Der ASM Leviasynth ging als das Synthesizer-Highlight der NAMM-Show 2026 hervor und ist erfreulicherweise in den Shops angekommen. Der Leviasynth ist ein hybrider, algorithmischer Synthesizer, der weit über die klassische FM-Synthese hinausgeht. Neben der FM-Synthese nutzt er analoge Filter, sowie weitere Methoden zur Klangerzeugung. Im ASM Leviasynth Test erfahrt ihr unsere Eindrücke von der Synthese, der Hardware und den klanglichen Möglichkeiten.

- Hybrider Dual-Sound
- Transparentes Klangbild
- Algorithm Morphing
- Robuste Verarbeitung
- Gutes User-Interface
- Keys und Pads mit Poly AT
- Step/Modulation-Seq
- Preis etwas zu hoch
- Synth-Programming eher komplex
- Nur ein Stereo-Ausgang
- Externes Netzteil
- ASM Leviasynth versus Hydrasynth – wo liegen die Unterschiede?
- ASM Leviasynth Keyboard oder Desktopmodell?
- Angeschaut: die Hardware des ASM Leviasynth
- Synthese-Labyrinth – 144 Algorithmen, acht Oszillatoren und noch viel mehr!
- Morphing und Custom – noch mehr algorithmisches Potenzial?
- Analoges Filter, Hüllkurven und LFOs beim ASM Hydrasynth
- Effekt-System – der Tradition verpflichtet
- Arpeggiator und Step-Sequenzer – was können sie?
- Praktische Extras: Modulation und Macro-Controller
- Ist der ASM Leviasynth einfach zu bedienen?
- Manager-Software von ASM
- ASM Leviasynth – transparenter Basisklang mit viel Tiefe und Modulation
- Wie klingen klassische Single-Patches des ASM Leviasynth?
- Multi-Patches – die wahre Stärke des ASM Leviasynth!
- Gibt es preisgünstige Alternativen zum ASM Leviasynth?
- Waldorf Iridium und Yamaha Montage M – bessere Alternativen?
- Welche Produktvarianten des ASM Leviasynth dürften folgen?
- FAZIT

Mit dem Hydrasynth hat der chinesische Hersteller ASM ein beachtliches Debüt hingelegt. Wird der Leviasynth an den Erfolg seines großen Bruders anknüpfen können? Spoiler an: Ja! Ihr seht schon auf den ersten Blick einige Parallelen – so beim polyfonen Aftertouch in einer beeindruckenden Qualität, einer ähnlichen-Menüstruktur, einem großen Ribbon-Controller, einem überzeugenden Bedienungskonzept und Effekt-System, der enormen Modulationspower sowie natürlich beim Produktdesign. Es finden sich aber ebenso Unterschiede.
ASM Leviasynth versus Hydrasynth – wo liegen die Unterschiede?
Der wesentliche Punkt: Mit dem Leviasynth stellt ASM ein neues eigenständiges Synthese-Konzept vor. Anstelle der Wavetable-Synthese mit drei Oszillatoren des Hydrasynth bekommt ihr beim Leviasynth eine algorithmische Multi-Oszillator-Klangerzeugung mit acht Oszillatoren und über 300 Wellenformen pro Stimme. Während der Hydrasynth komplett digital aufgebaut ist, kombiniert der Leviasynth digitale Filtertypen mit einem analogen 4-Pol-Tiefpass-Filter – somit gehört er also zur Riege der modernen Hybrid-Synthesizer.
Der Hydrasynth erlaubt zwar mit seinen „Mutants“ FM-ähnliche Modulationen, die aber kaum an die komplexen und sogar frei morphbaren Algorithmus-Strukturen des neuen ASM-Topmodells heranreichen. Bis auf die Deluxe-Version liefern die Hydrasynth-Modelle jeweils einen achtstimmigen Sound. Der Leviasynth erlaubt 16 Stimmen für Layer und Splits und inspiriert mit seinem dreispurigen Sequenzer musikalisch mehr als der Arpeggiator des Hydrasynth. Alles in allem öffnen der ASM Leviasynth Keyboard und Desktop ein wesentlich breiteres Feld der Klangforschung.
Übrigens: Der ASM Hydrasynth gilt inzwischen als moderner Klassiker. So findet ihr auf Bonedo eine Reihe lesenswerter Beiträge – von ausführlichen Tests bis hin zu praxisnahen Workshops, die teilweise auch für Leviasynth-User interessant sein dürften:

Der Hydrasynth des neuen Herstellers Ashun Sound Machines (ASM) wagt den Spagat, eine moderne, digitale Wavetable-Synthese mit einem bewusst analogen Benutzerinterface zu verbinden.

Die mächtige Engine des ASM Hydrasynth Wavetable-Synthesizers wurde im Hydrasynth Explorer in einem kleineren Gehäuse mit Mini-Tastatur untergebracht. Welchen Unterschied macht das?

