Die besten Drummer der Welt: Ian Paice (Deep Purple) – Die swingende Rockmaschine

Als Ian Paice 1968 bei Deep Purple einstieg, hat der damals 19-jährige britische Drummer wohl nicht im Geringsten geahnt, dass ihm eine Karriere mit einer der größten Rockbands aller Zeiten bevorstand. Lässt man die zwischenzeitliche Unterbrechung mal außen vor, existiert die Band seit mittlerweile 58 Jahren, und Ian Paice war als einziges Gründungsmitglied in jeder der zahlreichen Besetzungen dabei. Mehr als genug Gründe also, die Geschichte dieser Rocklegende mal gründlich aufzurollen. Neben den verschiedenen Stationen seiner Laufbahn erfahrt ihr am Ende des Artikels natürlich auch alles Wissenswerte zu Ians Equipment. Und nun viel Spaß beim Lesen!

Die besten Drummer der Welt: Ian Paice – Die swingende Rockmaschine
Credit: Alamy / Odile Noel/Lebrecht Music & Arts

Früher Start in die Profikarriere

Seine ersten Erfahrungen am Drumset sammelte der am 29. Juni 1948 im englischen Nottingham geborene Drummer im Alter von 15 Jahren. Zu dieser Zeit bekam er sein erstes Drumset, ein billiges Red Sparkle Modell, von seinen Eltern geschenkt und spielte bald darauf in der Band seines Vaters, der laut Paice ein begnadeter Pianist war. Nur zwei Jahre später fanden die ersten Studioaufnahmen mit dieser Band statt und kurz darauf, im Jahr 1966, wurde Paice Mitglied bei der Rockband MI5 (später „Maze“). Mit der Band wurden einige Singles aufgenommen und es gab sogar eine Tour durch verschiedene europäische Länder, darunter auch Deutschland. 

Im Hamburger Starclub traf Paice schließlich 1967 auf den Gitarristen Ritchie Blackmore, der zu dieser Zeit in der Hansestadt lebte und sich in der Szene bereits einen hervorragenden Ruf erarbeitet hatte. Zurück in England, erreichte den Sänger von „Maze“, Rod Evans, ein paar Monate später ein Anruf von Blackmore, der für seine neue Band einen Sänger suchte. Blackmore bat Evans, zur Audition doch auch gleich seinen Drummer mitzubringen, der im Starclub offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

Deep Purple 1969
Deep Purple 1969 (Credit: Alamy / Simon Robinson)

Beide bekamen den Job und damit war der Grundstein für Deep Purple gelegt, denen nur zwei Jahre nach der Bandgründung mit ihrem vierten Album „Deep Purple In Rock“ der internationale Durchbruch gelang. Mit den Tracks „Child In Time“ und „Speed King“ sind auf dem Album bereits zwei der absoluten Klassiker der Band enthalten. Letzterer gilt für viele als ein früher Vorläufer des Speed Metal. Vom selben Album stammt der Track „Into The Fire“, hier 1971 live gespielt im deutschen TV

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Mit Deep Purple kam der große Erfolg

In der achtjährigen Ära bis zur (vorläufigen) Auflösung im Jahr 1976 erlebte die Band einen wahren Höhenflug und schuf einige Rock-Klassiker, unter denen natürlich „Smoke On The Water“ besonders hervorsticht. Der Titel findet sich auf dem 1972er Album „Machine Head“, welches bis heute das kommerziell erfolgreichste der Band ist. Im selben Jahr erschien mit dem Live-Doppelalbum „Made In Japan“, aufgenommen 1972 in Osaka und Tokyo, ein weiterer Meilenstein. Einige Jahre zuvor hatten Deep Purple übrigens ein Album zusammen mit dem Royal Phiharmonic Orchestra eingespielt – eine für die Fans überraschende Kombination, die in den folgenden Jahren viele Nachahmer finden sollte.  

