SPL Venos Test

Zwischen alten Göttern und neuen Sternzeichen fügt sich SPLs neuster Mastering Kompressor elegant ein. Aus DNA des IRON gebrütet, ist Venos ein verfeinerter Stereo-Prozessor für die letzten Quäntchen Verdichtung. Als moderner Vari-Mu mit reichlich Sidechain-Optionen und verstellbaren Gleichrichter ausgestattet, präsentiert er sich geneigten Connoisseuren als Feinschmecker-Besteckt – mit bemerkenswert gereiften Bedienkonzept!

SPL Venos Test
Optisch weiß der Venos sehr zu gefallen – die Gelegenheit ihn „Venus“ zu nennen, mutet indes verschenkt an. 
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • sehr unauffällige, saubere und kontrollierte Kompression
  • exzellenter Glue ohne klangliche Überformung
  • hohe Präzision und perfekter Stereo-Gleichlauf
  • schneller Workflow, ideal für Sweetspot-Vergleiche
  • negative Kompression als kreatives Werkzeug und “Refresher”
Contra
  • Germanium-Rectifier neigt etwas früh zu hörbaren Verzerrungen
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SPL Venos Test
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Highlights SPL Venos

  • extrem transparenter Vari-Mu-Kompressor für präzise Verdichtung
  • drei wählbare Rectifier-Netzwerke mit klar unterschiedlichem Regelverhalten
  • innovative Hyper-Modes mit negativer Kompression zur Re-Animation dichter Signale
  • gestufte Regler mit exzellentem Kanalgleichlauf und hohem Recall-Faktor
  • aufgeräumtes 3-HE-Layout, konsequent auf Stereo ausgelegt

Was ist Variable Bias bzw. Vari-Mu ?

Der SPL Venos ist ein Stereo-Bus-Kompressor für 19-Zoll-Racks auf 3-HE zu einem Gewicht von 8,5 kg. In Rot und Schwarz erhältlich, arbeitet er nach dem “Variable Bias” Konzept. Zur Gain-Reduktion wird die Gittervorspannung (Bias) einer Röhre moduliert, die über variablen Sperrbereich verfügt (12AU7/ ECC82). Fehlt eigentlich nur die Farbe Gold, um seinem “Made in Germany” extra zu huldigen.

3 HE Kompressor Deluxe mit großen Reglern und angenehmen Layout

Die Ein- und Ausgänge werden SPL-typisch mit 120-Volt OpAmps gepuffert, es kommen also keine weiteren Röhren abseits der beiden Remote-Cutoffs zum Einsatz. Die Ein- und Ausgangsübertrager sind vom SPL IRON, die Stromversorgung erfolgt klassisch, linear und mit dicken Ringkerntrafo.

Da sich bei diesem Regelungskonzept die effektive Verstärkung (μ sprich mu) der Cutoff-Röhre dynamisch und unter Einfluss des Sidechain ändert sprich man auch von einen Vari-Mu-Kompressor. Kurz gemerkt: Bias wird erhöht → μ sinkt → Pegelreduktion.

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Der Begriff Vari-Mu ist insofern historisch gewachsen und mir Variable Bias faktisch identisch. „Variable Mu“ hingegen ist ein konkretes Produkt von Manley und als Markenname geschützt. Die technische Bezeichnung wird aber bereits seit den 1940er herstellerübergreifend von Fairchild, RCA oder Altec genutzt.

Hier wird nicht gefummelt!

SPL geht mit seinem aktuellen Design insgesamt deutlich über klassische Vintage-Konzepte hinaus. Der Venos präsentiert sich straffer, feiner abgestimmt in seinen Optionen und klar auf moderne Mastering-Workflows ausgelegt. Das übersichtliche 3-HE-Layout überzeugt, wird konsequent ausschließlich im Stereo-Betrieb gefahren und erweist sich in der Praxis als ausgesprochen flink und intuitiv.

