In der aktuellen Folge unseres Vintage Drum Talk zeigt Daniel, wie er ein 60er-Jahre Ludwig Super Classic Drum Set aufwendig restauriert und dann in ein Instrument für zeitgenössische Ansprüche verwandelt hat, ohne dabei den ursprünglichen Vintage-Vibe vermissen zu lassen.

Von einem erbärmlichen Zustand zu einem toll klingenden Instrument
Das Set befand sich bei der Übernahme in einem sehr bemitleidenswerten und krass verbastelten Zustand. Das sieht man ja immer mal wieder. Scheinbar hatten viele Spieler in den 60ern und 70ern wenig bis überhaupt keine Skrupel, alle möglichen Halterungen und Extra-Bohrungen anzubringen. Was natürlich auch an der zum Teil kompromissbehafteten Hardware der damaligen Zeit liegt, wie Fritz Steger im aktuellen Artikel zur Geschichte der Tomhalter beschreibt.
Das Set hat die klassischen Größen 22“ x 14“ Bassdrum, 13“ x 09“ Tom und 16“ x 16“ Standtom und war ursprünglich in White Marine Pearl foliert. Außerdem gab es eine sehr schön klingende 14“ x 6,5“ Ludwig Supraphonic dazu, die mit tadelloser Verchromung quasi das Gegenteil zum Set darstellt.
Wie wurde das Ludwig Super Classic wieder zum Leben erweckt?
Auf den folgenden Bildern findet ihr eine Collage aus den Arbeitsschritten, die Daniel und seine Freundin Raphaela bei der Überarbeitung festgehalten haben. Kurioses Detail: alle Kessel sind 3ply-Kessel, bestehen aber aus unterschiedlichen Hölzern. Mahagoni-Pappel-Mahagoni, Ahorn-Pappel-Ahorn und Mahagoni-Pappel-Ahorn – was beweist, dass einfach die Hölzer verbaut wurden, die damals in der Fabrik zur Verfügung standen. Unschön aussehende Innenlagen wurden mit weißer Farbe übertüncht.
Alle Kessel sind außerdem – wie es typisch für 60er-Jahre Ludwigs ist – leicht unrund, da die Folie quasi mit in den Verstärkungsring geklebt wurde. Von den Gratungen brauchen wir gar nicht anzufangen. So wie das Set im übernommenen Zustand war, konnte Daniel es weder stimmen noch spielen.
Nach dem Entfolieren und dem Verschließen der zahlreichen Extra-Löcher ging es ans Lackieren der Innenseiten. Anschließend stand eine Reise zu ST Drums in Pirmasens auf dem Plan, dort wurden die Gratungen fachmännisch erneuert (45 Grad mit verrundeter Außenseite), außerdem wurden die Kessel mit Gold Sparkle Folie von Delmar foliert.

Die Hardware wurde behutsam an moderne Ansprüche angepasst
Glücklicherweise waren alle Parts vollständig vorhanden, es gab also keine fehlenden Schrauben, Spannböckchen oder Ähnliches. Trotzdem sollte das Set – insbesondere was die Tomhalterung betrifft – modernen Ansprüchen genügen. Daniel hat sich für das Ludwig Atlas-System entschieden, dabei wird die Rail Mount an den Böckchen befestigt. Selbiges gilt für die Halterung am 13“ Tom, die sich an unterschiedliche Lochabstände anpassen lässt und somit eins zu eins in die Bohrungen des Original-Böckchens passt. Der Vorteil ist, dass sich das Tom nicht nur ideal im Neigungswinkel einstellen lässt, sondern man auch mit der Positionierung auf der Bassdrum wesentlich mehr Optionen als mit einem Snareständer hat.
Alles wirkt wie aus einem Guss
Trotz aller Kritik an der Verarbeitungsqualität muss man Ludwig zugutehalten, dass das Hardware-Design seit den 60ern nahezu stringent durchgezogen wurde. Als Fachkundiger erkennt man zwar, dass zum Teil neue Parts verbaut sind, sie wirken auf mich aber nicht wie ein Stilbruch. Vom Sound her ist das Set ein echter Traum, es klingt mit den neuen Gratungen super fett und präsent und spricht sehr dynamisch an. Als Befellung kamen auf den Toms UV2 Coated Schlagfelle in Kombination mit Genera Resonant Fellen zum Einsatz. Die Bassdrum hat ein klares EQ4 und ein EQ3 Coated aufgezogen.
Falls bei einigen Lesern die Frage nach den Kosten aufkommen: Um das Set in den aktuellen Zustand zu bringen, wurden insgesamt etwa 700 Euro für Material und externe Dienstleistungen investiert.
























