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Ortofon MC X30 und X40 MC Test

Im folgenden Artikel testen wir Ortofons Spitzenmodelle MC X30 und MC X40 im dünn besiedelten Segment der Moving Coils. Der dänische Hersteller löst damit die 10 Jahre alte Quintett-Serie ab und geht mit insgesamt 4 Modellen (X30, X40, X10 und X20) an den Start.

Ortofon MC X30 und MC X40 – das Wichtigste in Kürze

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • sehr hohe Auflösung
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • sehr ausgewogener Klang
  • Reinsilberspulen
  • Edelstahlchassis mit Wabenstruktur
  • einfache Montage
  • keine Einlaufphase notwendig
  • komplette Fertigung in Dänemark
Contra

  • neuste Generation von MC-Tonabnehmern für audiophile Vinylliebhaber
  • die beiden Spitzenmodelle verfügen über das gleiche Chassis und die gleiche Übertragertechnik wie die beiden Einsteigermodelle (Test hier)
  • Unterschiede ausschließlich beim verwendeten Material der Nadelträger und hinsichtlich des herausgearbeiteten Nadelschliffs
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Ortofon MC X30
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Kundenbewertung:
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Ortofon MC X40
Ortofon MC X40 Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Was ist im Lieferumfang der Ortofon MC X30 und MC X40?

Neben den Tonabnehmern habe ich noch zwei Montageschrauben, einen Minischraubendreher, eine feine Nadelbürste sowie ein Short-Manual im Blister vorgefunden. 

Das Design der Ortofon MC X30 und MC X40

Die Chassis verjüngen sich in Richtung des Nadelträgers, nichtsdestotrotz erinnert das Design eher an die MM-Serie 2M als an die Quintett-„Legos“, die MC X nun ablösen wird. Die MC X-Tonabnehmer wirken insgesamt schlanker mit einer weitaus edleren Anmutung als die zuerst genannten Serien. 

Die für Ortofon typische Ästhetik lässt sich anhand der minimalistischen Silhouette gut nachvollziehen, für mein Dafürhalten hat sie dadurch an Klasse gewonnen und impliziert hinsichtlich der Formgebung eine äußere Nachhaltigkeit aufgrund des zeitlos angelegten Designs.  

Welche Innovationen bietet Ortofons MC X-Serie?

Das neu entwickelte Chassis, das aus einer speziellen Edelstahllegierung in Spritzgusstechnik gefertigt wird, ist bei allen MC X-Systemen gleich. Durch die Verwendung von Stahl statt Aluminium erhält das Chassis eine größere Festigkeit in Bezug auf Druck- und Zugkräfte, aber auch natürlich mehr Gewicht aufgrund der größeren Dichte von Stahl. Und hier kommt die von oben gut sichtbare Wabenstruktur ins Spiel, die für die nötige Reduktion des Gewichts sorgt bei nahezu gleicher Steifigkeit. 

Die Wandlung in eine Wechselspannung wird durch ein speziell entwickeltes Magnetsystem mit integriertem Polzylinder realisiert. Auf den ersten Blick unkonventionell erscheint hierbei die Wahl des verwendeten Werkstoffs Samarium Kobalt, das hinsichtlich der magnetischen Kraft weit weniger zu bieten hat als das oft verwendete Alnico oder gar das teure Neodym. Hierdurch gelingt aber eine bessere Kanaltrennung. 

Für die Nutzung von reinem Silber bei den Spulen hat sich Ortofon entschieden, obwohl es teurer und komplizierter beim Wickeln ist als zum Beispiel Kupfer, was in einer höheren Empfindlichkeit mündet und eine längere Nutzungsdauer möglich macht.

Für die Minimierung von Resonanzen sorgen neu entwickelte mechanische Gummidämpfer. Die Gummimischung hat der dänische Hersteller selbst entwickelt und produziert, so dass Ortofon alle Bauteile der MC X-Reihe Inhouse fertigt und sich somit unabhängig von jedwedem Zulieferunternehmen macht. 

Welche Besonderheiten bieten Ortofon MC X30 und MC X40?

Weitestgehend gleichen sich die Daten der beiden Tonabnehmer, was aufgrund der identischen Übertragungstechnik und der preislichen Nähe naheliegend erscheint. Unsere vorliegenden Modelle weisen mit 0,5 dB eine sehr gute Kanalbalance auf und liefern mit 0,4 mV eine für MCs ordentliche Ausgangsspannung. 

