Heute werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Vertreter der Slaptechnik auf dem E-Bass. Ohne diese Bassisten wäre das moderne Slap-Bassspiel ganz sicher nicht das, was es heute ist. Einige Namen auf dieser Liste sind sehr offensichtlich, andere wiederum mögen überraschen, haben unserer Meinung nach aber ihren Platz verdient. Die Kriterien für unsere Auswahl richten sich nämlich danach, ob jemand etwas Neues zur Slaptechnik beigetragen und diese damit auf ein neues Level gehoben hat. Kreativität und Innovation stehen also im Vordergrund und weniger die individuellen technischen Fähigkeiten.

(Bild: Henryk Kotovski / Alamy Stock Foto)
Larry Graham
An erster Stelle dieses Artikels muss – natürlich – ganz klar Larry Graham stehen! Graham gilt gemeinhin als Erfinder der Slaptechnik, die aus einer Notlage heraus entstand: Larry Graham spielte Gitarre im Trio mit seiner Mutter an der Orgel sowie einem Drummer. Als die Fußpedale der Orgel eines Tages kaputtgingen, musste Larry notgedrungen zum Bass wechseln, um für die tiefen Töne zu sorgen.
Als obendrein noch der Schlagzeuger nicht zum Gig erschien, war Larry gezwungen, Bass und Drums gleichzeitig zu simulieren. Dafür schlug er in der Art eines „tonalen Drumkits“ die tiefen Saiten mit den Daumen an, um Bassline und Bassdrum zu kombinieren. Für den Schlag auf die Snare riss er die hohen Saiten mit dem Zeigefinger an. Dead Notes ersetzten die HiHat – fertig war die grundlegende Slaptechnik, welche Larry noch mit zahlreichen Artikulationen wie Slides, Hammer-Ons, Pull-Offs etc. garnierte.
Kurze Zeit später stieg Larry bei der bereits populären Band Sly & The Family Stone ein, was landesweite TV- und Radio-Präsenz zur Folge hatte. Durch diese mediale Verbreitung konnte die SLaptechnik ihren Siegeszug antreten – Larry hatte nicht weniger als eine Revolution losgetreten!
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Stanley Clarke
Nachdem Larry Graham bei Sly &The Family Stone eingestiegen und die Slaptechnik eine entsprechende mediale Verbreitung erhalten hatte, wurde die neue Bass-Spieltechnik im Handumdrehen populärer. Zudem überschritt sie die Grenzen zu anderen Genres. Ein gewisser Stanley Clarke spielte zu dieser Zeit in der Fusion-Band Return To Forever und führte dort die Technik dort zu neuen Höhen, indem er sie ausgesprochen virtuos einsetzte und mit weiteren Techniken wie dem Strumming kombinierte.
Mit seinem Soloalbum „School Days“ von 1976 machte er sich in Sachen Slaptechnik unsterblich. Neu war darüber hinaus der „aktive“ und super transparente Klang von Stanleys edlen Alembic-Bässen, welche dem Slapping ein neues Soundideal verpassten.
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Louis Johnson
Auch der junge Louis Johnson war schwer verliebt in die neue Slaptechnik. Zusammen mit seinem Bruder George wurde er von der Produzenten-Legende Quincy Jones 1975 für die Recordings eines seiner Alben engagiert.
Jones ermutigte die beiden Musiker, ihre eigene Band zu gründen. Diese hieß – wie sollte es anders sein – „The Brothers Johnson“, und schon auf ihren Debütalben zeigte Louis, warum er den Spitznamen “Thunder Thumbs“ trug. Louis’ Beitrag zur Slaptechnik bestand vor allem in seiner unbändigen Energie und Spielfreude.
Den großen Durchbruch in der Szene schaffte Louis dann kurz darauf durch seine Kooperation mit Michael Jackson auf dessen Alben „Off The Wall“ und „Thriller“, auf denen es ebenfalls einige Slap-Basslines zu hören gibt. Eng mit Louis’ Sound verbunden ist der damals brandneue Music Man Stingray Bass, der mit seiner Aktiv-Elektronik, dem kraftvollen Humbucker und Roundwound-Saiten Louis’ Stil perfekt unterstützte.