Der ASM Hydrasynth ist ein digitaler Synthesizer mit enormer Funktionalität. In unserem Workshop zeigen wir dir, wie man mit Wavemorphing und Mutatoren zu arbeiten lernt.

Der ASM Hydrasynth bietet fast endlose Möglichkeiten für kreatives Sounddesign. In unserem Video-Workshop zeigen wir einige davon!
ASM Leviasynth Keyboard oder Desktopmodell?
Die Synthese-Engine ist bei beiden Modellen identisch. Alle Sounds klingen exakt gleich auf dem Leviasynth Keyboard und Desktop und lassen sich mühelos untereinander austauschen. Bei der Hardware-Ausstattung und beim Preis unterscheiden sich die beiden Versionen des ASM Leviasynth aber erheblich: Die Keyboard-Version bietet eine 61er Tastatur mit polyfonem Aftertouch, die beiden klassischen Handräder für Pitchbending und Modulation einen großen Ribbon-Controller für Modulation und Pitch über vier Oktaven.
Insgesamt 16 Polytouch-Pads ersetzen bei der Desktop-Version die Tastatur. Alle Pads reagieren auf Velocity und polyfonen Aftertouch.

Der ASM Leviasynth Desktop ist rund 800 Euro günstiger, deutlich kompakter, passt in ein 19-Zoll-Rack und wiegt auch über sieben Kilogramm weniger. Sicherlich wird er daher öfter einen Platz in Studios finden als das Keyboard-Modell. Bei Live-Gigs werdet ihr aber die Hardware des Keyboard-Modells nicht missen wollen.

Angeschaut: die Hardware des ASM Leviasynth
Der ASM Hydrasynth gelangt meist in die Hände soundbewusster Keyboarder, die gern live performen und auch etwas editieren. Einladend gibt sich auch der Neue: Das Panel des ASM Leviasynth strotzt vor Bedienelementen – es gibt viel anzupacken, ohne die wichtigsten Funktionen lange suchen zu müssen. Ein farbiger 4,3“ Touchscreen und acht korrespondierende Control Knobs mit LED-Kränzen vereinfachen die Bedienung erheblich.

Sowohl die Tastatur des Leviasynth Keyboard als auch die 16 RGB Pads des Desktopmodels sind ein Paradebeispiel zur Umsetzung des polyfonen Aftertouchs. Leider zu aufgeräumt wirkt die Rückseite: MIDI-Trio, USB-B-Port, zwei Pedal-Anschlüsse, zwei symmetrische Klinkenbuchsen. Wieso gibt es keinen zweiten Stereo-Ausgang? Und ein externes Netzteil ist in dieser Preisklasse auch unsexy. Wiederum positiv: Sieben CV/Gate-Anschlüsse (darunter zwei Eingänge und drei VC-Ausgänge) stellen den Kontakt zur Außenwelt in Form von Modular-Synths und Eurorack-Modulen her.

Synthese-Labyrinth – 144 Algorithmen, acht Oszillatoren und noch viel mehr!
Der ASM Leviasynth bietet im Single-Mode 16 Stimmen, während im Multi-Mode zwei Patches mit jeweils acht Stimmen gespielt werden können. Die Klangerzeugung basiert auf acht Oszillatoren mit über 300 Wellenformen sowie drei Pitch-Modi (Semitone, Ratio und Frequency).

Welche Funktion ein Oszillator übernimmt, wird durch einen von insgesamt 144 Algorithmen bestimmt. Dabei kann ein Oszillator als Träger, Modulator oder sogar in beiden Rollen gleichzeitig agieren – ein Konzept, das stark an die klassische FM-Synthese erinnert, wie man sie seit den 1980er-Jahren kennt.

Das ASM Leviasynth geht aber noch einen bedeutenden Schritt weiter: Pro Oszillator könnt ihr zwischen sieben Syntheseformen wählen:

- Phase Modulation
- Freq Modulation (das ist die eigentliche FM-Komponente)
- PW Mod (Pulsbreitenmodulation)
- HTE Sync (Oszillator-Sync)
- Phase Distortion in drei verschiedenen Varianten (á la Casio CZ-Serie)
Morphing und Custom – noch mehr algorithmisches Potenzial?
Mit den 144 vorgegebenen Strukturen ist noch lange nicht Schluss. Ihr könnt Algorithmen untereinander blenden und auch selber gestalten.
Im Morphing Mode lassen sich bis zu acht Preset-Algorithmen auswählen, sie in einer beliebigen Reihe anordnen und zwischen ihnen blenden. Am besten funktioniert das Morphing von einfachen zur komplexen Algorithmen. Beispiel: Simple E-Pianos mutieren zu pulsierenden Synthesizer-Collagen mit diffusen Obertonstrukturen – etwa per LFO, Hüllkurve oder Macro-Regler.
Im Custom Algo Mode könnt ihr eigene Algorithmen über eine Matrix erstellen – komplett neue Strukturen oder vorhandene Algorithmen werden variiert. Die Bildschirmseite im Edit Mode konfrontiert euch mit etlichen Informationen und Möglichkeiten. Es lassen sich schnelle Änderungen an den Preset-Algorithmen vornehmen, verschiedene Synthesearten im unterschiedlichen Konstellationen ausprobieren oder einzelne Bestandteile eines Patches isoliert abhören.
Analoges Filter, Hüllkurven und LFOs beim ASM Hydrasynth
Mit dem analogen, zur Selbstoszillation fähigen 24-dB-Tiefpass-Filter samt Pre-Filter-Overdrive wird der Leviasynth zum Hybrid-Synthesizer. Sein Hauptfilter ist aber digital und multimodal ausgelegt. Unter den 18 Filter-Typen findet ihr einige klassische Hoch/Tief/Bandpass-Vertreter, eine Bandsperre und auch einen Vocal Formant Filter. Neben PolyAftertouch stechen auch Morph und Drive als Parameter hervor.