Die interne Impedanz gibt Ortofon mit 6 Ω an und das Gesamtgewicht mit 8,6 Gramm. Die Dänen empfehlen bei allen Modellen einen Lastwiderstand größer 50 Ω, gerne auch 100 Ω. 

Die Diamanten von beiden Systemen sind nackt auf den Nadelträger geklebt, also ohne eine Extra-Fassung, was dem Übertrager einen weiteren Materialübergang erspart.

Technische Unterschiede des Ortofon MC X30 und MC X40

Während das kleinere Modell X30 wie die beiden günstigeren Modelle mit einem Nadelträger aus Aluminium „seine Runden dreht“, ist der Stylus vom 40er auf einem Bohr-Träger „unterwegs“.

Weitere technische Unterschiede ergeben sich durch die Wahl des Stylus-Typs. Während Ortofons MC X30 mit einem Fine-Line-Schliff ausstaffiert ist, ziert beim MC X40 ein Stylus mit Shibata-Schliff den Nadelträger.

Bei beiden Tonabnehmern gibt der Hersteller die Kanaltrennung mit 26 dB an. Die maximale Abweichung des Übertragungsbereichs, der mit 20 Hz bis 20 kHz angegeben wird, soll +/-1 dB (!) nicht unter- oder überschreiten, was verdammt gut ist. 

Die Nadelnachgiebigkeit ist mit 15 μm/mN benannt. Das gilt für beide Testprobanden. Hiermit deckt man den Sektor sämtlicher mittelschwerer Tonarme ab. Ebenfalls einig sind sich die beiden Topmodelle hinsichtlich ihres Auflagegewichts. Die Dänen empfehlen bei allen Modellen durchweg 2 g Auflage.

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Ortofon MC X30 & MC X40 im Praxischeck

Für den Test lieferte uns Ortofon mit dem LH-2000 und dem LH-4000 gleich zwei hauseigene Headshells mit, was ich sehr begrüßt habe. Jedoch stellte sich bei der ersten Montage heraus, dass LH-2000 nicht verwendet werden kann, da mein Plattenspieler, ein Pioneer PLX-1000, eine gesamte Systemlänge von 54 mm erfordert, aber man mit Hilfe des 2000ers aufgrund der zu kurzen Langlöcher nur auf maximal 52 mm kommt. So blieb mir noch das LH-4000. Immerhin.

Wie stellt man Auflage und Eigengewicht bei MC X30 und MC X40 ein?

Meine Testprobanden kommen mit dem LH-4000 auf gute 24,7 Gramm. So schwer war hier noch kein fertig auf Headshell montiertes System und hier waren schon echt so einige! Ums mal adäquat zu umschreiben, gar zahlreiche Tonabnehmer in Kombination mit mal mindestens vielen (hier vorliegenden) Headshells und die sich daraus ergebenden Werte hinsichtlich ihres irdischen Gesamtgewichts ergaben nie 20 Gramm oder gar mehr.  

Ohne Zusatzgewicht ist das Herstellen des empfohlenen Auflagegewichts von 2 Gramm technisch unmöglich. Mit dem Zusatzgewicht ist es freilich unproblematisch, dennoch lässt mich das Gesamtgewicht weiter zweifeln, aber eben nicht verzweifeln. Anders als beim Test von MC X10 & X20 (Test hier) versuch ich es erst mal dauerhaft mit dem LH-4000 und einer Masse von 24,7 Gramm (ohne Tonarm), was sich als richtig herausstellen wird.

Man könnte zurecht die Behauptung aufstellen, die LH-4000 seien wie gemacht für die MC X – so gut harmoniert das Paar in Sachen Optik! Ist aber auch zusammen nicht unbedingt ein Schnäppchen – das gehört auch zur Wahrheit. 

Die Antwort auf die Frage, ob jene These die Wahrheit trifft, können uns nur die MC-X-herstellenden Nordmänner (und/oder -frauen) verraten. 

Ferner ist festzustellen: Bei diesem Produkttest werden wir keine klanglichen Einbußen aufgrund der Headshell-Auswahl hinnehmen müssen, kaufen dafür aber wissentlich ein Quantum mehr Unvorhersehbarkeit ein und üben uns darüber hinaus im unfreiwilligen Verzicht auf etwas mehr Komfort beim Handling. Wie war das nochmal mit dem Wermutstropfen …?

Welche Geräte wurden für das Test-Setup verwendet?

