasteninstrumente überträgt – dann wäre die Trails-Reihe nahezu komplett. Fracture Sounds hat gerade in diesem Bereich viel Erfahrung, wie der Fracture Sounds Pianos Test zeigt.

Fracture Sounds Trails II – gibt es Alternativen?

Der Markt für Cinematic- und Ambient-Libraries ist inzwischen ziemliclh groß, weshalb sich ein Blick auf mögliche Alternativen lohnt. Mit Aslight stellt Native Instruments ein Instrument bereit, das den Fokus deutlich auf Granular-Sounddesign legt. Trails II verfolgt dagegen einen organischeren Ansatz und überzeugt mit natürlichen Resonanzen und authentischen Klangtexturen.

Fracture Sounds Trails II: Alternativen.
NI Ashlight und andere Instrumente bieten ebenso granulare Synthese, haben aber einen anderen Soundcharakter.

Slate+Ash Cycles richtet seinen Schwerpunkt auf rhythmische Strukturen und bewegte Klangverläufe, während Trails II eher auf ruhige, emotionale Passagen und weitläufige Klanglandschaften ausgerichtet ist. Orchestral Tools Time Macro setzt wiederum auf deutlich größere klangliche Dimensionen – ein Ansatz, der sich klar von der intimeren Klangästhetik von Trails II unterscheidet.

Natürlich könnten wir hier noch jede Menge weiterer Libraries zum Vergleich heranziehen. Letztlich handelt es sich dabei aber weniger um direkte Konkurrenten als um unterschiedliche Werkzeuge mit eigener klanglicher Ausrichtung. Trails II punktet mit seinem musikalisch fokussierten Konzept und den warmen, natürlichen Klanglandschaften, die sich vielseitig in moderne Film-, Ambient- und Neoklassik-Produktionen integrieren lassen.

FAZIT

Fracture Sounds Trails II ist kein universelles Orchester-Tool, sondern ein Spezialist für ausdrucksstarke Resonanzaufnahmen. Seine charaktervollen Texturen und schwebenden Klangflächen eignen sich hervorragend für moderne Filmmusik, Ambient-Produktionen oder atmosphärische Game-Scores. Dabei überzeugt das Instrument bereits ohne aufwendige Nachbearbeitung: Trails II liefert dichte, inspirierende Sounds, die akustische Natürlichkeit mit kreativem Sounddesign gekonnt verbinden. Die klar strukturierte Benutzeroberfläche sorgt zudem dafür, dass sich individuelle Klangvarianten schnell und intuitiv erstellen lassen.

Trotz seines klar fokussierten Konzepts erweist sich Fracture Sounds Trails II als vielseitige Klangquelle für organische Texturen und atmosphärische Flächen in cineastischen oder neoklassischen Produktionen. Als Ergänzung zu klassischen Orchester-Libraries erweitert das Instrument das klangliche Spektrum um ausdrucksstarke, inspirierende Klangfarben und empfiehlt sich damit als Bereicherung für moderne Kompositionen.

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