Keine Frage, das Dual-Filter zeigt sich sehr praxisorientiert und auch klanglich ist es hervorragend. Mehr als der Standard sind auch die 13 ADSR-Hüllkurven mit vier Triggerquellen. Sie lassen sich beim ASM Leviasynth mit definierbaren Punkten tempo-synchron loopen und verfügen über eine Delay und Hold-Phase. Und richtig geraten, auch die fünf LFOs des ASM Leviasynth bieten eine maximale Flexibilität.
Effekt-System – der Tradition verpflichtet
Bei den Effekten hat sich ASM ziemlich stark am Hydrasynth gehalten – und das ist auch gut so! Ihr bekommt vier separate Effektmodule: Pre-FX, Delay, Reverb, Post-FX.
Pre- und Post-FX bieten die gleichen Effekt-Typen: Chorus, Flanger, Rotary, Phaser, LoFi, Tremolo sowie EQ, Kompressor und Distortion. Beim Delay gibt es Basic Mono, Basic Stereo, Pan Delay, LRC Delay und noch eine Reverse-Variante. Vier Typen lassen sich im Reverb-Block aufrufen: Hall, Room, Plate sowie Cloud.
Sowohl die Parametrisierung als auch die Audio-Qualität überzeugt. Grain/Looper oder andere speziellere Effekte fürs modere Sounddesign sind aber nicht vorhanden Die Effekte des ASM Leviasynth könnt ihr unabhängig oder gemeinsam for Upper und Lower Part im Multimode verwenden.
Arpeggiator und Step-Sequenzer – was können sie?
Mehr als ein Bonus sind der Arpeggiator und Sequenzer. Beide erlauben es, einzelne Parameter in der Modulationsmatrix einzuspeisen und einen Metronomclick separat im Kopfhörer zu routen. Außerdem könnt ihr Arpeggios in Sequenzerspuren verwandeln – und umgekehrt.
Der Arpeggiator verfügt über acht Play Modes und beherrscht auch das beliebte Ratcheting. Ihr bekommt 64 Arpeggio Phrases und ebenso viele Speicherplätze für User Phrases. Beim Sequenzer des Leviasynth hat sich ASM noch eine ganze Menge mehr einfallen lassen. Er besteht grundsätzlich aus drei Spuren beziehungsweise zwei Arten von Spuren: Zwei Note Tracks mit jeweils variablen Wiedergabe-Optionen übernehmen die typischen Noten und Akkorde, die sich in Echtzeit oder schrittweise eingeben lassen.
Noch spannender: Per Macro Track bekommt ihr acht Automationsspuren, die Echtzeitbewegungen der Macro-Regler aufzeichnen. Jeder einzelne der bis zu 128 Sequenzerschritte könnt ihr im Detail noch beliebig programmieren – praktisch ein Fass ohne Boden. Nicht zu vergessen: Auch der der Chord Mode kann bei vielen Patches des ASM Leviasynth musikalisch inspirieren. Bei den Multis sind zwei Akkorde gleichzeitig spielbar.

Praktische Extras: Modulation und Macro-Controller
Eigentlich plausibel: Der ASM Leviasynth kommt mit einer üppigen Modulationsmatrix, die bis zu 32 Routings pro Patch unterstützt. Und auch das bietet natürlich der ASM Leviasynth: Analog Feel durch subtile zufällige Klängverändungen, Bit-Reduction bei Oszillator-Wellenform, LFO oder Hüllkurve, Micro Tuning, drei Voice Modes (Mono, Unison, Unison Poly) und auch MPE-Support.
Wie schon beim Hydrasynth ist das Macro Assign auch beim neuen Topmodell sehr praktisch für eine schnelle wie effiziente Sound-Manipulation am Gerät. Für jedes Macro lassen sich bis zu acht Modulationsziele festlegen und anschließend die Control-Regler und Soft-Button verwenden, um die Macros zu steuern. Pro Single-Patches gibt es acht Macros, bei den Multis könnt ihr bis zu 16 Macros auskosten.




