Als Gegenspieler zu unseren beiden Testprobanden tritt der hauseigene MM-Tonabnehmer 2M Bronze an, der preislich mit 399,- Euro sowohl dem MC X30 (699,- Euro) als auch dem MC X40 (999 Euro) nicht das Wasser reichen kann. Die Signale aller teilnehmenden Tonabnehmer durchlaufen zuerst die MC-Röhrenvorstufe des TPR-3 von Dynavox. 

Ein nicht ganz unbekannter Recording-Profi aus dem Hause Tascam in Gestalt des DR701 zeigt sich hauptverantwortlich für das Recording, also die digitale Resteverwertung. Alle gleich folgenden Hörproben sind vom DR701 mit 96 kHz und 24 Bit erfolgt und vor dem Speichern ins Endformat auf -1 dB FS nach Peak-Methode normalisiert.

Wie beschreibt sich der Klangcharakter von Moving Coils?

Denen, die bislang noch keine Hörerfahrung mit MCs machen konnten, möchte ich die typischen Klangeigenschaften von MCs kurz skizzieren.

Moving Coils besitzen im Vergleich zu Moving Magnets weit weniger Masse, die zum Schwingen angeregt werden muss, folglich zeigen sie sich nicht so träge und lösen höher auf. Einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so ausgeprägten Aha-Effekt erlebt man, wenn einem das erste Mal Nearfield-Monitore mit Silk-Bändchenhochtönern begegnen. An derart seidig klingende Höhen will sich das Ohr erst einmal gewöhnen. Gar nicht so viel später will man dann aber nicht mehr drauf verzichten. 

Ähnlich, aber deutlicher verhält sich der Aha-Effekt, wenn man bislang nur den Klang konventioneller dynamischer Studio-Kopfhörer kannte und sich dann zum ersten Mal einen Magnetostat aufsetzt. Schon ein Wow-Effekt!

Wie ist der Klang des Ortofon MC X30 und X40?

Das Nerven zu lauter HiHats und sägender Synthesizer oder E-Gitarren gehört mit Ortofons MC X30 der Vergangenheit an. Mir altbekannte Platten, die mir beim Hören bis dato aufgrund der beiden eben genannten Phänomene häufig innerhalb kürzester Zeit auf die Nerven gegangen sind, legen ein wenig von den harschen Anteilen ab und klingen gar nicht mehr so hart wie einst – vielmehr transparenter und weitaus unauffälliger.

Ortofons MC X30 weiß mit großer Ausgewogenheit zu gefallen, wirklich nichts nervt. Ein toller Kompromiss aus Musikalität und analytischen Fähigkeiten zu leichten Gunsten der Mittelhochton- und Hochtonauflösung. Der gesamte Mittenbauch ist zudem gut aufgelöst und präsent und dennoch voll transparent. Im oberen Bassbereich wird ordentlich geknurrt – also da, wo soll natürlich nur – bei Synthesizer-Bässen zum Beispiel. Auch der Druckbereich von synthetischen Bassdrums presst sich maßlos unanständig aus den Bassreflexkanälen meiner Studiomonitore. Spätestens beim dritten Track stelle ich zu meiner eigenen Verwunderung fest, dass mein Plattenspieler noch nie so gut geklungen hat – was soll das gleich bitte schön mit dem großen Bruder – dem MC X40 geben? 

Darüber hinaus halten wir fest…

… dass der bloße Schritt vom MC X20 (499,- Euro) zum MC X30 (699,- Euro) klanglich direkt ausgemacht werden kann. Der technische Unterschied liegt einzig und allein im Nadelschliff – statt eines nackten Diamanten mit elliptischem Schliff – ein „Nude“ mit Fine-Line-Schliff. Diese Mehrinvestition bringt eine deutliche Steigerung der Klangqualität, sprich eine höhere Auflösung bei verbesserter Räumlichkeit. Zu guter Letzt mündet der Mehraufwand auch in einer längeren Lebenserwartung der Nadel. Der Abtaster mit Fine-Line-Kontur lässt sich seitens des Tonarms effektiver durch die Rille führen und erzeugt dabei weniger Abrieb beim Vinyl und sich selbst als der nackte elliptische.

Im Vergleich zu unserer Referenz, dem 2M Bronze, klingen Mittel- und Hochtonbereich wesentlich differenzierter bei größtmöglicher Transparenz. Und dennoch: Das MC X30 agiert nie übertrieben agil oder gar aufdringlich. Für mich das System mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ortofons Spitzenmodell MC X40 geht da schon ein wenig schonungsloser zu Werke, präsentiert aber dafür auch eine spektakulär breite Bühne mit schöner Tiefenstaffelung. 