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Nachdem sich Deep Purple aus personellen und musikalischen Gründen 1976 auflösten, schwamm Ritchie Blackmore mit seiner Band „Rainbow“ – mit dem legendären Cozy Powell an den Drums – weiter auf der Erfolgswelle. Ian Paice tat sich mit seinem Bandkollegen Jon Lord zusammen und gründete die Band „Paice Ashton Lord“, die in den zwei Jahren ihres Bestehens ein Studioalbum veröffentlichte. 1979 begann für Ian Paice eine weitaus erfolgreichere Ära, denn David Coverdale lud ihn ein, seiner ein Jahr zuvor gegründeten Band „Whitesnake“ beizutreten. Paice blieb drei Jahre lang und war an drei Studioalben beteiligt. Sein Nachfolger war übrigens auch hier der in den 1970er-Jahren allgegenwärtige Cozy Powell

Seit fast 60 Jahren Drummer bei Deep Purple 

Nach einem zweijährigen Intermezzo in der Gary Moore Band kam es 1984 zur überraschenden Reformation von Deep Purple, bei der auch Ian Paice wieder an Bord war. Die Besetzung der Band war identisch mit der Formation der Erfolgsjahre 1969 bis 1973. Mit dem Titelsong, der eine gewisse Ähnlichkeit zu Led Zeppelins „Kashmir“ aufweist, gelang Deep Purple sofort ein sehr erfolgreicher Singlehit, den sie allerdings in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr toppen konnten. Das 1987er-Album „The House Of Blue Light“ schaffte es noch in die UK-Top 10, danach konnte die Band zunächst keine Chart-Erfolge mehr verzeichnen.

Erstaunlicherweise gab es aber 45 Jahre nach der Bandgründung noch einmal einen riesigen Schub: Von den letzten fünf Deep Purple-Alben seit 2013 schafften es vier auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Neben seiner Hauptband ist Ian aktuell übrigens auch immer wieder mit der Deep Purple Tribute Band „Purpendicular“ unterwegs, zudem betreibt er seit einigen Jahren seinen YouTube-Kanal „Ian Paice Drumtribe“. Dass Ian, der in jeder der insgesamt neun Deep-Purple-Besetzungen seit 1968 dabei war, auch als 77-jähriger immer noch einen Topjob am Drumset macht, beweist dieser Live-Mitschnitt von 2025:

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Ian Paice’s Stil: Alles außer Reggae

Ian Paice wuchs mit der Popmusik der 50er-Jahre auf und nennt als musikalische Einflüsse auch Bigband Jazz. Vor allem das extrovertierte Spiel Gene Krupas hat es ihm angetan und der Swing hat deutliche Spuren in Ians Stil hinterlassen. Ähnlich wie auch bei seinen damaligen Kollegen John Bonham, Mitch Mitchell und Ginger Baker hört man – vor allem in seinen Drumsoli, die fester Bestandteil der Deep Purple Shows waren – den Jazzeinfluss durch seine Phrasierungen immer heraus. Paice betonte aber stets, dass man als Drummer breit aufgestellt sein sollte. In einem Interview von 1995 sagte er: 

„If you are a drummer you should be able to play along with any style, whether it’s Jazz, rock or orchestral. For me playing was never a conscious thing – I just did it. The only thing I can’t handle is reggae. I know what they do but I can’t feel it.“

Obwohl er – abgesehen von ein paar Übungseinheiten bei seinem Vater, einem Pianisten und Bandleader – nie Unterricht hatte, entwickelte er im Selbststudium eine hervorragende Technik, die ihn befähigte, Single- und Double Stroke Rolls in einem atemberaubenden Tempo und gleichzeitig extrem flüssig zu spielen. Legendär ist auch sein „One Handed Snare Roll“, hier zu sehen in einem Video mit Chad Smith:

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Leichtfüßig wie John Bonham

Auch seine Bassdrumtechnik war in jungen Jahren bereits exzellent. Er schaffte es, ähnlich wie Bonham, mit einer 26er-Bassdrum Figuren zu spielen, die anderen Drummern nur mit zwei Bassdrums gelangen. Eine Ausnahme bildet der Track „Fireball“ vom gleichnamigen 1971er-Album, bei dem eine zweite Bassdrum zum Einsatz kam. Heutzutage benutzt Ian auf der Bühne ein Doppelpedal, das aber nur in vereinzelten Songs zum Einsatz kommt. Auf die Frage, wie er sein spezielles Feel am Drumset beschreiben würde, sagte er einmal: 

