Allen & Heath SQ5+ Test: Wer in den letzten Jahren im Bereich der kompakten Digitalmischpulte unterwegs war, kam an einer Serie kaum vorbei: der SQ-Reihe von Allen & Heath. Vor allem das SQ5 mauserte sich zum Verkaufsschlager der Briten für Verleiher, tourende Bands und Festinstallateure. Doch die Anforderungen im modernen Live- und Studio-Alltag wachsen unaufhaltsam – mehr In-Ear-Wege, größere digitale Netzwerke und der Wunsch nach High-End-Effekten ohne zusätzliche Latenz stehen ganz oben auf der Wunschliste der Tech-Welt.
Genau hier setzen die britischen Audiospezialisten an und präsentieren mit dem Allen & Heath SQ5+ den direkten Nachfolger des Erfolgsgaranten. Das Plus im Namen verspricht dabei nicht zu viel: Eine aufgestockte Bus-Architektur, eine massiv erweiterte SLink-Schnittstelle für digitale Stageboxen und die native Einbindung der rechenintensiven RackUltra-FX-Plattform sollen das Kompaktpult gefährlich nahe an die hauseigene, größere Avantis-Klasse heranrücken. Und das alles für einen relativ Budget-freundlichen Preis von 3599 Euro.
Ob das SQ5+ die hohen Erwartungen erfüllt, wo die inneren und äußeren Unterschiede zum Vorgänger liegen. Ob Allen & Heath abliefert, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

- sehr übersichtliche Bedienung
- erweiterte Routing- & Bus-Architektur
- modernisiertes Design
- bewährter Pre-Amp-Klang
- hochauflösende Recordings
- erweiterte, kraftvolle FX-Engines
- kostenloses FX-Bundle Add-on
- robuste Bauweise
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Das Allen & Heath SQ5+ Digitalmischpult basiert auf dem XCVI-Core mit einer Arbeitsfrequenz von 96 kHz sowie einer variablen Bittiefe von bis zu 96 Bit, was eine Latenz von unter 0,7 Millisekunden ermöglichen soll. Das System stellt 48 Input-Processing-Kanäle bereit und verfügt über einen Stereo-Main-Ausgang, zwölf Mono- oder Stereo-Mixe. vier FX-Sends, vier RackUltra-FX-Sends sowie sechs mono- oder koppelbare Matrix-Mixe. Lokal ist die Konsole mit 16 XLR-Eingängen, zwei Stereo-Line-Eingängen, einer dedizierten XLR-Talkback-Buchse, zwölf XLR-Ausgängen, zwei Klinkenausgängen und einem digitalen AES3-Stereo-Ausgang ausgestattet. Für Erweiterungen und Systemverbindungen steht ein SLink-Port mit 128×128 Kanälen zur Verfügung, ergänzt durch einen I/O-Port und einen Stereo-Kopfhörerausgang.
Die Bedienoberfläche setzt sich aus einem kapazitiven 9-Zoll-Touchscreen, 17 motorisierten Fadern mit einer Länge von 100 mm, sechs anpassbaren Channel-Strip-Layern sowie acht frei belegbaren Soft-Keys zusammen. Ergänzend gibt es konfigurierbare Anschlüsse für Fußschalter, anpassbare und eine RJ45-Netzwerkbuchse zur Steuerung. Die Stromversorgung erfolgt über einen Kaltgeräte-Anschluss. Für den Einbau in Standard-Racks ist ein optionales 19-Zoll-Kit erhältlich.

Welche Schnittstellen für Audioübertragungen und Datenspeicherung sind verfügbar?
An Schnittstellen für Audioübertragungen und Datenspeicherung verfügt das Pult über einen USB-A-Port, der Stereoaufnahmen und -wiedergaben bei 48 oder 96 kHz in 24 Bit erlaubt, sowie Mehrkanalaufzeichnungen von wahlweise 16 Kanälen bei 96 kHz oder 32 Kanälen bei 48 kHz unterstützt. Ein zusätzliches USB-B-Audiointerface ermöglicht das native Streaming von 32 Ein- und 32 Ausgängen bei 48 oder 96 kHz mit 16 oder 24 Bit.
Die Signalverarbeitung der Eingangskanäle umfasst Trim, Hochpassfilter, Gate/Expander, parametrischen EQ, Kompressor und ein Channel-Delay. Auf der Ausgangsseite stehen grafischer EQ, parametrischer EQ, Kompressor und ein Delay zur Verfügung, wobei alle Eingangs- und Mix-Kanäle über frei patchbare Insert-Punkte verfügen. Die integrierte Effektsektion bietet acht FX-Engines sowie vier RackUltra-FX-Engines, die jeweils mit dedizierten Stereo-Return-Kanälen und parametrischem EQ ausgestattet sind. Zudem ist ein latenzfreier, integrierter DEEP Automatic Mic Mixer an Bord, der wahlweise als 2×24-Kanal- oder 1×48-Kanal-System betrieben werden kann.
Das Speichermanagement erlaubt die Verwaltung von bis zu 300 Szenen pro Show und bietet Funktionen wie Channel-Safes sowie globale oder szenenspezifische Recall-Filter. Ergänzend stehen dedizierte Bibliotheken für FX, Processing, Channels, User-Berechtigungen und das Input-Patching bereit. Die Benutzerverwaltung erlaubt die Einrichtung von bis zu zehn konfigurierbaren Profilen mit abgestuften Zugriffsrechten. Eine DAW-Steuerung lässt sich via USB umsetzen. Abschließend ist das Mischpult kompatibel mit dem ME-Personal-Monitoring-System von Allen & Heath und lässt sich über kostenlose Remote-Apps für Windows, macOS, iOS und Android fernbedienen.
Was ist im Lieferumfang des Allen & Heath SQ5+
Geliefert wird das SQ5+ ganz klassisch in einem braunen Pappkarton. Dessen Design hält Allen & Heath auch abseits der farblichen Inszenierung minimalistisch: Bedruckt ist er lediglich mit einer großen Abbildung des Mischpults, dem Firmenlogo sowie dem Produktnamen des Geräts.