Gerade beim Vergleichen der zahlreichen Sweetspots spielt das Bedienkonzept seine Stärken aus: Threshold und Rectifier lassen sich präzise und gleichzeitig umschalten, wodurch unterschiedliche Regelcharaktere schnell und reproduzierbar gegeneinander getestet werden können. Auch der Recall gestaltet sich entsprechend unkompliziert.

Alle Compressor Basics finden sich auf der linken Seite: Attack, Input, Threshold und Release.

Lediglich ein kleiner Kippschalter ist verblieben, der den bekannten AirBase- und Tape-EQ aktiviert. AirBase erzeugt dabei eine dezente 2-dB-Badewannencharakteristik, während Tape den leichten Höhenabfall einer Bandmaschine simuliert – beides Funktionen, die man bereits vom IRON kennt. Eine LED zur Quittierung wäre allerdings hilfreich. Der Bias wiederum war beim IRON in nur drei Stufen anpassbar, hier gibt es nun sogar ein eigenes, dickes Poti!

Dicke Regler, saftige Schalter

Ansonsten fährt SPL beim Venos konzeptionell deutlich zurückhaltender als beim IRON. Dessen enorme Funktionsvielfalt galt vielen Anwendern als überladen, und trotz der massiven 4-HE-Bauhöhe wirkten die zahlreichen Kippschalter nicht selten etwas fummelig. Beim Venos präsentiert sich das Bedienkonzept nun wesentlich aufgeräumter – alle Bedienelemente sind angenehm groß dimensioniert und klar zugänglich.

Die zentralen Regler sind als gestufte Potentiometer mit jeweils 41 Rastpositionen ausgeführt und steuern Input, Threshold, Output sowie das Bias-Offset. Sämtliche dieser Parameter wirken stets stereogekoppelt auf beide Kanäle – der IRON war Dual-Mono konzipiert.

Große Regler ermöglichen präzise, diskrete Einstellungen – so wird der Recall zum Leichten.

Die übrigen Funktionen sind konsequent über Drehschalter realisiert; so stehen für Attack und Release jeweils sechsstufige Zeitkonstanten zur Verfügung, die eine schnelle und reproduzierbare Einstellung ermöglichen.

Ein Rectifier wandelt das Audiosignal in eine Gleichspannung um, mit der der Bias der Röhre geregelt wird. SPL setzt hier gleich auf drei unterschiedliche Gleichrichter-Netzwerke, die nicht nur das Regelverhalten, sondern auch Parameter wie Attack, Release und den effektiven Threshold beeinflussen.

Zur Auswahl stehen Germanium, Silizium und Silicon. Die klanglichen und regelungstechnischen Unterschiede lassen sich dabei nur bedingt theoretisch beschreiben – letztlich sind sie klar hörbar und müssen im praktischen Einsatz erlebt werden.

Sidechain-Optionen: Venos kann auch negativ

Der Venos bietet insgesamt sechs Sidechain-Optionen inklusive einen XLR-Anschluss für externe Sidechain-Filterung. Neben den drei Filtern Linear, Modern und Vintage stehen erstmals auch zwei neue Hyper-Modes namens Punch und Focus zur Verfügung. Diese arbeiten bewusst gegenläufig zur klassischen Sidechain-Filterung: Ab einem bestimmten Pegel fällt die Regelspannung wieder ab, wodurch es zu einer negativen Kompression kommt. Auf diese Weise lässt sich selbst stark verdichtetem Material gezielt wieder mehr Dynamik und Leben verleihen.

Kann man nur gutheißen: alle Anschlüsse sind auf XLR, mit vergoldeten Pins sowie Verrieglung.

Die klassischen Modi Linear, Modern und Vintage arbeiten hingegen konventionell, indem sie bestimmte Frequenzanteile aus dem Sidechain entfernen. Dadurch wird der Kompressor in diesen Bereichen weniger stark getriggert.

Der Linear-Mode war in ähnlicher Form bereits vom IRON bekannt, wo er als OFF bezeichnet wurde. Technisch handelt es sich um einen sehr dezenten Low-Cut unterhalb von etwa 20 Hz, der vor allem tieffrequente Energie aus dem Regelkreis fernhält.

