Rick Beato interviewte Billy Joel, der seine Kompositionsweise und musikalischen Einflüsse erläuterte und am Flügel musikalisch untermauert. Das Video ist ein echtes Muss für Musikerinnen und Musiker!

Rick Beato Interviewt Billy Joel!
Am 14. Juli veröffentlichte Rick Beato auf seinem YouTube-Kanal ein rund einstündiges Interview mit der Songwriter-Legende Billy Joel. Er zählt zweifellos zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten populärer Musik. Seine Songs zeichnen sich durch ein Zusammenspiel aus eingängigen Melodien, anspruchsvollen Harmonien, ausgeprägter Dynamik und abwechslungsreichen Rhythmen aus und gehen damit weit über die Strukturen durchschnittlicher Popsongs hinaus.
Dieses Video ist wirklich aussergewöhnlich, denn Billy Joel stellt sehr genau seine Arbeitsweise vor. Er erklärt dies auf bemerkenswert unaufgeregte Weise, indem er schlicht seinen kreativen Prozess und Einflüsse aufzeigt. Am Flügel führt er praktisch vor, wie die Kompositionen funktionieren, welche musikalischen Ideen dahinterstecken und von welchen Werken oder musiktheoretischen Konzepten sie beeinflusst wurden.
Rick Beato hat sich nachträglich dazu entschieden, das Klavierspiel von Billy Joel mit Originalaufnahmen zu unterlegen. Es ist schon bemerkenswert, wie präzise das Spiel von Billy Joel ist und die Improvisationen in der Interview-Situation sich so einfach mit den Originalaufnahmen synchronisieren lassen. Achtet darauf!
Klassische Musik und Musiktheorie
Das erste Stück, das im Interview erklingt, stammt allerdings nicht von Billy Joel. Stattdessen spielt er den Beginn von Beethovens 6. Sinfonie. Damit unterstreicht er unmittelbar, welchen Stellenwert klassische Musik für seine musikalische Entwicklung besitzt. Besonders interessant ist dabei seine Aussage, dass er sich klassische Werke überwiegend nach Gehör beibringt, weil er das Lesen von Noten nie besonders mochte. Auußerdem hebt er den Einfluss von Jazzpianisten und Jazz auf seine musikalische Entwicklung hervor.

Er spricht über die Wirkung von Dissonanzen, Vorhalten (Suspensions) und ungewöhnlichen Akkorden. Er erklärt, wie bestimmte Harmonien unterschiedliche Stimmungen erzeugen können. Immer wieder demonstriert er diese Zusammenhänge anhand seiner eigenen Songs und erläutert musiktheoretische Grundlagen wie die Wirkung von Quinten und Intervallen sowie den Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung.
Auch Kontraste wie laut und leise oder schnell und langsam spielen für ihn eine entscheidende Rolle. Aus seiner Sicht entsteht musikalische Spannung vor allem durch Dynamik und Abwechslung, denn Musik bleibt nur dann interessant, wenn sie sich nicht ständig wiederholt. Besonders ausführlich spricht Joel über die Bedeutung von Quinten und Dezimen. Diese verleihen Akkordfolgen nach seiner Auffassung deutlich mehr Fülle und Resonanz als einfache Oktaven und tragen wesentlich zum charakteristischen Klang vieler seiner Kompositionen bei.
Zuerst die Melodie und dann der Text
Billy Joel komponiert seine Lieder, indem er zuerst die Melodie schreibt und erst dann den Text anpasst. Keith Richards bezeichnet diese Arbeitsweise als „Vowel Movements“. Die Klangfarbe der Vokale und die Singbarkeit der Wörter sind wichtiger als ihre eigentliche Bedeutung. Er trägt humorvoll frühere Platzhaltertexte vor, die mit der späteren Aussage des Songs nichts gemeinsam haben.

Kompositionen für Venues
Rick Beato stellt die These auf, dass Musiker mit zunehmendem Erfolg ihre Kompositionstechnik verändern, weil unterschiedliche Aufführungsorte unterschiedliche Songs erfordern. Billy Joel stimmt dem zu. So sei einer seiner größten Erfolge, „Piano Man“, ursprünglich für kleine Clubs geschrieben worden. Mit wachsendem Erfolg habe er jedoch bewusst größere und kraftvollere Songs komponiert, die auch in Arenen funktionieren.
Band und Aufnahmetechniken
Joel erklärt den Unterschied zwischen Studiomusikern und einer festen Band und betont die Bedeutung der richtigen Chemie mit der eigenen Band, die auch im Studio wollte. Sein Produzent Phil Ramone setze dieses Konzept um. Er war ein Meister der Mikrophonierung und bewahrte den Live-Charakter der Aufnahmen, da er z.B. Joels Gesang und Klavier gleichzeitig aufnahm und das Übersprechen der Mikrofone Teil des Sounds wurde.
Warum komponiert Billy Joel keine Songs mehr?
„River of Dreams“ (1993) blieb Billy Joels letztes reguläres Studioalbum. Er wollte sich nicht mehr dem Druck aussetzen, ständig neue Songs schreiben und sich immer wieder neu erfinden zu müssen. Mit zunehmender Erfahrung wurde ihm dieser Prozess schwerer. Deshalb beendete er dieses Kapitel, widmete sich der Komposition klassischer Klavierwerke und konzentrierte sich fortan auf seine Live-Karriere.
Fazit
Billy Joel vermittelt im Interview nicht nur spannende Einblicke in seine Arbeitsweise, sondern zeigt auch auf verständliche und praxisnahe Weise, wie Songs entstehen. Das Gespräch ist weit mehr als ein gewöhnliches Künstlerinterview. Es ist eine Lehrstunde über Komposition, Harmonie, Melodie und musikalisches Denken.
Wer mehr über das Leben von Billy Joel erfahren möchte, sollte die Dokumentation über sein Leben ansehen.
Links
Das Billy Joel Interview von Rick Beato auf Youtube