Die Klinge des MC X40 ist einfach schärfer als die des MC X30. Die Schärfe jenes Messers kommt aber leider auch bei mäßigen Pressungen und unausgewogenen Mischungen ordentlich zum Tragen. Ohne Ausnahme folgt der Abtaster mit Shibata-Schliff der Rille und deckt alle akustischen Peinlichkeiten schonungslos auf. Wer eh häufig zwischen Tonabnehmern hin- und herwechselt, das nötige Kleingeld hat und nach einem präzisen Analysten Ausschau hält, für den ist das MC X40 sicher die beste Wahl.

Das MC X30 zeichnet sich zwar auch durch hohe Präzision aus, ist aber generell etwas gütiger unterwegs und zerpflückt nicht gleich jedes nur mäßig gut gemixte Pre-Master. Für mich die gelungenste MC X-Variante mit einem „nackten Fine-Liner“ bei höchstwahrscheinlich längerer Nutzungsdauer für 699,- Euro. Ein Klangerlebnis, das vor 15 Jahren für diesen Preis noch unvorstellbar war.

Audio Samples
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Hörbeispiel 1 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 1 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 1 Ortofon MC X40 Hörbeispiel 2 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 2 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 2 Ortofon MC X40 Hörbeispiel 3 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 3 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 3 Ortofon MC X40 Hörbeispiel 4 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 4 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 4 Ortofon MC X40 Hörbeispiel 5 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 5 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 5 Ortofon MC X40 Hörbeispiel 6 Ortofon 2M Bronze Hörbeispiel 6 Ortofon MC X30 Hörbeispiel 6 Ortofon MC X40
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Fazit zum Ortofon MC X30 & MC X40 Test

Mit dem MC X30 und dem MC X40 präsentieren uns Ortofon ihre beiden Spitzenmodelle der neusten MC-Serie, die komplett in Dänemark entwickelt wurde und auch künftig dort hergestellt werden. Wie erwartet legen die beiden hochpreisigen Modelle im Vergleich zum Einsteiger-Segment (MC X10 & MC X20) deutlich an Präsenz und Detailauflösung zu. Die Serie ist mit vier Modellen für den europäischen Markt genügend breit aufgestellt. Das durchdachte Edelstahlchassis, die Verwendung von Reinsilberspulen sowie die hohe Qualität der übrigen Wandlertechnik sorgen für einen tollen Sound und einen langjährigen Betrieb.

Wegen des stark verbesserten Klangs, der ausschließlich auf die konsequente Weiterentwicklung Ortofons zurückzuführen ist, bin ich stark geneigt, beiden Systemen trotz der relativ hohen Investition dennoch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen zu wollen. Wer hätte das gedacht: Vinyltechnik ist im Jahr 2026 immer noch nicht zu Ende entwickelt. 5 von 5 Punkten – Chapeau!

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(1)
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Ortofon MC X40 Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Features Ortofon MC X30 

  • Nude Fine-Line Abtastdiamant
  • Ausgangsspannung: 0,4 mV
  • Spulensystem: Vierfach-Spule
  • Frequenzbereich: 20 – 25.000 Hz (+/-1 dB)
  • Abtastfähigkeit: r/R 8/40 µm
  • empfohlene Auflagekraft: 2 g (20 mN)
  • Empfohlener Lastwiderstand: > 50 Ohm
  • Spulendraht: hochreines Silber
  • Material Nadelträger: Aluminium
  • Gewicht: 8,6 g
  • Farbe: Schwarz
  • Preis: 698,- Euro

Ortofon MC X40 Features

  • Moving-Coil Tonabnehmer-System
  • Nude Shibata Abtastdiamant
  • Ausgangsspannung: 0,4 mV
  • Spulensystem: Vierfach-Spule
  • Frequenzbereich: 20 – 25.000 Hz (+/-1 dB)
  • Abtastfähigkeit: r/R 8/50 µm
  • empfohlene Auflagekraft: 2 g (20 mN)
  • Empfohlener Lastwiderstand: > 50 Ohm
  • Spulendraht: hochreines Silber
  • Material Nadelträger: Aluminium
  • Gewicht: 8,6 g
  • Farbe: Schwarz
  • Preis: 998,- Euro

Ortofon: Website des Herstellers

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