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Marcus Miller
Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre machte ein junger aufstrebender Bassist namens Marcus Miller mit seinem geschmackvollen Spiel und einem wahrlich einzigartigen Ton auf sich aufmerksam. Es sollte nicht lange dauern, bis Marcus Größen wie Luther Vandross, Roberta Fleck und David Sanborn zu seinen Auftraggebern zählte. Nicht allzu viel später wurde auch Jazz-Legende Miles Davis auf ihn aufmerksam und engagierte Marcus Miller für mehrere Alben und Tourneen.
Im Anschluss daran konzentrierte sich Marcus Miller auf seine Solokarriere und veröffentlichte bis heute 13 Soloslben, die immensen Einfluss auf die Basswelt hatten und nach wie vor haben. Marcus’ Ansatz zur Slaptechnik war abermals ein ganz neuer: Slapping wurde gewissermaßen zu Marcus’ eigener Stimme – er spielt damit gleichermaßen Grooves wie auch Melodien und ganze Soli. Sein von Roger Sadowsky mithilfe einer aktiven Onboard-Elektronik aufgemotzter Fender Jazz Bass wurde somit ganz nebenbei zum „Goldstandard“ eines guten Slapsounds.
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Mark King
Die europäische Antwort auf die US-amerikanischen Slap-Helden ließ nicht lange auf sich warten. Sie hieß: Mark King! Aufgrund von Marks musikalischer Vorgeschichte als Drummer besaß sein Stil von Anfang an eine enorm perkussive Note – vor allem Dead Notes mit der linken Hand (Left Hand Slaps) waren sein Markenzeichen. Zudem konnte (bzw. kann) er in hohem Tempo und mit ebenso unglaublicher Präzision Slapgrooves und Soli abfeuern.
Mit seiner Band Level 42, bei der er auch Frontman und Leadsänger ist, durchlief er zunächst eine wilde experimentelle Phase, um schließlich mit Pop-Hits wie „Lessons In Love“ oder „Running In The Family“ weltweite Popularität zu erlangen.
▶ In diesem Artikel gibt es einen tiefen Einblick in Marks Spiel.
Victor Wooten
Als man in den 80er-Jahren mit Protagonisten wie Mark King, Stuart Hamm, Marcus Miller etc. dachte, die Slaptechnik wäre an ihrem Höhepunkt angekommen, änderte ein Mann alles: Victor Wooten! Für Aufsehen sorgte „Victa“ zunächst in der Band des amerikanischen Banjo-Virtuosen Bela Fleck. Als er jedoch 1996 sein Soloalbum „A Show Of Hands“ veröffentlichte, wurde deutlich, dass sich der E-Bass schlagartig in einer neuen Zeitrechnung befand.
Zum ersten Mal so richtig bestaunen konnte man dann Victors unglaubliche Fähigkeiten auf der VHS-Kassette „Victor Wooten Live At Bassday 1998“, welche Heerschaaren von Bassistinnen und Bassisten gleichermaßen erstaunt wie frustriert zurückließ. Victor erweiterte die Slaptechnik um zahlreiche Komponenten wie Double Thumbing, Double Pluck, Open Hammer Pluck etc. Wie Marcus Miller benutzt er die Slaptechnik als seine Stimme, spielte dabei aber stets enorm groovy und ausgesprochen musikalisch.
▶ Mehr Infos zu Victor Wooten gibt es hier.
Les Claypool
Les Claypool ist so etwas wie der „verrückte Onkel“ der Slaptechnik. Mit seiner Hauptband Primus macht er Musik, die irgendwo im Niemandsland zwischen Punk, Funk und Avantgarde liegt. Dabei nutzt er gerne und ausführlich die Slaptechnik – stets jedoch auf seine ureigene Art und Weise, in dem er sie mit Flamenco-Strumming, Double Stops, Akkorden und abgefahrenen harmonischen Ansätzen kombiniert.
Seine Individualität zeigt sich darüber hinaus bei der Wahl seiner Instrumente, die von mehreren Modellen des Herstellers Carl Thompson über seinen Pachyderm-Bass (gebaut von Dan Maloney) bis hin zu seinem Badewannen-Bass reicht. Auch sein eher mittenlastig-bissiger Sound hebt sich stark von dem ab, was man von Slap-Bassisten bis dato kannte.