Der Vintage-Filter entspricht funktional dem früheren EQ4 des IRON. Er greift primär in den Mitten ein und lässt sich gut mit dem AirBase-EQ kombinieren, um das Regelverhalten gezielt zu formen.

Der Modern-Mode erinnert klanglich an eine Mischung aus EQ2 und EQ3 des IRON: ein stärker ausgeprägter Low-Cut, verringert um den leichten Bass-Bump, der den Kompressor weniger sublastig, aber dennoch druckvoll reagieren lässt.

Die dicke Rückseite mit Stromanschluss und Hauptschalter, Groundlift sowie den XLR I/Os für Signal und Sidechain. Vorbildlich!

Wie klingt Venos in der Praxis ?

Venos klingt nicht – Venos komprimiert. Und das auf ausgezeichnet kontrollierte und musikalische Weise. Er erlaubt es, bewusst rhythmische Akzente zu setzen und Dynamik aktiv zu formen, ohne sich klanglich in den Vordergrund zu spielen. Ein klassischer „Smasher“ ist der Venos dennoch nicht, ebenso wenig verschmiert er das Signal auf schmeichelhafte Weise, wie man es etwa von einem Manley Vari-Mu kennt.

Auf der anderen Seite muss man hier absolut nicht herumfummeln, um linke und rechte Seite klanglich in Einklang zu bringen – im Alltag ein dicker Pluspunkt! Das man bei Mono somit einen Kanal verschwendet, who cares!

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Mehr Informationen

In der Praxis zeigen sich Venos wie auch IRON damit von einer ausgesprochen unauffälligen und cleanen Seite. Es geht klar um präzise, transparente Verdichtung, nicht um gezielte klangliche Färbung. Gleichzeitig lassen sich über die Vielzahl an Parametern dennoch sehr unterschiedliche, programmabhängige Regelverläufe realisieren, hier jedoch deutlich intuitiver und flinker.

Parameter-Experimente

In Kombination mit den vielfältigen Attack- und Release-Zeiten sowie dem Threshold lassen sich einzelne Elemente gezielt herausarbeiten, Grooves subtil umdeuten oder rhythmisch neu akzentuieren – stets kontrolliert und ohne den Charakter des Materials zu übertünchen.

Die Attack- und Release-Zeiten sind gut gewählt, ein paar mehr schnelle Attacks hätten aber sicherlich auch nicht gestört. Insgesamt ergibt sich ein geschmeidiges „Hineingleiten“ ins Material. Threshold, Input und Output lassen sich äußerst feinfühlig einstellen und zeigen – wie meine Messungen bestätigen – einen sehr exakten Gleichlauf beider Kanäle. Bravo!

Audio Samples
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Bass – DRY Bass – Mid Attack / Punch Mode Gits – DRY Gits – Leveler / Focus Mode Vocals – DRY Vocals – Fast LED / Air Base

Das Gerät macht aber keine Fehler unsichtbar und verwandelt somit problematisches Material nicht automatisch in Gold. Im Gegenteil: Kleinere Unsauberkeiten können sogar deutlicher hervortreten, da der Venos flink, neutral und transparent arbeitet. Nimmt man ihn jedoch aus der Signalkette, fehlt der Glue sofort – genau so, wie man es von einem hochwertigen Stereo-Bus-Kompressor erwartet.

SPL Venos rechte Seite
Alle verfügbaren Sidechain-Optionen bieten genügend Differenz und sind damit gut ausgewählt!

Die Zeiten, in denen Mastering-Engineers dem Material pauschal eine eigene Klangfarbe überstülpten, sind ohnehin vorbei. Entsprechend bietet es sich an, den Venos auch beim Recording sowie auf Einzelsignalen einzusetzen, sofern Mikrofon oder Preamp die gewünschte Klangcharakteristik liefern. Ein Dual-Mono-Betrieb ist nicht vorgesehen, ebenso wenig lässt sich das Stereo-Link-Verhalten beeinflussen.