Auch was den Lieferumfang angeht, halten sich die Briten dezent zurück. Neben dem SQ5+ selbst, das von zwei Styropor-Formteilen sicher im Paket fixiert wird, legt der Hersteller lediglich ein Kaltgerätekabel zur Stromspeisung bei. Eine gedruckte Bedienungsanleitung sucht man im Karton vergebens; Handbücher und Broschüren stehen stattdessen in vollem Umfang auf der Herstellerseite als Download bereit.
Beschaffenheit des SQ5+ von Allen & Heath
Generell macht das SQ5+ einen robusten Eindruck. Das ist auch kein Wunder, schließlich wird die Konsole vor allem für professionelle Tontechniker und FOH-Schaffende produziert – sie muss dem harten Tour-Alltag also problemlos trotzen können. Das Gehäuse selbst ist in einem dunklen Grau gehalten und besteht komplett aus solidem Metall.
Faderkappen und Drehknöpfe wurden aus Kunststoff gefertigt, während Push-Buttons aus Gummi bestehen. Alles in allem sind alle Komponenten so verbaut, dass sie fest an Ort und Stelle sitzen und einen angenehmen, wertigen Widerstand bieten.

Die Front ist klassisch designt
Im Grunde hat sich am bewährten Aufbau der Bedienoberfläche, die die gesamte Front des Mischpults einnimmt, nicht allzu viel geändert. In der unteren Hälfte befinden sich die 17 motorisierten Fader der Konsole, links und rechts flankiert von den Layer- und Mix-Auswahlbuttons. Zudem gibt es hier diverse Taster mit fest zugewiesenen Funktionen wie Copy und Paste. Über jedem Fader sind drei weitere Buttons positioniert, die klassisch für die Funktionen Auswahl, Mute und Solo vorbehalten sind.
Darüber befinden sich die LED-Displays zur Kanalbeschriftung, wo ebenfalls weitere Funktions-Buttons untergebracht sind.


Was hat sich in der Displayregion des Allen & Heath SQ5+ geändert?
Das Display offenbart eine der offensichtlichsten Neuerungen der Konsole: Mit einer Diagonale von 9 Zoll und einer Auflösung von 1024 x600 Pixeln ist es deutlich größer und bietet spürbar mehr Übersicht als die 7-Zoll-Anzeige des Vorgängers (800 x 400 Pixel). Direkt darunter sind die zugehörigen Steuerungsknöpfe des Bildschirms verbaut.
Das haptische User Interface präsentiert sich bei der neuen SQ-Generation deutlich aufgeräumter als beim Vorgängermodell: Hier wurde der ehemals neo-futuristische Stil mit seinen geschwungenen, blauen Outlines gegen ein minimalistisches Design mit klaren, weißen Linien ausgetauscht.

Die physischen Drehknöpfe sind nun nicht mehr silberfarben, sondern schwarz und in geraden Reihen angeordnet – auf die praktischen LED-Kränze muss man glücklicherweise dennoch nicht verzichten. Ähnlich verhält es sich mit den Push-Buttons, die neben dem gewachsenen Display optisch nun wesentlich kleiner wirken. Links vom Bildschirm finden wir weiterhin alle wichtigen Dynamik-Steuerelemente, einen Pan-Regler sowie sechs frei belegbare Soft-Buttons.

Die rechte Seite beherbergt die EQ- und Master-Sektion. Außerdem befinden sich hier ein Master-Drehknopf, der Kopfhörerausgang, ein USB-Steckplatz und ein Miniklinken-Input. Zwei weitere Soft-Buttons sind unten rechts zu entdecken. Ganz außen blicken wir auf nunmehr acht – statt zuvor vier – dedizierte FX-Buttons, die unter anderem direkten Zugriff auf die neuen RackUltra-Effekte bieten. Dafür wurde im Gegenzug die separate GEQ-Sektion der alten SQ-Serie weggekürzt.
Auf der Rückseite sind alle weiteren Anschlüsse untergebracht
Hier blicken wir auf 16 XLR-Eingänge und einen dedizierten Talkback-Input. Vier Klinken-Line-Buchsen stehen für zwei weitere Stereo-Inputs zur Verfügung. Ausgangsseitig wurden wieder 12 XLR-Buchsen verbaut. Zwei Klinken-Outs gibt es ebenfalls, dazu kommen ein Footswitch-Anschluss und ein digitaler AES-Output.

Ansonsten finden wir einen klassischen Kaltgeräte-Anschluss zur Stromspeisung sowie einen ON/OFF-Pushbutton. Auf der rechten Seite sind zwei RJ45-Schnittstellen für das Netzwerk und für Stageboxen via SLink vorhanden. Zusätzlich gibt es eine USB-B-Buchse, über welche sich das Gerät auch als Audiointerface oder DAW-Controller nutzen lässt.
Zudem besteht wieder die Möglichkeit, optionale I/O-Erweiterungskarten (wie Dante oder Waves) zu erwerben und über den Card-Slot einzubauen. Wie man sieht, hat sich rückseitig im Vergleich zum Vorgänger also nicht allzu viel verändert – bewährte Kost im positiven Sinne.
Die Seitenpartien und auch die Unterseite wurden nicht weiter mit Funktionen ausgestattet. Letztere weist vor allem zwei aktive Lüfter auf, das war es dann aber auch schon.



