▶ Hier gibt es einen weiteren Artikel über Les Claypool und seine besten Basslines.
Prince
Wie bitte, Prince? Ja, genau! Popstar Prince (R.I.P.) ist sicherlich alles andere als eine offensichtliche Wahl bei Namen für eine Liste der besten Slap-Bassisten. Meiner Meinung nach hat er diesen Platz aber dennoch verdient: Vor allem auf seinen frühen Alben spielte Prince in der Regel sämtliche Instrumente selbst – natürlich auch den Bass! Dabei zeigte er bei etlichen Klassikern wie „Pop Life“, „D.M.S.R.“, „Let’s Work“ und vielen anderen, wie man die Slaptechnik überaus geschmackvoll und musikalisch in Funk- und Popsongs einsetzt.
Vor allem die Interaktion zwischen Bass und Drums war bei Prince immer der alles entscheidende Aspekt: Prince war ein wahrer Meister darin, die beiden Instrumente so zu verzahnen, dass seine Grooves enorm luftig bleiben und dabei super funky klingen – auch wenn sein Spiel in Sachen Virtuosität natürlich am anderen Ende des Spektrums liegt als z. B. ein Victor Wooten.
▶ In diesem Artikel zeigen wir dir die besten Basslines von Prince.
Andrew Gouché
Andrew Gouché ist so etwas wie der Vater des modernen Gospel-Bassspiels. Seit den 80er-Jahren prägt Andrew mit seinem einzigartigen Spiel die zeitgenössische Gospelmusik, in welcher der Bass eine wesentliche rhythmische wie auch melodische Rolle spielt und viel Freiraum erhält. Viele seiner Basslines spielt Andrew mit der Slaptechnik, die er höchst musikalisch und nie als Gimmick einsetzt.
Auch in Sachen „Sound“ war und ist Andrew ein Pionier: Unter anderem mit seinen 5- und 6-Saitern von Michael Tobias ging er ganz gehörig mit dem Vintage-Trend ins Gericht und etablierte moderne mehrsaitigen Bässe als neuen Standard im zeitgemäßen Gospel mit seiner typischen Mischung aus Blues, Funk und R&B.
Flea
Paradiesvogel Flea von den Red Hot Chili Peppers war Anfang / Mitte der 80er-Jahre einer der ersten Bassisten, der die Slaptechnik in einen Rock-Punk-Kontext salonfähig machte. Mit unbändiger Energie und einer gehörigen Portion Dreck prügelt Flea die Noten geradezu aus seinem Bass.
Auf diese Weise infizierte er auch unzählige Rock-Bassleute mit der Slaptechnik, die sonst vermutlich darüber die Nase gerümpft hätten. Dabei hat er seinen ganz eigenen Stil, indem er seinen Daumen im 90°-Winkel zu den Saiten hält und über den Tonabnehmern anschlägt. Daraus resultiert ein gänzlich anderer Sound, der deutlich rauer und brutaler wirkt.
▶ Wer einen wahren Slapklassiker von Flea lernen möchte, wird hier fündig.
“Aber da fehlt doch noch …”
Wissen wir, wissen wir – wie jedes Mal fehlen auch dieses Mal wieder in unserer Liste zahlreiche illustre Namen, welche die oder der eine oder andere unbedingt erwartet. Hier und heute ging es uns jedoch um Kandidaten, welche die Slaptechnik im Speziellen um einen neuen Aspekt erweitert haben. Dennoch gibt es natürlich noch mehr als nur ein paar Namen, die sicher auch als heiße Kandidaten hätten gehandelt werden können: Stuart Hamm, TM Stevens, Vail Johnson, Ray Riendau, Freddie Washington, Nate Phillips, Bill Dickens, Doug Wimbish und viele weitere.
Wir wünschen viel Spaß mit unserer Liste und bis zum nächsten Mal!
Thomas Meinlschmidt





























Nick sagt:
#1 - 23.09.2026 um 16:24 Uhr
Aber Laboriel ist sicher noch zu erwähnen