„Any great rhythmic feel is a combination of push and pull. My bass drum is on the beat, or maybe even slightly ahead, but my backbeat—the snare drum—is behind it. And its that magic combination of something that shouldnt work that makes it happen. Its a push-and-pull thing, and theres an inherent tension in that.“

Herausragende Tracks aus der frühen Deep Purple-Phase sind „Black Night“ mit seinem Shuffle-Groove und den markanten Fills, „Fireball“ als Blaupause für Metal Drumming, das treibende „Highway Star“ vom Millionenseller „Machine Head“, „Burn“ mit seinen Megafills und natürlich der Track „The Mule“, in den live ein ausgedehntes Drumsolo integriert war.

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Ian Paice startete seine Karriere auf Ludwig Drums

Ian Paice ist Linkshänder und spielt auf einem spiegelverkehrt aufgebautem Drumkit. In den Anfangstagen von Deep Purple trommelte er auf einem Ludwig in der Farbe „Black Oyster Pearl“ in der klassischen Four-Piece-Konfiguration: 22“ x 14“ Bassdrum, 13“ x 9“ Racktom, 16“ x 16“ Floortom, 14“ x 5“ Supraphonic Snare. Später kam noch ein zweites Floortom in 18“ x 16“ hinzu. Die Becken stammten von Zildjian. Etwa 1971 wechselte er zu einem Ludwig Silver Sparkle in ähnlichen Größen, welches auch auf dem „Machine Head“-Album benutzt wurde. Zur selben Zeit wurde Ian Endorser der Firma Paiste, die gerade ihre 2002 Beckenserie vorgestellt hatte. Die 2002er wurden quasi zu Ians Markenzeichen und finden sich bis heute in seinem Setup, welches im Wesentlichen seit Jahrzehnten aus einer 15“ Sound Edge Hi-Hat, einem 22“ Ride, 22“ und 24“ Crashes, einem 22“ China und einem 8“ Splash besteht. 

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Von Bonham und Appice hat er sich zur 26er Bassdrum inspirieren lassen

Beeinflusst durch John Bonham und vor allem Carmine Appice, entdeckte Ian Paice schließlich den speziellen Reiz der 26“ Bassdrum. So stand im Zentrum seines folgenden Ludwig Silver Sparkle Kits eine speziell für ihn angefertigte Bassdrum in der monströsen Größe 26“ x 18“, die er mit einem 16“ x 10“ Racktom – ebenfalls eine Sonderanfertigung – sowie zwei Floortoms in 18“ x 16“ und 20“ x 18“. Die Snaredrum war von nun an eine 14“ x 6,5“ Ludwig Supraphonic, die er stets relativ hoch stimmt. Das Kit kam erstmals auf der „Machine Head“-Tour zum Einsatz und ist auf dem „Made In Japan“-Album zu hören. Im Studio spielt Ian Paice übrigens generell 24“ oder 22“ Bassdrums. 

Credit: Alamy / Pictorial Press Ltd

Auf der „Come Taste The Band“-Tour 1975/1976 ist Paice hinter einem für seine Verhältnisse ungewöhnlich konfigurierten Kit zu sehen. Auf der Bassdrum seines Ludwig Silver Sparkle befinden sich zwei 12“ und 13“ Concert Toms, links daneben ein Trio aus 6“/8“/10“ Concert Toms, rechts zwei reguläre 16“ und 18“ Floortoms und darüber zwei weitere 14“ und 15“ Concert Toms. 1976 bekam er ein Ludwig-Kit in einem Custom Finish, das im Kern dem „Made In Japan“ Monsterkit entsprach, aber um eine Reihe kleiner Concert Toms erweitert wurde. Dieses Kit befindet sich seit langer Zeit im Besitz des italienischen Vintage-Drum-Spezialisten Paolo Sburlati und ist auf dem Cover seines Buches „Ludwig – Yesterday & Today“ zu bewundern. Im folgenden Video der Band „Paice Ashton Lord“ kann man es live erleben:

Seit 1984 spielt er ein Pearl-Drumkit mit 26“ Bassdrum

Als Deep Purple 1984 nach ihrer achtjährigen Pause in die Öffentlichkeit zurückkehrten, war Ian Paice zwischenzeitlich von Ludwig zu Pearl gewechselt, weil die Qualitätskontrolle des amerikanischen Traditionsherstellers zu dieser Zeit offenbar Ians Ansprüchen nicht genügte und ihm von Pearl ein lukratives Angebot unterbreitet wurde. Hierzu äußerte er sich 1995 wie folgt:

„I stayed loyal to Ludwig for a long time, but when I took delivery of a new kit and found the seams on the shells were stapled together and the chrome was coming off, I thought, ‘I can’t have this!’ Now of course their product is great and back where it should be, but Pearl stepped in and offered me a very good deal which I found difficult to refuse, and they are still very good to me.“

Ian Paice mit Deep Purple, live in Oslo im Juni 2022. (Credit: Alamy / 
Anne-Marie Forker)
Ian Paice mit Deep Purple, live in Oslo im Juni 2022. (Credit: Alamy /
Anne-Marie Forker)

Ians erstes Pearl-Kit war ein MLX im Natural Maple Finish. Der Aufbau sah jetzt folgendermaßen aus: 26“ Bassdrum, 10“/12“/13“ Racktoms und auf der rechten Seite 14“ + 15“ Racktoms über den 16“ und 18“ Floortoms. Diese Zusammenstellung hat Ian übrigens – ebenso wie seine Cymbal-Konfiguration – bis heute beibehalten. Allerdings ist er im Laufe der Zeit wieder bei der klassischen Bassdrum-Tiefe von 14 Zoll gelandet.

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Seit 2002 spielt er live meistens auf seiner 14“ x 6,5“ Pearl Ian Paice Signature Snare, die – im Gegensatz zu seiner früher verwendeten Alu-Supraphonic – über einen Stahlkessel verfügt. Im Laufe der Zeit ist er wieder zum Sparkle-Finish seiner frühen Jahre zurückgekehrt und spielt aktuell vierlagige Maple-Drums aus der Pearl Masterworks-Serie. Seine Drumsticks sind das Pro Mark TX808LW Ian Paice Signature-Modell, die Felle sind Remo Ambassador Coated als Schlagfelle, Ambassador Clear Resonanzfelle und ein Powerstroke 3 auf der Bassdrum. Hier stellt er sein 2025er Drumkit persönlich vor:

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Profilbild von Battery Park

Battery Park sagt:

#1 - 08.03.2026 um 19:44 Uhr

2

Oh ja,Ian Pace kann man mit Sicherheit unter die besten Drummer zählen. Unvergessen sein Schlagzeugfeuerwerk auf "Shades of Deep Purple". Sein Schlagzeugspiel war eigentlich der Hauptgrund für mich, das Album zu holen.

    Profilbild von Uwe Treiber

    Uwe Treiber sagt:

    #1.1 - 09.03.2026 um 11:58 Uhr

    0

    Großartiger Artikel über einen meiner beiden Lieblingsschlagzeuger - der andere war Jon Bonham. Seit 1973 fasziniert mich Ian Paice an den Drums. Werde dieses Jahr noch einmal Deep Purple live genießen.

    Antwort auf #1 von Battery Park

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Profilbild von Peter Hugener

Peter Hugener sagt:

#2 - 08.03.2026 um 23:07 Uhr

5

Viele male Live erlebt. Ausnahme Könner!! Mein absoluter Lieblings Drummer. Mega Power. Unglaublich auch sein Wirbel. Extrem feine Hände!! Absolute Weltklasse.!!!

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Ralf Morsch sagt:

#3 - 09.03.2026 um 07:34 Uhr

0

Hab Ihn 3 mal Live gesehen (gehört).Für mich der beste Drummer der Welt.Höre Deep Purple seit den siebzigern.

Profilbild von Horst

Horst sagt:

#4 - 09.03.2026 um 17:19 Uhr

0

auch für mich ein Weltklasse Drummer, der viele Stilrichtungen beherrscht. hab deep purple bis jetzt 7 mal gesehen. im November dann zum 8. mal, in Nürnberg. möchte ihn aber auch gern mit purpendicular mal sehen und hören.

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