Meckern auf hohen Niveau

Anspruchsvoller gestaltet sich das Finden des optimalen Arbeitspunktes der unterschiedlichen Gleichrichter. Diese reagieren einfach verschieden: So beginnt der Germanium-Gleichrichter beispielsweise vergleichsweise früh mit hörbaren Verzerrungen. Beim Wechsel zwischen den Rectifier-Typen empfiehlt es sich daher, auch weitere Parameter aktiv mit anzupassen, allen voran der Threshold, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Grob zusammengefasst lässt sich festhalten: Der LED-Rectifier wirkt in der Regel musikalischer, zeigt aber eine etwas weichere, „wolligere“ Charakteristik. Silicon arbeitet deutlich cleaner, straffer und kontrollierter, während Germanium etwas ruppiger und gegebenenfalls aggressiver auftritt. Ebenfalls vereinfacht gesagt führt eine Erhöhung des Bias zu einer stärker gepressten Kompression, was je nach Material reizvoll sein kann – persönlich habe ich mich meist im unteren Viertel des Regelbereichs bzw. auf Null bewegt.

SPL Venos Meter und Bypass
Das Design der neuen SPL-Geräte ist gelungen!

Am Rande sei erwähnt, dass das aufwendig gestaltete Meter bei klassischem, aufrechtem Rack-Einbau von oben etwas schwieriger abzulesen ist. Im typischen Einbauwinkel eines Mastering-Desks spielt das jedoch keine Rolle – im Gegenteil: Hier wird es zum zentralen visuellen Element, das sich ergonomisch sehr gut erfassen lässt. Gleiches gilt für die fehlenden Ein- und Ausgangsmeter, die in einem kalibrierten Mastering-Setup kaum ins Gewicht fallen dürften.

Test des Stereo Bus Kompressor SPL Venos: Fazit

Der Venos ist kein Effektgerät und kein klassischer Vari-Mu im Vintage-Sinne, sondern ein hochpräziser Mastering-Kompressor, der Dynamik straff kontrolliert, ohne sich klanglich in den Vordergrund zu drängen. Seine Stärke liegt in der subtilen Verdichtung, der gezielten Groove-Umdichtung, dem schnellen Finden unterschiedlicher Sweetspots sowie im sauberen Glue, der im Bypass erst wirklich auffällt – genau so soll es sein.

Die neuen Hyper-Modes erweitern den Einsatzbereich äußerst sinnvoll, ohne den klaren Fokus auf Transparenz zu verwässern. Salopp gesagt ermöglichen sie auch Verdichtungen, die nicht nach Verdichtung klingen. Gerade auf Einzelsignalen eröffnen die Hyper-Modes damit ein überraschend kreatives, bislang ungewohntes Einsatzfeld, das überzeugt.

Wer nach deutlicher Färbung oder schmeichelnder Plättung sucht, ist hier falsch. Wer hingegen moderne, kontrollierte und reproduzierbare Dynamikbearbeitung benötigt, findet im Venos ein äußerst überzeugendes Werkzeug.

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Features

  • Vari-Mu-Kompressor (Stereo)
  • gestufte Potentiometer (41 Positionen) für Input, Threshold, Output, Bias-Offset
  • sechsstufige Attack- und Release-Zeiten
  • präzises Gain-Reduction-Meter
  • drei Sidechain-Filter: Linear, Modern, Vintage
  • zwei Hyper-Modes: Punch und Focus (negative Kompression)
  • externer Sidechain-Eingang (XLR)
  • drei Rectifier-Typen: Germanium, Silizium, Silicon
  • AirBase- und Tape-EQ per Kippschalter
  • reiner Stereo-Betrieb (kein Dual-Mono, kein variables Link-Verhalten)
  • hergestellt in: Deutschland
  • Preis: € 4989,– (Straßenpreis am 30.1.2026)

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